Die Leitung der Casinos Austria AG (CASAG) steht aktuell zur Disposition, da sich die noch amtierende Casinos-Chefin Bettina Glatz-Kremsner Ende März kommenden Jahres in den Ruhestand verabschieden wird. Aktuell dominieren drei Namen hochkarätiger Manager die Shortlist des Headhunters Spencer Stuart. Gegen Ende November werden die ersten Gespräche geführt, und im Anschluss soll es zu einer schnellen Entscheidung kommen.

Diesmal soll es keine „politische Besetzung“ geben

Casinos Austria

Wer die Nachfolge von Bettina Glatz-Kremsner antreten wird steht derzeit noch in den Sternen. Die Leitung der Casinos Austria AG (CASAG) muss diesmal jedoch von einer Person übernommen werden, die über ausreichende Erfahrungen mit dem Glücksspiel-Markt verfügt, wobei das Thema seriöse Online Casinos nicht außen vor gelassen werden kann. So sieht es nicht nur das österreichische Glücksspielgesetz vor, mit dem es vor der Amtsperiode von Bettina Glatz-Kremsner nicht so genau genommen wurde. Auch die tschechische Sazka-Group, ihres Zeichens Mehrheitseigentümer bei der CASAG, fordert einen ausgewiesenen Experten aus diesem Bereich. Keinesfalls will sich die Sazka-Group noch einmal auf eine „politische Besetzung“ einlassen, wie es in der Vergangenheit oftmals gehandhabt wurde. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass die neue CASAG-Leitung auch über eine gewisse Lotto-Expertise verfügen muss. Schließlich ist die Sazka-Group Europas größter und einflussreichster Lotto-Anbieter, und die Lotterien der Casinos Austria AG gelten als die sogenannten Cash-Cows. Aus diesem Grund verwundert es auch nicht, dass keine österreichischen Namen auf der Shortlist des Headhunters Spencer Stuart auftauchen. Weder gibt es aus dem Konzern selbst einen geeigneten Kandidaten, noch stehen Novomatic-Manager zur Verfügung. Nach der Ibiza-Affäre kommen weder ehemalige, noch aktuelle Novomatic-Mitarbeiter mehr in Frage.

Alle drei Manager, die auf der Shortlist stehen, befinden sich derzeit noch in seriösen und skandalfreien Arbeitsverhältnissen. Die Spekulationen innerhalb der Branche gehen dahin, dass möglicherweise eine Frau die Glatz-Kremsner-Nachfolge antreten könnte. In diesem Zusammenhang sind auch bereits Namen gefallen, wie u.a. der von Karin Klein. Sie ist beim deutschen Sportwetten-Veranstalter Tipico zur Zeit als Chief Regulatory Officer angestellt. Diese Empfehlung soll Gerüchten zufolge von Helmut Kern ausgesprochen worden sein. Er ist bei der österreichischen Staatsholding ÖBAG, die an der CASAG ein Drittel hält, der amtierende Aufsichtsratschef. Eine Stellungnahme zu diesem Thema ist von Helmut Kern nicht zu bekommen, und auch Karin Klein hält sich bedeckt. Gegenüber einer großen österreichischen Tageszeitung erklärte sie, dass sie bei Tipico bleiben wolle.

Der in Malta lizenzierte Sportwetten-Anbieter Tipico, der derzeit noch keine Spielautomaten in seinem Portfolio hat, ist Marktführer in Deutschland und Hauptsponsor der österreichischen Fußball-Bundesliga.

„Unvereinbarkeit“ bei vielen ausländischen Glücksspiel-Managern

Wolfgang Hesoun ist der Chef von Siemens Österreich und darüber hinaus der Aufsichtsratspräsident der Casinos Austria AG. Er hat mit der Nominierung der neuen CASAG-Leitung jedoch nichts zu tun. Merkwürdig erscheint es schon, dass ausgerechnet der erste Vorsitzende nicht in diesem Nominierungsausschuss sitzt. Gerüchten zufolge steht diese Tatsache in Zusammenhang damit, dass es mit der Beziehung zwischen Wolfgang Hesoun und Helmut Kern nicht zum Besten bestellt ist. Hesoun soll für die Nachfolge von Bettina Glatz-Kremsner die Rechtsanwältin Edith Hlawati ins Auge gefasst haben, während Helmut Kern angeblich Thomas Schmid favorisiert, den ehemaligen ÖBAG-Chef.

Zu einem Problem mit der Unvereinbarkeit kommt es bei vielen Glücksspiel-Managern aus dem Ausland, da die Unternehmen, bei denen sie derzeit angestellt sind, in Österreich illegal ihren Geschäften nachgehen. Ausschließlich das Unternehmen win2day, das zur CASAG gehört, hat eine inländische Lizenz für Casino-Spiele im Internet. Aus diesem Grund musste auch Luke Alvarez als neuer Lotterien-Aufsichtsratschef nach nur einem Tag im Amt sein Mandat niederlegen. Auch er soll eine Empfehlung von Helmut Kern gewesen sein. Eine österreichische Tageszeitung hatte herausgefunden, dass der Brite Alvarez zuvor bei BetVictor beschäftigt war. BetVictor gehört zu den führenden europäischen Online Glücksspiel-Betreibern, die auch in Österreich aktiv waren. Mittlerweile wurden österreichische Spieler von BetVictor mit einer Sperre versehen. Im weltweiten Gaming-Geschäft mit all seinen Freispielen kennt sich Helmut Kern bestens aus. Bei betandwin, einem weiteren Online Glücksspiel-Anbieter, saß er ebenfalls im Aufsichtsrat. Nach seiner ÖBAG-Bestellung legte er jedoch sein Mandat bei der betandwin-Tochter bwin.party nieder.

Der Staat Österreich und das Glücksspiel

Zu den illegalen Online Glücksspiel-Anbietern in Österreich gehörte auch Tipico. Im Februar dieses Jahres wurde die Aktivität auf dem österreichischen Markt jedoch eingestellt. In der Branche wird vermutet, dass der Grund hierfür die Bewerbung für eine bundesdeutsche Lizenz gewesen ist. Schließlich beobachten die Lizenzierungs-Behörden ganz genau, was die Bewerber auch noch im Ausland so treiben. Tipico hängen bei dem Prozessfinanzierer AdvoFin derzeit 43 Klagen von Spielerinnen und Spielern an, die den Gesamtbetrag von einer Million Euro übersteigen. Dies bestätigte Gerhard Wüst, Vorstandsmitglied von AdvoFin. Auch darüber hinaus ist im Bereich des Glücksspiels einiges sehr merkwürdig im Staat Österreich. Beispielsweise liegt der WKStA eine Strafanzeige des Vereins Spielerhilfe vor, der Finanzminister Gernot Blümel des Amtsmissbrauchs verdächtigt, weil er „illegales, ausländisches Online Gaming“ zulässt. Zudem wurden bei der Finanzprokuratur Spielverluste geltend gemacht. Hinzu kommt die etwas absurde Situation, dass nicht legale Online Glücksspiel-Anbieter in Österreich Steuern entrichten. Insgesamt 155 Millionen Euro von 17 illegalen Unternehmen flossen in den Jahren 2011 bis 2017 an den österreichischen Staat.