In Niedersachsen dürfen Glücksspiel-Fans erst ab einem Mindestalter von 21 Jahren Spielhallen betreten. Das ist die Folge einer Gesetzesänderung, die von der SPD und der CDU im niedersächsischen Landtag umgesetzt worden ist. Bislang war es möglich, Spielhallen ab 18 Jahren in Niedersachsen zu besuchen. Eine echte Opposition gegen diese neue Regelung gab es nicht, denn die Landtagsabgeordneten der Grünen und der FDP enthielten sich bei der Abstimmung zur Gesetzesänderung. Als Begründung für die Änderung des Mindestalters wurde angeführt, dass junge Menschen einen besonderen Spielerschutz verdienten. Von der Gesetzesänderung sind in Niedersachsen 1.800 Spielhallen betroffen.

Änderung des Mindestalters für mehr Spielerschutz

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Für die Spielhallen-Betreiber in Niedersachsen ist das neue Mindestalter von hoher Relevanz. Es ist davon auszugehen, dass Verstöße streng geahndet werden. Ohnehin müssen die Spielhallen-Betreiber in Niedersachsen hohe Anforderungen erfüllen. Neben einer IHK-Sachprüfung muss eine Zertifizierung vorliegen. Zudem müssen die Spielhallen-Betreiber ein Sozialkonzept vorlegen und regelmäßig an Schulungen teilnehmen. Insofern wird sich in Zukunft niemand darauf berufen können, nichts vom neuen Mindestalter zu wissen. Die Erhöhung des Mindestalters von 18 auf 21 Jahren basiert vor allem auf wissenschaftlichen Studien, die nahelegen, dass junge Erwachsene einen besseren Spielerschutz benötigen. Der beste Spielerschutz ist nach Einschätzung der Landesregierung von Niedersachsen ein kompletter Ausschluss vom Spiel.

Da es nach wie vor sehr viele Glücksspiel-Fans gibt, die bevorzugt oder ausschließlich offline spielen, dürfte das neue Mindestalter zumindest teilweise den erhofften Erfolg bringen. Allerdings gilt es zu bedenken, dass es mittlerweile auch legales Online-Glücksspiel in Deutschland gibt. In den Online Casinos gilt ein Mindestalter von 18 Jahren. An dieser Stelle wird wieder einmal deutlich, dass letztlich nur eine einheitliche Regulierung den optimalen Erfolg bringt. Wer soll die Spieler in Niedersachsen, die aus Altersgründen nicht mehr die Spielhallen dürfen, davon abhalten, in Zukunft in den Online Casinos mit deutscher Lizenz zu spielen? Dieses Problem kann allerdings der niedersächsische Landtag nicht allein lösen, da die Regulierung des Online-Glücksspiels eine gemeinsame Aufgabe aller Bundesländer ist.

Führt neues Mindestalter zu Verbesserung des Spielerschutzes?

Es wäre wichtig, die Einführung des neuen Mindestalters von 21 Jahren in Niedersachsen mit wissenschaftlichen Studien zu begleiten, um in der Praxis zu überprüfen, ob das neue Mindestalter den gewünschten Effekt bringt. Es ist keineswegs sicher, dass dies so ist. Die Gruppe von 18 bis 21 Jahren, die nun ausgeschlossen ist aus den Spielhallen, hat zahlreiche Alternativen zur Verfügung. Es gibt nicht nur das legale Online-Glücksspiel. Für viele Niedersachsen ist es auch eine Option, jenseits der Landesgrenzen Spielhallen zu besuchen. Der Aufwand dürfte für die meisten Spieler deutlich größer sein, aber in Deutschland ist es möglich, ab 18 Jahren einen Führerschein für ein Automobil zu haben. An dieser Stelle wird wieder deutlich, dass Regeln, die nur in einem begrenzten geografischen Raum gelten, nicht automatisch die benötigte Wirkung entfalten.

Darüber hinaus gibt es die Sportwettenanbieter. Viele Glücksspiel-Fans, die nicht mehr in die Spielhallen gehen dürfen, werden wohl alternativ öfter zum Buchmacher gehen. Vielleicht führt Niedersachsen irgendwann auch ein neues Mindestalter für Buchmacher ein. Aber am Ende wird es nur bedingt möglich sein, über ein neues Mindestalter die Spieler zu erreichen, die besonders anfällig sind für Probleme. Gerade die Spieler, die einen besonders guten Spielerschutz benötigen, sind oft die ersten, die sich über die geltenden Regeln hinwegsetzen und alle Lücken nutzen. Gerade deswegen wäre es wichtig, umfangreiche Studien durchzuführen, um praxisnah zu ermitteln, welche Maßnahmen wirklich helfen. Es kann durchaus sein, dass das neue Mindestalter ein wichtiger Baustein für besseren Spielerschutz ist. Aber sicher scheint auch, dass der neue Mindestalter allein die Situation nicht dramatisch verbessern kann.

Einheitliche Glücksspielregulierung online und offline gefordert

Viele Glücksspielexperten fordern seit Jahren, dass das Glücksspiel online und offline einheitlich geregelt wird. Was nutzt ein Mindestalter von 21 Jahren für Spielhallen in Niedersachsen, wenn die Bundesländer rund um Niedersachsen ein Mindestalter von 18 Jahren haben? Was hilft die strengste Spielerschutz-Maßnahme für terrestrische Spielhallen, wenn in Online-Spielhallen ganz andere Regeln gelten? In Deutschland funktioniert eine einheitliche Glücksspielregulierung vor allem deswegen nicht, weil die Bundesländer die Hoheit über die Regulierung des Glücksspiels haben. Jedes Bundesland kann eigene Regeln definieren. Der Glücksspielstaatsvertrag soll eigentlich dafür sorgen, dass eine Einheitlichkeit bundesweit erreicht wird. In der Praxis ist das aber, wie das aktuelle Beispiel Niedersachsen zeigt, nicht immer der Fall.