Freude am Spielen ist keine Frage des Alters und auch längst kein Phänomen einer sogenannten Nischenkultur mehr. Gaming in jeder Form gehört zu unserer modernen Gesellschaft dazu, wie jede andere Art des Entertainments und der Freizeitgestaltung. Ob es sich nun um Glücksspiel in einer Spielbank oder Spielhalle, bzw. in einem seriösen Online Casino, oder um PC-, Konsolen- oder Smartphone-Spiele handelt, hängt ganz von den Vorlieben des Einzelnen ab. Selbst traditionelle Gesellschaftsspiele sind nach wie vor im Trend. Die Begeisterung kennt keine Grenzen. Das Spielen an sich fasziniert alt und jung gleichermaßen – das Kind ebenso wie den Greis. Und gelegentlich hört man sogar Geschichten, wie diese hier: Im westfälischen Gütersloh lebt ein 91-jähriger Rentner, der sich seine Spiel-Leidenschaft bis ins hohe Alter hinein bewahrt hat, und der auch noch mit über neunzig Jahren regelmäßig vor der Konsole sitzt und Videospiele zockt. Und dabei kann es gar nicht dynamisch und schnell genug sein.   

Vor 40 Jahren fing alles an

VideoslotsWilhelm Gerhard war als kaufmännischer Angestellter tätig, bevor er in Rente ging. Mittlerweile wohnt er in der Berliner Straße, in einem Zimmer des Wohnheims für Senioren. Neben einigen fröhlichen Familienfotos, die an der Wand hängen, einem gemütlichen Bett und einem Regal voller Romane von Stephen King findet man unterhalb des Fernsehapparats auch drei Konsolen. Noch während er seinen Beruf ausübte, entdeckte er seine Leidenschaft für Video-Spiele. Um genau zu sein, liegen seine erste Gaming-Versuche bereits 40 Jahre zurück. Damals saß sein Sohn an der Konsole und er gesellte sich dazu. Und mir nichts dir nichts war auch der Enthusiasmus des Vaters geweckt, erklärt Wilhelm Gerhard: „Mein Sohn saß an der Konsole. Ich wollte auch mal eine Runde spielen“. Zwar scheiterte er bei den ersten Versuchen, das Spiel für sich zu entscheiden, doch dieses Videospiel Debüt entfachte seinen Ehrgeiz. Seither lässt er keine Gelegenheit aus, sich in spektakuläre und phantasievolle Fantasy-Welten entführen zu lassen. Auf die Frage nach seinem Lieblingsspiel kommt die Antwort, wie aus der Pistole geschossen: „Ni No Kuni – Der Fluch der weißen Königin für die Playstation 3“ sagt der Gütersloher und fügt erklärend hinzu: „Es macht einfach Spaß, die bunten Welten zu entdecken“. Genau das ist, wobei es ihm beim Spielen geht: Bunte Welten und spannende sowie rätselhafte Geschichten. Bei Ni No Kuni schlüpft er in die Rolle des Protagonisten Oliver, der in diesem Abenteuer-Spiel zwischen einer magischen Welt und der Realität hin- und her springen kann. Aber nicht nur Ni No Kuni – Der Fluch der weißen Königin hat es ihm angetan. Er ist natürlich auch ganz begeistert von der Final Fantasy Reihe und einigen Spielen aus der Reihe Legends of Zelda. „Stumpfe Hau-drauf-Spiele sind nichts für mich“, erklärt der greise Zocker seine Vorlieben und drückt während des Interviews mit einer regionalen Tageszeitung flink die Knöpfe des Controllers der Playstation, um ein Monster zu besiegen. Sein Hobby ist nicht ungewöhnlich, wenn man sich die Statistiken anschaut. Dem Verband der Deutschen Games-Branche e.V. zufolge vertreiben sich mittlerweile rund 34,5 Millionen Bundesbürger regelmäßig die Zeit mit Smartphone-, Konsolen- oder PC-Spielen. Allerdings muss man dazu sagen, dass es sich bei diesen Zockern im Jahr 2020 um ein durchschnittliches Alter von 37,5 Jahren handelt.
Da liegt Wilhelm Gerhard doch mit 52,5 Jahren mehr deutlich drüber. Diese Art von „Sonderstatus“ interessiert den Rentner allerdings nicht. Er ist auch parallel zu den Konsolenspielen ein großer Freund von Unterhaltungsmedien. Seine zweite Leidenschaft gehört dem Lesen spannender und gesellschaftskritischer Bücher und obendrein ist er ein sehr guter Kunde des Filmverleihs, der der Bibliothek des Wohnheims angeschlossen ist. Seine eigene Kreativität hat er bereits unter Beweis gestellt, in dem er sich als Schriftsteller versuchte und ein eigenes Buch verfasste. „Darin geht es um die Zukunft. In meinem Alter reden viele nur von der Vergangenheit. Ich möchte gerne nach vorne schauen“, sagt der 91-Jährige.

90-jährige Zocker-Oma im Guiness Buch der Rekorde

Wer nun glaubt, dass Wilhelm Gerhard mit dieser Leidenschaft in seinem Alter allein dasteht, der irrt gewaltig. Erst vor gut einem Jahr hatte es eine 90-jährige Bürgerin aus dem Land des Lächelns mit ihrem Enthusiasmus ins Guiness Buch der Rekorde geschafft. Dies gelang ihr nicht, wie man annehmen könnte, in einer Disziplin wie beispielsweise Stricken, Häkeln oder Backen. Ganz im Gegenteil! Die renommierte internationale Rekord-Sammlung schenkte der japanischen Rentnerin einen Eintrag als „Älteste Video-Streamerin der Welt“. Hamako Mori lädt regelmäßig auf YouTube Gaming Videos hoch. Dadurch avancierte sie zu einer professionellen Gamerin, die schon etliche junge Spieler in den Schatten gestellt hat. Der Content auf ihrem eigenen Kanal, der seit 2014 existiert, beinhaltet nicht nur das Vorspielen von Computer-Games, sondern on top auch noch ihre eigenen Live Kommentare. Ihre Gaming Videos wurden bisher an die 14 Millionen angeklickt, und ihre Fangemeinde wächst von Tag zu Tag. 271.000 Abonnenten verfolgen regelmäßig das Spiel der Greisin, die vor keiner Herausforderung zurückschreckt – weder bei Call of Duty, Battlefield 4 oder dem legendären GTA. „Mit zunehmendem Alter empfehle ich Singleplayer- statt Multiplayer-Games. Wenn ihr mit jüngeren Spielern auf dem Schlachtfeld seid, werdet ihr sie zwangsläufig nur aufhalten. Aber ich denke, mit zunehmender Anzahl älterer Spieler wird es auch dedizierte Server geben, auf denen das kein mehr Problem darstellt", sagt Hamako Mori.