Während das Glücksspiel-Geschäft im Internet mit seinen zahlreichen seriösen Online Casinos im vergangenen Jahr einen wahren Boom erfahren hat, war es um die stationären Spielstätten eher schlecht bestellt. In ganz Europa hatte die Branche enorm zu leiden und blickt nun zurück auf eines der schwärzesten Jahre ihrer jüngeren Geschichte. Dem Jahresabschlussbericht 2020 der European Gaming and Betting Association (EGBA) zufolge, müssen die legalen Spielstättenbetreiber in den EU-Staaten gegenüber dem Vorjahr ein Minus von insgesamt rund 23 Prozent ihrer Einnahmen verkraften.  H2 Gambling Capital ist ein Marktforschungsunternehmen, das sich auf Glücksspiel spezialisiert hat. Gemeinsam mit dem europäischen Glücksspiel-Verband EGBA gab das Institut soeben die verheerenden Zahlen für 2020 bekannt. Sie besagen, dass die Bruttospielerträge im vergangenen Jahr knapp 76 Milliarden Euro betrugen. 2019 lagen sie noch bei 98,6 Milliarden Euro. Das entspricht einem Defizit von rund 22,6 Milliarden Euro in nur einem Jahr. Die Hauptursache für dieses desaströse Minus stellen all die landbasierten Spielbanken, Spielhallen, Wettbüros und Spielotheken dar.

Die Suche nach der Ursache

Glücksspiel OnlineSie weisen eine negative Bilanz von Minus 33 Prozent auf und lagen zur Jahreswende deutlich unter 50 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2019 handelt es sich um einen Absturz von knapp 25 Milliarden Euro, da die Einnahmen vor 12 Monaten noch bei mehr als 74 Millionen Euro lagen. Den Auslöser für diese Talfahrt sehen EGBA und H2 Gambling Capital ganz eindeutig in den zahlreichen Maßnahmen und Beschränkungen, die aufgrund der weltweit anhaltenden Gesundheitskrise eingeführt wurden. Annähernd sämtliche Glücksspiel-Märkte der Europäischen Union waren und sind davon betroffen und mussten, bzw. müssen immer noch, wochen- wenn nicht sogar monatelang ihre stationären Spielbanken, Spielhallen, Wettbüros und Spielotheken schließen. „Wie viele andere Bereiche hat auch der europäische Glücksspiel-Sektor in diesem Jahr einen Schlag erhalten, aber der Wachstumstrend im Online Bereich ist weiterhin stark,“ sagt Maarten Haijer, seines Zeichens amtierender Generalsekretär der European Gaming and Betting Association, und betont, dass die analysierten Daten der EGBA aus 2020 aber auch einen Gewinner des vergangenen Jahres ausweisen: Das Online Glücksspiel in der EU. In diesem Bereich gab es einen Anstieg der Bruttospielerträge der europäischen Betreiber auf 26,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von insgesamt 1,8 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Online Casinos sind die Gewinner 2020

Vermutlich liegt Maarten Haijer mit seiner Prognose gar nicht falsch, wenn er behauptet, dass das Umsatz-Hoch noch deutlich üppiger hätte ausfallen können, wenn nicht aufgrund der Gesundheitskrise so viele nationale wie internationale Sport-Events ausgefallen wären. H2 Gambling Capital hatte im Marktbericht für das letzte Jahr analysiert, dass diese Ausfälle zu herben Verlusten auch bei den Online Anbietern von Sportwetten, wie beispielsweise Mr. Green oder 888sport geführt haben. Der Bericht besagt: „Mit einem Umsatzanteil von 41 % sind Sportwetten die beliebteste Form des Online-Glücksspiels. Dahinter folgen Online-Casinos (34 %) und Lotterien (15 %). Poker (5 %), Bingo (4 %) und andere Glücksspiele (1%) folgen mit großem Abstand.“ Gleichzeitig sagt er dem Bereich Online Glücksspiel auch für die Zukunft einen kontinuierlichen Anstieg von rund 7 Prozent pro Jahr voraus.

Allerdings spricht er auch die Befürchtung aus, dass das stationäre Glücksspiel bis in das Jahr 2025 hinein so gut wie kein, bzw. nur ein sehr geringes Wachstum verzeichnen wird. Aktuellen Prognosen zufolge soll der gesamte EU-Glücksspielmarkt bis 2025 rund 111 Milliarden Euro an Einnahmen generieren. Bei diesen Berechnungen fällt insbesondere dem Online Geschäft eine sich stets vergrößernde Bedeutung zu. Experten gehen davon aus, dass die Online Casinos und Online Wettbüros bis 2025 nochmal 11 Milliarden zusätzlich generieren, und dadurch mehr als ein Drittel des gesamten Umsatzes der Branche in der Europäischen Union ausmachen wird. Immer wichtiger wird in diesem Zusammenhang das Smartphone. 2019 gaben noch knapp 60 Prozent der europäischen Wett-Freunde ihre Einsätze vom heimischen PC aus ab. Bis 2025 soll sich diese Zahl umkehren. Es wird erwartet, dass sich bis dahin rund 60 Prozent der Nutzer über das Smartphone einloggen um ihre Wetten zu platzieren. Interessant ist darüber hinaus, dass Schweden das europäische Land war, das 2019 noch den höchsten Anteil an Online Glücksspiel-Aktivitäten vorwies. Ihm folgte Dänemark auf Platz 2, dann kamen Großbritannien, Finnland und die Slowakei. Im Vergleich zu diesen fünf Staaten hatten einige andere, durchaus große Glücksspiel-Märkte wie beispielsweise Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien nur relativ geringe Online Anteile. Im vergangenen Jahr sah es schon ganz anders aus. 2020 war Großbritannien der größte Online Markt mit einem Anteil von 30,1 %. Dahinter folgte direkt Deutschland mit 11,4 %. Danach kamen Frankreich, Italien, Schweden, Spanien, Finnland, Dänemark, Belgien und Irland auf Platz 10.