Warwick Bartlett von Global Betting & Gaming Consultants hat in einem aktuellen Interview interessante Prognosen für die Entwicklung des europäischen Glücksspielmarkts gemacht. Auch für Deutschland hat Bartlett einige interessante Prognosen zu bieten. Warwick Bartlett ist ein Urgestein der Glücksspielindustrie und mittlerweile als Berater in seinem eigenen Unternehmen tätig. Das Glücksspiel hat sich weltweit durch die Gesundheitskrise in den letzten beiden Jahren anders entwickelt als prognostiziert war. Doch nun scheint die Gesundheitskrise einem Ende entgegenzugehen und es lohnt sich, einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Warwick Bartlett sieht Glücksspielindustrie gut aufgestellt

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Bei einem Blick auf das Jahr 2021 lässt sich feststellen, dass in vielen Ländern die Umsätze deutlich nach oben gegangen sind. Das Jahr 2020 war laut Warwick Bartlett für die gesamte Glücksspielbranche denkwürdig. In vielen Ländern mussten Spielbanken und Spielhallen komplett schließen, jedenfalls für einen langen Zeitraum. Das war im Jahr 2021 zumindest nicht mehr flächendeckend der Fall. Deswegen konnten sich die Anbieter im terrestrischen Glücksspiel einigermaßen erholen. Für Bartlett ist es beeindruckend, wie schnell sich Las Vegas wieder erholt hat. Der riesige Bedarf nach Glücksspiel lässt sich nirgendwo auf der Welt so gut beobachten wie an diesem Ort mitten in der Wüste Nevadas.

Macau, der große Gegenpol zu Las Vegas in Asien, hat sich auch einigermaßen erholt. Allerdings werden in Macau einige Änderungen erwartet. Noch ist unklar, ob es zu erheblichen Einschränkungen durch neue Regulierungen kommen wird. Warwick Bartlett geht allerdings davon aus, dass sich nicht allzu viel ändern wird. Insgesamt hat der Glücksspielmarkt noch viel Potenzial. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Umsätze weltweit auf dem Niveau sind, das vor der Gesundheitskrise üblich war. Erschwerend kommt in einigen europäischen Märkten hinzu, dass die Regulierung deutlich verschärft worden ist. In den Niederlanden und in Deutschland ist die Regulierung bereits deutlich verändert worden. In Großbritannien erwartet die Glücksspielindustrie in Kürze eine neue Regulierung.

Bartlett sieht deutsche Glücksspielregulierung kritisch

Für Warwick Bartlett ist der deutsche Glücksspielmarkt „drakonisch“ reguliert worden durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag. Das ist eine Auffassung, die viele Experten inhaltlich teilen, aber vielleicht etwas dezenter zum Ausdruck bringen würden. Doch was sieht Bartlett kritisch in Deutschland? Grundsätzlich sieht Bartlett es nicht als Aufgabe des Staates an, jedem Bürger vorzuschreiben, ob er spielen und wie viel Geld er beim Spielen einsetzen darf. Das ist eine liberale Haltung, die auch in Deutschland durchaus zu finden ist. Beispielsweise ist die FDP seit vielen Jahren bekannt dafür, bei der Glücksspielregulierung eine freiheitliche Lösung zu bevorzugen.

In den Niederlanden zeigt sich aktuell nach Einschätzung von Bartlett, dass es sehr schwer ist, eine restriktive Glücksspielregulierung durchsetzen. Die Niederlande versuchen aktuell Glücksspielanbieter in anderen Ländern zu bestrafen, weil sie niederländische Kunden akzeptieren. Ob das ein sinnvoller Weg ist, darf zumindest bezweifelt werden. Nicht einmal China und Russland gelingt es, das Internet komplett abzuschotten. In Deutschland sind Internetsperren geplant, um nicht lizenzierte Anbieter vom Markt fernzuhalten. Doch generell sieht Warwick Bartlett in den diversen Blockade-Möglichkeiten, die es technisch gibt, keine Lösung. Der Bedarf nach Glücksspiel ist so groß, dass es immer Möglichkeiten geben wird, Blockaden zu umgehen.

Online-Glücksspiel bleibt auf Wachstumskurs

Unabhängig von der Situation in Deutschland und einigen anderen streng regulierten Märkten in Europa ist eines jedoch ziemlich sicher: Das Online-Glücksspiel wird weiter wachsen, auch in Europa. In den USA gibt es ohnehin einen riesigen Wachstumsmarkt, denn lange Zeit war das Online-Glücksspiel nicht zulässig. Seit sich das geändert hat, entstehen gigantische Angebote, um die nicht weniger gigantische Nachfrage zu bedienen. Am Ende gilt wohl das, was Warwick Bartlett immer wieder in seinem Interview durchscheinen lässt: Nur wenn eine Regulierung so gestaltet ist, dass die Bedürfnisse der Glücksspiel-Fans vernünftig bedient werden, kann sie erfolgreich sein. Ob das für die deutsche Glücksspielregulierung gilt, darf zumindest in Zweifel gezogen werden.