Der maltesische Glücksspielanbieter Tipwin, der gerade erst in Deutschland eine Lizenz für virtuelle Automatenspiel erhalten hat, könnte in Kürze die Lizenz in Dänemark verlieren. Die dänische Glücksspielbehörde Spillemyndigheden hat ihre Erkenntnisse zu den Problemen beim Schutz vor Geldwäsche bei Tipwin der dänischen Polizei mitgeteilt. Im Kern geht es darum, dass Tipwin angeblich im Sportwetten-Geschäft nicht die nötigen Kontrollen und Abläufe eingebaut hat, um Geldwäsche zu verhindern. Nach Einschätzung der dänischen Glücksspielbehörde habe Tipwin nicht die nötigen Voraussetzungen geschaffen, um Geldwäsche wirkungsvoll zu verhindern. Das ist einigermaßen erstaunlich, denn der Schutz vor Geldwäsche ist schon seit Jahren einer der wichtigsten Standards in der Glücksspielbranche.

Tipwin in Dänemark enorm unter Druck

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Für einen Glücksspielanbieter ist es der Supergau, wenn Vorwürfe wegen mangelhaftem Schutz gegen Geldwäsche erhoben werden. Zudem beschreibt die dänische Glücksspielbehörde Spillemyndigheden in ihrer Pressemitteilung zum Fall, dass die Regeln klar und eindeutig kommuniziert worden seien. Aber da Tipwin den Vorgaben nicht gefolgt sei, habe es am Ende keine andere Möglichkeit gegeben, als die Polizei zu informieren. Das ist nachvollziehbar, denn die dänische Glücksspielbehörde muss schon aus juristischen Gründen derartige Vorwürfe melden. Ansonsten könnten sich die Mitarbeiter unter Umständen sogar strafbar machen. Erfahrungsgemäß kommt es aber nur zu einem solchen Schritt, wenn stichhaltige Beweise vorliegen, da der Schaden für die Reputation des Glücksspielanbieters erheblich sein kann.

Tipwin hat drei Monate Zeit, die Vorwürfe aufzuklären. Sollte dies nicht gelingen, droht der Lizenzentzug in Dänemark. Aber schon durch die schlechte Presse könnte Tipwin einen erheblichen Schaden auf dem dänischen Glücksspielmarkt erleiden. Wer möchte schon bei einem Sportwetten-Anbieter oder einem Glücksspielanbieter spielen, der von der Polizei wegen potenzieller Verstöße gegen Geldwäsche-Regeln untersucht wird? Die ganze Situation ist ein Fiasko für Tipwin, selbst wenn sich herausstellen sollte, dass an den Vorwürfen nichts dran ist. Danach sieht es allerdings nicht unbedingt aus. In jedem Fall muss die Frage gestellt werden, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Ist die Unternehmensführung ihren Aufgaben ordnungsgemäß nachgekommen?

CEO taucht in den Paradise Papers auf

Ivica Batinic, der CEO von Tipwin, taucht in den Paradise Papers auf. Auch das Unternehmen Tipwin ist in den Paradise Papers vertreten. Was sind die Paradise Papers? Im Rahmen einer umfangreichen Recherche konnten Journalisten im Jahr 2016 geleakte Dokumente der Anwaltskanzlei Appleby und des Treuhänders Asiaciti Trust, beide mit Sitz auf der Isle of Man, veröffentlichen. In den Paradise Papers geht es um Geldwäsche, Steuerbetrug, Offshore-Firmen und all die anderen guten Sachen, die reichen Menschen und großen und kleinen Unternehmen dabei helfen, Gewinne zu optimieren, ohne lästige Gesetze zu beachten. Was genau Ivica Batinic und Tipwin diesbezüglich gemacht haben, ist bislang nicht umfassend aufgearbeitet worden. Aber vielleicht folgen nun Ermittlungen der dänischen Polizei in diese Richtung.

Was wusste das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt?

Angesichts der aktuellen Meldungen aus Dänemark stellt sich die Frage, wie Tipwin vom Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt eine Lizenz für virtuelle Automatenspiele bekommen konnte. Wenn Tipwin in Dänemark unangenehm auffällt, ist dann nicht auch die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ähnliche Probleme in Deutschland entstehen könnten? Und wieso hat Tipwin eine Lizenz für Sportwetten in Deutschland im letzten Jahr bekommen. Wusste das Regierungspräsidium Hessen, das zuständig ist für die Lizenzvergabe, nichts über das Erscheinen von Ivica Batinic und Tipwin in den Paradise Papers? Da von der englischen Queen bis zu großen Konzernen wie Apple und Facebook fast alles, was Rang und Namen hat, in den Paradise Papers auftaucht, befindet sich Ivica Batinic zumindest nicht in schlechter Gesellschaft.

Trotzdem stellt sich die Frage, was das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt fast ein Jahr lang überprüft hat, wenn Personen und Unternehmen, die auf diese Weise auffallen, auf dem deutschen Glücksspielmarkt Geld verdienen können. Zumindest wäre es gut, wenn das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt detailliert erklären würde, ob eine Überprüfung stattgefunden hat und warum das Auftauchen von Ivica Batinic und Tipwin in den Paradise Papers nicht dazu geführt hat, dass die Lizenz verweigert worden ist. So viel Transparenz sollte doch möglich sein, wenn es darum geht, einen erstklassigen Online-Glücksspielmarkt aufzubauen. Oder hat man vielleicht im Landesverwaltungsamt vergessen, Ivica Batinic und Tipwin ausführlich zu googeln? Auszuschließen ist beim aktuellen Stand der Digitalisierung in Deutschland nichts.