Die Stadtcasino Baden Gruppe wird derzeit öffentlich kritisiert. Bei der Kritik geht es darum, dass das Unternehmen das Casino Locarno übernehmen möchte. Da die Stadtcasino Baden Gruppe teilweise Stadt gehört, dürfen die Bürger und die Politiker selbstverständlich mitreden. Gian von Planta, der GLP-Großrat, hat es sich sogar öffentlich zum Ziel gemacht, die Übernahme zu verhindern. Aber der grünliberale Politiker möchte noch mehr erreichen. Am Ende soll die Stadt das Engagement in Glücksspielbereich komplett aufgeben. Alle Spielbank-Aktien sollen demnach verkauft werden. Derzeit hält die Stadt die Hälfte der Aktien der Stadtcasino Baden Gruppe.

Stadtcasino Baden Gruppe will Casino Locarno

Spielbank Baden Baden

Viele Glücksspiel-Fans in der Schweiz kennen die Stadtcasino Baden Gruppe als Betreiber des Grand Casino Baden. Darüber hinaus ist das Unternehmen aber auch noch an zwei Spielbanken in Sachsen-Anhalt beteiligt. In beiden Fällen liegt der Anteil bei 25 Prozent. Wenn es nach Gian von Planta geht, wird sich die Stadt demnächst komplett aus dem Glücksspielgeschäft zurückziehen. Warum fordert der Politiker den Ausstieg? Es ist für einen Politiker, der sich als liberal bezeichnet, völlig selbstverständlich, dass der Staat keine Geschäfte betreibt, die privaten Unternehmen vorbehalten sein sollten. Beim Glücksspiel ist das nach Einschätzung vieler Liberaler, nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland, der Fall.

Die Diskussion um das Engagement der Stadt Baden beim Glücksspiel bekommt neues Futter durch die geplante Übernahme des Casinos Locarno. Die Idee hinter der Übernahme besteht darin, das Casino mit einer A-Lizenz auszustatten, also der höchsten Lizenz für Spielbanken in der Schweiz. Auf dieser Basis sollen dann lukrative Geschäfte möglich sein. Ob das wirklich der Fall ist, wird aktuell öffentlich diskutiert. Einige Politiker sehen ein erhebliches Risiko in dem zusätzlichen Engagement. Insbesondere könnte es passieren, dass am Ende die gewünschte Konzession nicht erteilt wird. Im Jahr 2023 werden in der Schweiz die Konzessionen für Spielbanken neu vergeben. Es ist keineswegs sicher, dass das Casino Locarno 2023 die gewünschte A-Lizenz bekommt. Ohne die A-Lizenz wäre die Übernahme wirtschaftlich aber wahrscheinlich nicht sinnvoll.

Ist der Staat der beste Glücksspielanbieter?

In Deutschland galt sehr lange, dass Spielbanken ausschließlich von staatlichen Unternehmen betrieben werden durften. Doch in einigen Bundesländern hat sich das mittlerweile geändert. Zuletzt sind beispielsweise die Westspiel-Spielbanken in NRW privatisiert worden. Auch in Nordrhein-Westfalen waren es am Ende vor allem liberale Politiker, die sich bei diesem Thema durchgesetzt haben. Aber es gibt deutsche Bundesländer, in denen die Spielbanken nach wie vor vom Staat betrieben werden. Die Begründung ist dabei traditionell, dass der Staat bessere Möglichkeiten habe, einen erstklassigen Spielerschutz zu bieten. Insbesondere habe der Staat nicht die gleichen Gewinnabsichten wie ein privates Unternehmen. In der heutigen Zeit wirkt diese Begründung allerdings ein Stück weit antiquiert, denn es gibt in Deutschland nicht nur Spielbanken, sondern auch Spielhallen und Online Casinos.

Es mag sein, dass im direkten Vergleich der Staat vielleicht sogar der bessere Betreiber von Spielbanken ist. Natürlich haben private Glücksspielanbieter Gewinnabsichten, die unter Umständen vielleicht dazu führen könnten, dass Regeln nicht eingehalten werden. Aber wenn dieser Standard in allen Bereichen gelten würde, müsste der Staat jede Branche übernehmen. Zudem lässt sich auch in der Glücksspielbranche die Frage stellen, warum der Staat nur die Spielbanken, aber nicht die zahlreichen Spielhallen und Online Casinos übernimmt. Die simple Wahrheit ist wohl, dass der Staat in vielen Fällen von den Spielbanken finanziell profitiert. Der Staat ist vielleicht nicht der bessere Unternehmer, aber wenn es darum geht, Einnahmen zu kassieren, steht der Staat der privaten Konkurrenz in nichts nach.

Online Casinos haben Glücksspielmarkt verändert

Bevor die Online Casinos erfunden wurden, mussten Glücksspiel-Fans, die Bankhalter-Spiele erleben wollten, eine Spielbank besuchen. Mittlerweile gibt es die Möglichkeit, Casino-Spiele in einer schier unglaublichen Auswahl im Internet zu zocken. Niemand ist mehr darauf angewiesen, dass es Spielbanken gibt. Auch die Betreiber der Spielhallen merken zunehmend die Konkurrenz aus dem Internet. In einer Zeit, in der Glücksspiel-Fans jederzeit auf Ihrem Smartphone Spielautomaten und andere Games erleben können, wirkt es ein bisschen seltsam, dass darüber diskutiert wird, ob der Staat als Glücksspielanbieter auftreten sollte. Das gilt nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz und nicht zuletzt auch für die Stadtcasino Baden Gruppe.