Pragmatismus ist gefragt, wenn es um Glücksspielregulierung geht. Das sieht zumindest Rudolf Buchheit, der Vorsitzende des Automaten-Verbands Saar (AVS) so. Nachdem die Landesregierung das Saarland angekündigt hat, die strengste Glücksspielregulierung in ganz Deutschland einzuführen, hagelt es Kritik von Experten, Verbänden und Glücksspielanbietern. Doch die federführende SPD-Fraktion sieht sich anscheinend durch die Kritik nur bestätigt. Ein nüchterner Blick auf die Fakten würde der Landesregierung allerdings helfen, denn die Glücksspielbranche hat im letzten Jahrzehnt bereits erheblich gelitten im Saarland. Zudem hat sich die Gesamtlage durch die lizenzierten Online-Casinos verändert.

Automaten-Verband Saar fordert pragmatische Glücksspielregulierung

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Es ist bemerkenswert, dass die saarländische Landesregierung den Plan hat, die strengste Glücksspielregulierung in Deutschland umzusetzen. Konkret geht es darum, den Glücksspielstaatsvertrag in einem Landesglücksspielgesetz umzusetzen. Erst im Landesglücksspielgesetz werden die endgültigen Regeln festgelegt, denn der Glücksspielstaatsvertrag ist nur eine Einigung der Bundesländer auf die grundlegenden Spielregeln. Doch wie streng kann eine Glücksspielregulierung in Deutschland ausfallen? Die SPD profiliert sich nicht nur im Saarland seit Jahren als strikter Gegner des Glücksspiels. Allerdings hat auch das Saarland dem aktuellen Glücksspielstaatsvertrag und der erstmaligen Regulierung des Online-Glücksspiels zugestimmt.

Von der SPD ist mitunter zu hören, dass die Anzahl der Spielhallen in einem unerträglichen Maße gewachsen sei. Doch schaut man sich die Realität an, wird deutlich, dass die Anzahl der Konzessionen im Spielhallen-Bereich im letzten Jahrzehnt mehr als halbiert wurde. Mittlerweile gibt es nur noch 121 Spielhallen-Konzessionen im Saarland. Im Jahr 2012 gab es noch 267. Wovon spricht die SPD, wenn angesichts dieser klaren Zahlen eher von einem Spielhallen-Sterben gesprochen werden müsste? Doch bei der Glücksspielregulierung geht es bedauerlicherweise oft nicht um Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse. Gerade bei der SPD lässt sich doch mitunter diagnostizieren, dass Ideologie der Treiber der Handlungen ist und die unbestreitbaren Fakten nicht in ausreichenden Maße gewürdigt werden.

AVS fordert stärkeren Kampf gegen illegales Glücksspiel

Für Rolf Buchheit vom Automaten-Verband Saar setzt die Politik einen falschen Schwerpunkt. Das illegale Glücksspiel sei im Saarland schon streng reguliert. Vor allem die Spielhallen-Betreiber müssten zahlreiche Vorgaben beachten. Mittlerweile gibt es sogar ein bundesweites Spielersperrsystem (OASIS), über das sich alle Spielerinnen und Spieler freiwillig selbst sperren können, und zwar in allen Spielhallen, Spielbanken und Online-Casinos. Die Anzahl der Spielautomaten ist begrenzt, es gibt strenge Kontrollen und die Spiele sind so gestaltet, dass die Spielerinnen und Spieler keine hohen Summen in kurzer Zeit verlieren können. Der Spielerschutz in den legalen Spielhallen ist bereits auf einem so hohen Niveau, dass es einen hohen Anreiz für Spielerinnen und Spieler gibt, die nicht kontrollierten illegalen Angebote zu nutzen.

Auch im terrestrischen Glücksspiel im Saarland gibt es eine erhebliche Konkurrenz durch illegale Glücksspielanbieter. Die legalen Glücksspiele sind gerade für die gefährdeten Spielerinnen und Spieler interessant, da es möglich ist, um höhere Beträge zu spielen. Meistens sind die illegalen Spielgeräte und Tischspiele aber manipuliert, sodass die Teilnehmer keine realistische Chance haben, auch nur gelegentlich einen hohen Gewinn zu erzielen. Viele Fachleute fordern deswegen von der Politik, dass der Kampf gegen das illegale Glücksspiel verstärkt werden müsse. Das wäre ein pragmatischer Ansatz, denn dadurch würde der Spielerschutz effektiv verbessert. Aber für Politikerinnen und Politiker ist es wahrscheinlich attraktiver, die Schließung von Spielhallen zu fordern, obwohl dadurch kein einziges Problem gelöst wird.

Legale Glücksspielangebote sind notwendig

Was würde passieren, wenn es keine legalen Glücksspielangebote gäbe? Wenn alle Spielhallen und Spielbanken schließen würden, gäbe es dann morgen kein Problem mehr mit Menschen, die ihr ganzes Vermögen verspielen? Alle Erfahrungen mit diesem Thema in Deutschland und anderen Ländern zeigen, dass dies mitnichten der Fall wäre. Der Schwarzmarkt würde noch stärker florieren als bisher. Zudem muss berücksichtigt werden, dass es auch noch Online-Casinos gibt, die mittlerweile von vielen Spielerinnen und Spielern als Alternative zu den terrestrischen Angeboten genutzt werden. Die legalen Online-Casinos sind konsequenterweise in Deutschland teilweise sogar noch strenger reglementiert als die Spielhallen und Spielbanken. Die aktuelle Glücksspielregulierung führt in Deutschland offline und online dazu, dass die Anbieter auf dem Schwarzmarkt leichtes Spiel haben. Pragmatismus wäre nicht nur im Saarland erforderlich, um die Gesamtsituation zu verbessern.