Die Glücksspielindustrie in Schweden hat sich klar positioniert. Über den Glücksspielverband Branscheforenigen för Onlinespel (BOS) fordert die Glücksspielbranche eine Privatisierung des staatlichen Glücksspielanbieters Svenska Spel. Der Anlass für die aktuellen Forderungen ist die neue schwedische Regierung. Die Glücksspielbranche hofft, dass der neue Finanzminister Niklas Wykman die Privatisierung des staatlichen Glücksspielanbieters unterstützt. Die bisherige schwedische Regierung stand der Glücksspielbranche, insbesondere dem Online-Glücksspiel, kritisch gegenüber. In den letzten beiden Jahren wurde die Glücksspielregulierung in Schweden deutlich verschärft.

Schwedische Glücksspielbranche gegen Svenska Spel

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Svenska Spel ist ein Überrest des staatlichen Glücksspielmonopols in Schweden. Erst seit wenigen Jahren können private Glücksspielanbieter in Schweden legal und mit Lizenz Online-Glücksspiele anbieten. Aber eine vollständige Privatisierung des Marktes hat nicht stattgefunden. Der staatliche Glücksspielanbieter Svenska Spel ist erhalten geblieben. Von vielen Experten wird dies seit Jahren kritisiert. Eine Privatisierung eines komplexen Marktes kann nicht funktionieren, wenn ein staatlicher Glücksspielanbieter im Markt bleibt. Deswegen fordert der Branchenverband BOS lautstark die Privatisierung von Svenska Spel. Die Argumente sind gut, denn auf einem gut regulierten Online-Glücksspielmarkt ist ein staatlicher Glücksspielanbieter schlichtweg nicht erforderlich.

Schon aus ordnungspolitischen Gründen wäre es sinnvoll, wenn sich der Staat als Anbieter vom Markt zurückziehen würde. Stattdessen sollte der Staat sich ausschließlich darauf konzentrieren, Rahmenbedingungen zu setzen. Es ist eine grundlegend schwierige Situation, wenn der Staat gleichzeitig Glücksspielanbieter ist und die Regeln festlegt. In früheren Zeiten war dies Standard, weil in Schweden ein Glücksspielmonopol herrschte. Aber seit das Glücksspielmonopol gefallen ist, gibt es keinen sinnvollen Grund, einen staatlichen Glücksspielanbieter zu erlauben. Doch auch in Schweden spielt Geld bei der Glücksspielregulierung erstaunlicherweise eine wichtige Rolle. Der staatliche Glücksspielanbieter hat einige lukrative Posten. Nicht zuletzt gibt es auch Politiker, die vehement behaupten, dass der Spielerschutz beim staatlichen Glücksspielanbieter besser sei. Ob das wirklich der Fall ist, lässt sich schwer beurteilen.

Besserer Schutz für regulierte Glücksspielanbieter gefordert

Ein großes Thema für die Betreiber der lizenzierten Online-Casinos in Schweden ist der Schutz vor den nicht lizenzierten Glücksspielanbietern. Für den Branchenverband Branscheforenigen för Onlinespel steht dieses Thema weit oben auf der Prioritätenliste. Obwohl in Schweden die Regeln glasklar sind und nur Glücksspielanbieter mit einer schwedischen Lizenz schwedische Spieler bedienen dürfen, ist die Realität eine andere. Die Kanalisierung ist in Schweden nicht besonders gut. Nach Einschätzung von Experten hat dies mehrere Gründe. Ein wichtiger Grund ist, dass das Online-Glücksspiel durch die Verschärfung der Regulierung deutlich unattraktiver ist als das Online-Glücksspiel auf dem Schwarzmarkt.

Der zweite wichtige Grund, warum viele schwedische Glücksspiel-Fans sich für nicht zugelassene Glücksspielanbieter im Internet entscheiden, ist die Verfügbarkeit. Wenn es schwer oder gar unmöglich wäre, die Anbieter auf dem Schwarzmarkt zu nutzen, wäre es entsprechend leichter für die legalen Glücksspielanbieter Kunden zu werben. Aktuell ist es jedoch so, dass der Schwarzmarkt das attraktivere Angebot hat und dementsprechend eine hohe Nachfrage erzeugt. Für die schwedische Glücksspielindustrie wäre es enorm wichtig, wenn der Staat nicht nur das legale Glücksspiel attraktiver machen würde, sondern auch massiv gegen den Schwarzmarkt vorginge. Das Problem ist nur: Aktuell deutet nichts in diese Richtung. Nicht zuletzt wünscht sich der Glücksspielverband Branscheforenigen för Onlinespel, dass die neue Regierung anerkennt, dass die Glücksspielbranche als Arbeitgeber und Steuerzahler eine wichtige wirtschaftliche Rolle im Staat spielt. Die letzte Regierung hat die Glücksspielbranche oft als Gegner behandelt.

Deutsche Glücksspielbranche hat noch größere Probleme

Das Online-Glücksspiel funktioniert auch in Deutschland alles andere als reibungslos. Ein Faktor dabei ist, dass nach wie vor nicht genügend Online-Casinos mit deutscher Lizenz verfügbar sind. Das wird sich hoffentlich im Laufe der nächsten Monate ändern. Immerhin findet die Regulierung des Online-Glücksspiels schon seit dem 1. Juli 2021 statt. Es ist einigermaßen beschämend, dass nach wie vor nur eine relativ kleine Anzahl von Unternehmen mit Lizenzen ausgestattet ist, obwohl zahlreiche Lizenzanträge vorliegen.

Auch die Bekämpfung des Schwarzmarkts funktioniert in Deutschland bislang nicht gut. Immerhin hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder damit begonnen, erste Maßnahmen einzuleiten. Doch das Grundproblem ist in Deutschland, ähnlich wie in Schweden, dass die Glücksspielregulierung so streng ist, dass das legale Angebot qualitativ und inhaltlich kaum mit dem Schwarzmarkt mithalten kann.