Westspiel ist verkauft worden. Die Gauselmann-Gruppe hat den Zuschlag erhalten für 141,8 Millionen Euro. Zu Westspiel gehören die Spielbanken in NRW, Bremen und Bremerhaven. Die Gauselmann-Gruppe ist der größte deutsche Glücksspielkonzern. Nach der Zustimmung der Kartellbehörden wurde der Verkauf von Westspiel an den Glücksspielanbieter besiegelt. Westspiel war bisher ein staatliches Unternehmen des Bundeslandes NRW. Schon Ende Juli war klar, dass Gauselmann-Gruppe das Bieterverfahren gewonnen hatte. Allerdings war zum damaligen Zeitpunkt der Kaufpreis noch nicht öffentlich. Zudem musste die Prüfung der Kartellbehörden abgewartet werden, da die Gauselmann-Gruppe bereits zahlreiche Spielhallen und Spielbanken in Deutschland betreibt.

NRW verkauft Spielbanken nach mehreren Jahren Anlauf

Gauselmann Gruppe

Der Verkauf des Glücksspielanbieters Westspiel ist seit vielen Jahren ein Thema in Nordrhein-Westfalen. Aber erst die aktuelle Landesregierung unter Armin Laschet hat den Verkauf des staatlichen Unternehmens durchgesetzt. Es gibt seit vielen Jahren starke Argumente für und gegen den Verkauf von Westspiel. Ein grundsätzliches Argument ist beispielsweise, dass der Staat nicht als Glücksspielanbieter auftreten sollte. Allerdings ist es in Deutschland nicht unüblich, dass der Staat Spielbanken betreibt. Zwar sind in den letzten beiden Jahrzehnten diverse Spielbanken privatisiert worden. Aber es gibt nach wie vor Bundesländer, in denen alle Spielbanken von staatlichen Unternehmen betrieben werden. In NRW ist das in Zukunft nicht mehr der Fall. Die Westspiel-Spielbanken sind die Spielbank Bad Oeynhausen, die Spielbank Aachen, die Spielbank Bremen, die Spielbank Bremerhaven, die Spielbank Hohensyburg und die Spielbank Duisburg. Besonders attraktiv sind die Spielbanken in Hohensyburg und Duisburg. Diese beiden Standorte haben nicht nur eine lange Tradition, sondern vor der Gesundheitskrise auch regelmäßig erstklassige wirtschaftliche Ergebnisse geliefert. Dass ein NRW-Glücksspielanbieter auch Spielbanken in Bremen und Bremerhaven betreibt, hat historische Gründe.

Der Verkauf von Westspiel wurde bereits im Jahr 2018 beschlossen. Aber bei staatlichen Verfahren läuft alles ein bisschen langsamer ab als in der Privatwirtschaft. Von Anfang an war spekuliert worden, dass die Gauselmann-Gruppe einer der Favoriten für den Erwerb der Westspiel-Spielbanken sei. Warum ist das so? Die Gauselmann-Gruppe verfügt über die nötigen finanziellen Mittel, um eine dreistellige Millionensumme aufzubringen. Zudem passen die Spielbanken von Westspiel hervorragend in das bereits vorhandene Portfolio. Die Gauselmann-Gruppe ist im landbasierten Glücksspiel Marktführer in Deutschland. Die zahlreichen Merkur-Spielotheken der Gauselmann-Gruppe prägen die Glücksspielwelt in vielen Teilen Deutschlands. Aber es gibt auch Konkurrenz. Das Bieterverfahren war nicht öffentlich, sodass nur spekuliert werden kann, gegen wen sich die Gauselmann-Gruppe am Ende durchgesetzt hat. Vermutlich war noch der eine oder andere große Glücksspielkonzern aus Österreich am Bieterverfahren beteiligt. Ob der Kaufpreis angemessen ist, wird sich vor allem langfristig zeigen. Die Gauselmann-Gruppe setzt weiterhin auf das stationäre Glücksspiel, auch wenn das Online-Glücksspiel in Deutschland mittlerweile komplett legalisiert ist.

Gauselmann-Gruppe bekommt neben Spielbanken zwei neue Konzessionen

Zum Gesamtpaket von Westspiel gehört neben den vorhandenen Spielbanken auch noch die Option, zwei weitere Spielbanken-Konzessionen in NRW zu bekommen. Es ist davon auszugehen, dass die Gauselmann-Gruppe diese Chance nutzen wird. Es sei geplant, die Spielbanken unter der Marke Merkur neu zu gestalteten. Ob alle 900 Mitarbeiter, die zuletzt bei Westspiel beschäftigt waren, übernommen werden, sei nicht völlig sicher. Aber die Gauselmann-Gruppe hat sich den Ruf erworben, ein guter Arbeitgeber zu sein. Vieles wird allerdings davon abhängen, wie sich die Spielbanken unter den nach wie vor schwierigen Rahmenbedingungen der Gesundheitskrise entwickeln. Im Jahr 2019 konnten die Westspiel-Spielbanken in Nordrhein-Westfalen Bruttospielertrag von 117 Millionen Euro erwirtschaften. Wenn die Spielbanken nach der Krise ähnlich erfolgreich sind, dürfte sich die Investition in Westspiel für die Gauselmann-Gruppe schnell bezahlt machen. Grundsätzlich sind die Westspiel-Spielbanken in einem guten Zustand. Die Basis für langfristige Erfolge ist hoch. Vor der Krise seien die Westspiel-Banken nach einigen schwierigen Jahren auf einem guten Weg gewesen. Die Gauselmann-Gruppe verfügt über das nötige Know-how und auch die nötigen Mittel, um die Spielbanken in NRW auf ein neues Niveau zu heben. Die wichtigste Voraussetzung für künftigen Erfolg ist aber, dass die Nachfrage nach Glücksspielen trotz Krise ungebrochen hoch ist. Das wird unter anderem daran deutlich, dass die Online Casinos sehr gut laufen.

Die neue Glücksspielregulierung in Deutschland sieht vor, dass Tischspiele nur noch in Spielbanken und bei von den einzelnen Bundesländern konzessionierten Online-Anbietern zur Verfügung gestellt werden können. Die Spielbanken haben somit zumindest in der Theorie einen deutlichen Vorteil. In NRW sind allerdings bereits Konzessionen für Online-Tischspielanbieter geplant. Es wird spannend sein zu sehen, ob die Gauselmann-Gruppe auch an diesen Konzessionen interessiert ist. Am Ende könnte das dann auch eine Frage für die zuständige Kartellbehörde werden. Es gibt viele Glücksspiel-Fans, die nach wie vor gerne Spielbanken besuchen. Aber es kann sein, dass durch die Gesundheitskrise und die nach wie vor schwer einzuschätzenden Folgen die Spielbanken nie mehr die alten Zahlen erreichen. Aber vermutlich wird man bei der Gauselmann-Gruppe auch das einkalkuliert haben. Erst in den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob sich der Kauf von Westspiel für die Gauselmann-Gruppe gelohnt hat. Eines ist sicher: Der Staat wird in Zukunft nur noch in Form von Steuern und Abgaben von den Erfolgen der Westspiel-Spielbanken profitieren.