Tom Watson, der stellvertretende Vorsitzende der Labour Party, hat vorgeschlagen, in Großbritannien mit einem neuen Ombudsmann dafür zu sorgen, dass der Spielerschutz verbessert wird. In naher Zukunft soll in Großbritannien das Glücksspiel neu reguliert werden und eine der Änderungen könnte darin bestehen, dass ein Ombudsmann berufen wird.

UKStatistikOmbudsmann soll Casino- und Buchmacher-Kunden helfen

Ein Ombudsmann ist eine unparteiische Schiedsperson, die Streitigkeiten zwischen zwei Parteien lösen soll. Bei der aktuellen Debatte geht es um einen Ombudsmann für die Glücksspielindustrie. Derzeit ist die Situation oft so, dass die Kunden in einer schwachen Position sind, wenn sie sich gegenüber einem großen Buchmacher oder einem großen Casino-Betreiber behaupten müssen. Zwar gibt es diverse Fortschritte, zum Beispiel durch die Regeln der UK Gambling Commission, aber Experten bemängeln schon länger, dass es für die Kunden in britischen Casinos mitunter schwierig ist, ihre Rechte durchzusetzen. Ein Ombudsmann könnte dazu beitragen, dass viele Konflikte einfacher und schneller als bisher gelöst werden. Insbesondere könnte vermieden werden, dass die Kunden, die einen Anspruch durchsetzen möchten, einen Anwalt beauftragen müssen.

Die Position eines Ombudsmanns gibt es zum Beispiel auch in der Versicherungsindustrie. Wenn ein Kunde ein Problem mit einer Versicherung hat, kann er sich an den Ombudsmann wenden, um eine Schlichtung zu erreichen. Auch Online Casinos und Buchmacher könnten von einem Ombudsmann profitieren, da viele unnötige Konflikte vermieden werden könnten. Nicht immer geht es bei solchen Konflikten darum, dass ein Kunde etwas vorenthalten bekommt. Manchmal sind die Konflikte deutlich komplexer und es ist nicht leicht herauszufinden, wer im Recht ist. Aber selbstverständlich gibt es auch Konflikte, bei denen eindeutig klar ist, dass der Anbieter seine Machtposition gegenüber dem Kunden ausnutzt. Wenn alle Glücksspielanbieter in Großbritannien bei Streitfällen das Urteil des vorgeschlagenen Ombudsmanns respektieren müssten, wäre das ein großer Fortschritt.

Britische Glücksspielindustrie soll stärker reguliert werden

Großbritannien hat bereits seit vielen Jahren eine gute Regulierung. Die UK Gambling Commission hat zudem gute Arbeit geleistet. Aber es gibt einige Lücken, die für eine Glücksspielbehörde schon aufgrund des personellen Aufwandes kaum zu schließen sind. Zudem kann die Glücksspielbehörde nur die Regeln umsetzen, die vom Gesetzgeber beschlossen werden. Laut Tom Watson sei es wichtig, dass der neue Gambling Act, in dem die Rahmenbedingungen für die Glücksspielindustrie vorgegeben werden, klare Regeln für Bonusangebote, Auszahlungen und andere neuralgische Punkte enthält. Nur dann sei es auch für die UK Gambling Commission möglich, die Regeln hart und streng umzusetzen. Im Moment gibt es zu viele Schlupflöcher, die von Anbietern genutzt werden, die in erster Linie den kurzfristigen Profit und nicht die langfristige Kundenbindung sehen.

Die britische Glücksspielindustrie hat über die großen Verbände mehrfach bekundet, dass eine strenge Regulierung wichtig sei. Zwar müsse diese Regulierung mit Augenmaß erfolgen, aber grundsätzlich sei es für die gesamte Branche wichtig, dass alle Anbieter guten Spielerschutz umsetzten. Es wird spannend sein zu sehen, in welcher Form der neue Gambling Act die Rahmenbedingungen für britische Casino-Betreiber und Buchmacher verändern wird. Vieles spricht dafür, dass der vorgeschlagene Ombudsmann in naher Zukunft kommen wird. Die Vorteile dieser neu zu schaffenden Position liegen auf der Hand. Aber genauso gut ist möglich, dass es in Großbritannien demnächst ähnlich strenge Bonusregeln geben wird wie zum Beispiel in Schweden. In Schweden dürfen die Anbieter ihren Kunden zum Beispiel nur einen Willkommensbonus anbieten. Danach sind sämtliche Bonusangebote untersagt.

Aus Deutschland könnte Ombudsmann gut gebrauchen

Die Vertreter der deutschen Bundesländer, die aktuell den neuen Glücksspielstaatsvertrag verhandeln, sind gut beraten, den Blick nach Großbritannien und Schweden schweifen zu lassen. Großbritannien hat viel Erfahrung mit Online Casinos und ist deswegen besonders gut aufgestellt, um eine moderne und nachhaltige Regulierung mit dem neuen Gambling Act zu schaffen. Schweden hat eine komplett neue Regulierung entwickelt, die seit Anfang des Jahres gilt. Erstmals gibt es eine schwedische Casino-Lizenz, die mittlerweile von vielen europäischen Firmen genutzt wird. Eine Kombination der britischen und schwedischen Regeln wäre keine schlechte Lösung für den deutschen Glücksspielmarkt, der bislang unreguliert ist. Derzeit ist ein Ombudsmann überhaupt nicht möglich, weil es keine bundesdeutsche Casino-Lizenz gibt. Aber vielleicht wird es demnächst nicht nur eine Lizenz, sondern auch einen Ombudsmann für Casinos und Casino-Kunden in Deutschland geben.