Die Einführung einer neuen Wettbürosteuer in Nordrhein-Westfalen wird zum Erfolgsmodell, zumindest für die Kommunen. Mittlerweile haben über 70 Kommunen die neue Steuer eingeführt. Zu den Städten, in denen die Wettbüro-Betreiber die Wettbürosteuer bezahlen müssen, gehören Witten, Herne, Dortmund, Gelsenkirchen, Hattingen, Castrop-Rauxel und Dortmund. Von jedem Bruttoeinsatz müssen die Buchmacher drei Prozent an den die Gemeinde abführen. Jede Gemeinde hat die Möglichkeit, die Wettbürosteuer individuell einzuführen. Aber angesichts chronisch klammer Kassen ist es nicht schwer, die kommunale Politik davon zu überzeugen, dass die Wettbürosteuer eine gute Sache ist. Viele Buchmacher sehen das allerdings ganz anders.

Neue Wettbürosteuer in Nordrhein-Westfalen

Online Sportwetten

Die neue Wettbürosteuer in NRW darf nicht verwechselt werden mit der Wettsteuer, die es schon seit vielen Jahren gibt. Die Wettbürosteuer ist eine neue Sache und eine zusätzliche Belastung für viele Buchmacher. Spannend ist allerdings, dass nicht jeder Buchmacher automatisch ein Wettbüro betreibt. Vielmehr ist es erforderlich, dass nicht nur Wettscheine akzeptiert werden, sondern auch das Verfolgen von Sportereignissen auf Bildschirmen stattfindet. Das dürfte allerdings für fast alle Buchmacher in Nordrhein-Westfalen gelten. Der wichtigste Grund für Sportwetten-Fans, ein Wettbüro aufzusuchen und nicht online zu wetten, ist die soziale Interaktion. Wer nur einen Wettschein abgeben möchte, kann dies unkompliziert im Internet machen.

Die Befürworter der Wettbürosteuer führen zwei Gründe für die Einführung an. Spannend ist dabei, dass diese Gründe sich ein Stück weit widersprechen. Einerseits soll die neue Steuer dazu beitragen, dass die Buchmacher niedrigere Umsätze machen. Andererseits soll ein attraktives Steueraufkommen die Kassen der Kommunen aufbessern. Beide Ziele lassen sich nicht gleichzeitig optimieren. Die Buchmacher haben zwei Möglichkeiten, die neue Wettbürosteuer zu kompensieren. Entweder muss die Qualität der Quoten reduziert werden oder die Kunden müssen eine Gebühr bezahlen. Bei der herkömmlichen Wettsteuer wird in der Regel eine Gebühr berechnet. Es ist deswegen anzunehmen, dass auch die Wettbürosteuer in NRW über eine Gebühr an die Kunden weitergeleitet wird.

Wettbürosteuer für neue Arbeitsplätze in der Verwaltung?

Aktuell wird in Bochum darüber debattiert, ob die Wettbürosteuer eingeführt werden soll. Die Diskussionen um dieses Thema sind erhellend. Schon ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass Spielerschutz vielleicht nicht das wichtigste Thema ist bei der neuen Wettbürosteuer, jedenfalls in der Praxis. Die Stadt Bochum kalkuliert mit etwa 250.000 Euro, die mit der neuen Steuer eingenommen werden könnten. Allerdings müssten zwei Positionen in der Verwaltung neu geschaffen werden, um den administrativen Aufwand, der mit der Wettbürosteuer entsteht, zu bewältigen. Diese beiden Stellen würden etwa 100.000 Euro kosten. Nimmt man noch die Kosten hinzu, die für den Verwaltungsaufwand entstehen, dürfte die Zahl insgesamt noch ein ganzes Stück weit höher liegen.

Die Wettsteuer ist für die Kommunen vergleichsweise gering, für viele Buchmacher aber ein großes Problem. Die Betreiber der Wettbüros müssen mit den Online-Buchmachern konkurrieren, die keine Wettbürosteuer bezahlen müssen. Das ist ein Wettbewerbsvorteil für die Online-Wettanbieter, der bislang aber von den zuständigen Gerichten nicht als Hindernis erkannt worden ist. Es steht allerdings noch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus. Völlig undenkbar ist nicht, dass die Wettbürosteuer im letzten Moment noch gekippt wird. Einstweilen müssen die Wettbüro-Betreiber in den betroffenen Kommunen in NRW aber die Wettsteuer bezahlen und die Wettquoten entsprechend anpassen oder eine Gebühr von den Kunden kassieren.

Höhere Steuern für besseren Spielerschutz?

Steuern sind bei vielen Politikern enorm beliebt, insbesondere wenn sie von einer Branche bezahlt werden müssen, die in der breiten Bevölkerung keine große Lobby hat. Einen Arbeiteraufstand wird es jedenfalls nicht geben, weil die Buchmacher in NRW eine Wettbürosteuer bezahlen müssen. Ähnliches gilt für die Glücksspielsteuer, die neben den Online-Buchmachern und den Wettbüro-Betreibern auch die Anbieter von Online-Spielautomaten bezahlen müssen.

Allerdings übersehen viele Politiker, dass es nicht unbegrenzt sinnvoll ist, legale Wettangebote und Glücksspiele durch Steuern unattraktiver zu machen. Es ist kein Zufall, dass es auch in Nordrhein-Westfalen immer mehr Anbieter von illegalen Glücksspielen gibt. Wenn der legale Markt nicht mehr attraktiv genug ist für die Sportwetten- und die Glücksspiel-Fans, findet eine Abwanderung in Richtung Schwarzmarkt statt. Auch die Wettbürosteuer in NRW dürfte diesen Effekt haben. Die Frage ist nur, wie groß dieser Effekt ist.