Spielerschutz sollte grundsätzlich auf wissenschaftlicher Basis umgesetzt werden. Was so einleuchtend klingt, ist in der Praxis aber nur selten der Fall. Ein Symposium der Universität Hohenheim hat kürzlich gezeigt, dass es interessante Forschung im Bereich Spielerschutz gibt. Vor allem im Bereich des Online-Glücksspiels ist der Spielerschutz mit einigen Herausforderungen verbunden. In einer Spielbank oder in einer Spielhalle kann das Personal die Kunden beobachten und, wenn ein problematisches Verhalten auffällt, sehr leicht einschreiten. Beim Online-Glücksspiel ist alles ein bisschen subtiler, da die Leitung des Casinos nur indirekt die Möglichkeit hat, das Verhalten der Kunden zu beobachten.

Frühwarnsysteme besonders wichtig für Online-Glücksspiel

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Beim Symposium der Uni Hohenheim wurde deutlich, dass es viele Forscher gibt, die an besseren Frühwarnsystemen für Online Casinos arbeiten. Die Idee ist grundsätzlich sehr einfach: Mit einem Frühwarnsystem soll zu einem möglichst frühen Zeitpunkt erkannt werden, dass ein Spieler sich ungünstig verhält. Ungünstig bedeutet an dieser Stelle vor allem: Der Spieler bringt sich selbst in Schwierigkeiten. Was so banal klingt, ist in der Praxis eine sehr komplexe Aufgabe. Doch mit Machine Learning könnte es schon in naher Zukunft möglich sein, zielsicher Problemspieler in Online Casinos zu entdecken, noch bevor große Probleme entstehen. Das wäre ein riesiger Fortschritt, der für die gesamte Glücksspielbranche vorteilhaft wäre.

Wenn es möglich wäre, gezielt und sicher jeden Spieler, der sich selbst in Schwierigkeiten bringt, schon in einem sehr frühen Stadium zu identifizieren und aus dem Verkehr zu ziehen, könnte das im Umkehrschluss bedeuten, dass die Glücksspielregulierung nicht mehr so streng sein müsste wie im Moment. Aktuell gibt es das Problem, dass in vielen Ländern die Glücksspielregulierung so streng ist, dass die potenziellen Problemspieler überhaupt nicht mehr in den legalen Online Casinos auftauchen. Stattdessen besuchen diese Problemspieler die nicht zugelassenen Online Casinos, die deutlich liberalere Regeln haben. Wenn die legalen Angebote attraktiver gemacht werden könnten, weil es einen leistungsstarken individuellen Spielerschutz gäbe, wäre das eine große Sache.

Moderne Datenanalysen für besseren Spielerschutz

Die größte Schwierigkeit besteht aktuell darin, anhand von Daten sicher zu erkennen, wann ein Spieler ein Problem entwickelt. Wenn das Problem entstanden ist, schlagen die meisten Warnsysteme zuverlässig an. Aber dann ist es für den betroffenen Spieler vielleicht schon zu spät, da vielleicht schon ein großer Schaden entstanden ist. Deswegen ist es notwendig, auf der Basis moderner Datenanalysen Systeme zu entwickeln, die schon im Ansatz erkennen, wann sich ein Spieler in eine falsche Richtung bewegt. Dann ist es möglich, frühzeitig mit Warnmeldungen, temporären Sperren oder auch persönlichen Ansprachen durch einen Casino-Mitarbeiter die Ausweitung des Problems zu verhindern.

Doch zunächst ist es wichtig, die Daten, die für die Analyse notwendig sind, zu erfassen. Im Idealfall werden alle Aktionen des Spielers im Casino erfasst, also beispielsweise die Spieleinsätze, die Einzahlungen, die Auszahlungen und selbstverständlich sämtliche Verluste und Gewinne. Damit die Daten zu einer vernünftigen Auswertung geeignet sind, muss selbstverständlich auch immer ein Zeitstempel erfasst werden. Es ist beispielsweise ein großer Unterschied, ob ein Spieler heute und in drei Monaten eine Einzahlung von jeweils 100 Euro macht oder ob die beiden Einzahlungen innerhalb weniger Minuten gemacht werden.

Individualisierter Spielerschutz ist die Zukunft

Beim Symposium der Uni Hohenheim wurde deutlich, dass der Spielerschutz mit der Rasenmäher-Methode, so wie er aktuell fast überall praktiziert wird, ein Auslaufmodell ist. Der individualisierte Spielerschutz, bei dem gezielt nach den Spielern gesucht wird, die sich in Schwierigkeiten bringen, ist dem allgemein Spielerschutz, bei dem strenge Regeln für alle Spieler erlassen werden, in jeder Hinsicht überlegen. Nicht zuletzt sollte auch berücksichtigt werden, dass jeder Erwachsene die Freiheit haben sollte, Glücksspiele nach Lust und Laune in einem vernünftigen Rahmen zu nutzen. Solange keine Selbstgefährdung oder Fremdgefährdung stattfindet, muss sich der Staat aus den Aktivitäten der Bürger heraushalten. Das gilt in allen Lebensbereichen und sollte auch beim Glücksspiel Maßstab für jede Regulierung sein.