Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Friedrich Schneider kritisiert das bestehende Glücksspiel-Monopol in Österreich. Als Alternative schlägt Schneider ein Lizenzierungssystem vor, mit dem private Glücksspielanbieter in die Legalität überführt werden können. In Österreich gibt es zwar legales Online-Glücksspiel. Aber aufgrund des Glücksspiel-Monopols gibt es formal nur ein seriöses Online Casino. Für Schneider ist es problematisch, dass ein Monopol umgesetzt werde, obwohl das Beispiel aus anderen Ländern in Europa zeige, dass ein Lizenzierungssystem alle wichtigen Ziele der Glücksspielregulierung ebenfalls erreichen könne. In einer aktuellen Studie zeigt Schneider detailliert auf, warum das Glücksspiel-Monopol in Österreich kaum zu halten ist.

Schneider sieht Glücksspiel-Monopol in Österreich kritisch

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Glücksspiel-Monopole gab es früher in vielen europäischen Staaten. Auch in Deutschland galt lange Zeit zumindest für bestimmte Bereiche ein staatliches Glücksspiel-Monopol, zum Beispiel bei den Spielbanken. Doch in Deutschland ist die Glücksspielregulierung modernisiert worden. Seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 ist es sogar möglich, Online-Casinos, die von privaten Unternehmen betrieben werden, zu lizenzieren. Schneider fordert, dass auch Österreich diesem Weg gehen solle. Grundsätzlich sei ein Monopol nur der letzte Ausweg für den Staat, um ein wichtiges Ziel zu erreichen, zum Beispiel eine sichere Regulierung. Aber viele Länder in Europa zeigen, dass die Glücksspielregulierung auch ohne Monopol sehr gut funktionieren kann. Über ein Lizenzierungssystem können strenge Regeln umgesetzt werden. Darüber hinaus hat ein Lizenzierungssystem den Vorteil, dass der Schwarzmarkt reduziert wird. Auch wenn es in Österreich ein Glücksspiel-Monopol gibt, bedeutet dies keineswegs, dass es keine privaten Glücksspielanbieter im Internet gäbe. Schon seit vielen Jahren gibt es Online-Glücksspielanbieter, die österreichische Kunden akzeptieren.

Der österreichische Staat ist weitgehend machtlos, wenn die Glücksspielanbieter keinen Sitz in der Europäischen Union haben. Schon aus pragmatischen Gründen wäre es deswegen nach Einschätzung vieler Experten sinnvoll, einen legalen Markt für private Online-Glücksspielanbieter zu schaffen. Die österreichischen Glücksspiel-Fans verzichten nicht auf Online Spielautomaten, nur weil die Casinos keine österreichische Lizenz haben.

Glücksspiel-Monopol nur bei Marktversagen gerechtfertigt

Es kann durchaus sinnvoll sein, ein staatliches Monopol einzurichten. Nach Einschätzung von Schneider ist das aber nur dann der Fall, wenn es ein Marktversagen gibt. Da es in Österreich aber nie ein Lizenzierungssystem für private Online-Glücksspielanbieter gegeben hat, gibt es auch keine Belege dafür, dass es zu einem Marktversagen käme, wenn das Monopol abgeschafft würde. Aber es ist möglich, in andere EU-Länder zu gucken, um Argumente für oder gegen ein Glücksspiel-Monopol zu sammeln. Die Realität ist: In den meisten EU-Ländern gibt es kein Glücksspiel-Monopol im Bereich des Online-Glücksspiels. Und trotzdem funktionieren die Online-Glücksspielmärkte in Ländern wie Dänemark, Spanien oder Portugal gut.

Schneider setzt sich dafür ein, die Regulierung des Glücksspiels evidenzbasiert zu gestalten. Bei der Einführung eines Lizenzierungssystem wäre es beispielsweise möglich, umfassende Studien zu machen, um die Auswirkungen zu untersuchen. Bedauerlicherweise gilt nicht nur in Österreich, dass die Regulierung des Glücksspiels oft auf der Basis von Emotionen gemacht wird. Die vielen Glücksspielgegner, die es auch in Österreich gibt, müssen zufriedengestellt werden. Deswegen gibt es oft unsinnige Regelungen, die in der Praxis manchmal sogar dazu führen, dass der Spielerschutz, der das oberste Ziel jeder Glücksspielregulierung sein sollte, in der Praxis schlechter wird.

Deutschland als Vorbild für Österreich beim Glücksspiel?

Es kommt nicht oft vor, dass Deutschland ein Vorreiter bei einem digitalen Problem ist. Aber beim Online-Glücksspiel ist Deutschland zumindest schneller als Österreich. Im europäischen Vergleich ist Deutschland zwar weit von der Spitze entfernt, wenn es um die Regulierung des Online-Glücksspiels geht. Aber dank Österreich liegt Deutschland zumindest nicht auf dem letzten Platz. Deutschland hat ein Lizenzierungssystem eingeführt, mit dem virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Online-Tischspiele reguliert werden können. Das System ist weit davon entfernt, perfekt zu sein.

Aber immerhin können in Deutschland private Glücksspielanbieter eine Lizenz (Erlaubnis) bekommen, um Spielautomaten im Internet anzubieten. Dass die Online-Tischspiele nur in einzelnen Bundesländern verfügbar sein werden, zeigt eindrücklich, dass auch Deutschland noch viel ändern muss, um ein sinnvolles Lizenzierungssystem umzusetzen. In Deutschland mangelt es aber nicht nur an einer vernünftigen Struktur, sondern auch an der praktischen Umsetzung. Sollte Österreich irgendwann ein Lizenzierungssystem für private Glücksspielanbieter einführen, ist die wichtigste Lektion aus Deutschland: Es ist sinnvoll, zuerst eine leistungsstarke Glücksspielbehörde aufzubauen und anschließend ein neues Lizenzierungssystem einzuführen.