Was ist denn da in Deutschland los? Schrumpft der neu regulierte Glücksspielmarkt bereits? Das wäre gar nicht gut, denn das würde bedeuten, dass die neue Glücksspielregulierung nicht den gewünschten Erfolg bringt. Aber was ist passiert? Die Steuereinnahmen durch den Glücksspielmarkt in der ersten Hälfte des Jahres 2022 lagen monatlich durchschnittlich bei 36 Mio. EUR. Doch in den Monaten September, Oktober und November lag der Durchschnittswert nur noch bei 30 Mio. EUR. Der Rückgang lag somit bei furchterregenden 20 Prozent. Doch wie lässt sich das erklären? Und was sagen die Zahlen tatsächlich über den existierenden Markt aus? Wie kann es sein, dass es immer mehr legale Online-Casinos gibt, aber der Umsatz und damit auch die Steuereinnahmen sinken?

Sinkende Steuereinnahmen beim Online-Glücksspiel

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Wie lässt sich erklären, dass die Steuereinnahmen beim Online-Glücksspiel zurückgehen? Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass die Steuereinnahmen ein zuverlässiger Indikator für den Umsatz auf dem deutschen Glücksspielmarkt sind. 5,3 Prozent von jedem Spieleinsatz müssen an den Staat abgeführt werden. Das klingt vielleicht nicht nach viel, aber die 5,3 Prozent müssen bei jeder Spielrunde abgeführt werden. Deswegen sind die virtuellen Automatenspiele eine Goldgrube für den Staat, jedenfalls theoretisch. Doch die Spielerinnen und Spieler müssen die Online-Spielautomaten auch nutzen. Nur dann funktioniert das Geschäftsmodell für die Glücksspielanbieter und den Staat.

Wenn die Steuereinnahmen sinken, bedeutet dies nicht, dass das Online-Glücksspiel weniger gefragt ist. Bedeutet nur, dass in den legalen Online-Casinos weniger gespielt wird. Wie kann das aber sein, wenn in den fraglichen Monaten, in denen der Umsatz gesunken ist, mehr Online-Casinos eine Lizenz hatten als zu Beginn des Jahres 2022? Im Jahr 2022 gab es in der ersten Jahreshälfte tatsächlich nur geduldete Online-Casinos, da noch keine Lizenzen vergeben waren. Aber die Unternehmen, die Steuern bezahlten, hielten sich schon damals an die heutigen Regeln. Insofern ist der Vergleich durchaus sinnvoll. Wo sind die Umsätze hingegangen? Die große Befürchtung ist, dass der Schwarzmarkt erheblich profitiert.

Regulierte Online-Casinos in Deutschland unter Druck

Die neuen Zahlen deuten darauf hin, dass das Online-Glücksspiel in Deutschland mit der neuen Glücksspielregulierung noch nicht gut läuft. Wenn die Umsätze in einem nominal wachsenden Markt sinken, ist das ein ungeheuer schlechtes Zeichen. Normalerweise müssten die Umsätze deutlich steigen. Vielleicht kommt dieser Effekt mit einer gewissen Verzögerung in den nächsten Monaten. Aber sinkende Umsätze sind ein absolutes Warnsignal, das auch die Politik und die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder im Auge behalten sollten. Wenn sich der Trend fortsetzt, könnte die deutsche Regulierung des Online-Glücksspiels krachend scheitern. Vielleicht gibt es bald die Wende zum Besseren. Aber sicher ist das nicht.

Genauso wie die Steuereinnahmen ist auch der Umsatz um 20 Prozent gefallen, aber eben nur auf dem legalen Glücksspielmarkt. Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viel Geld in den nicht zugelassenen Online-Casinos umgesetzt wird. Vielleicht wird dort gerade das große Geld verdient. Es ist völlig unklar, wie die aktuelle Situation wirklich ist. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder hat damit begonnen, die nicht zugelassenen Online-Glücksspielanbieter zu verfolgen. Ob die angekündigten Maßnahmen wirkungsvoll sein werden, ist jedoch völlig unklar. Bislang ist der Kampf gegen den Schwarzmarkt in Europa ja nicht erfolgreich gelaufen. Vielleicht schafft Deutschland das, was in den meisten anderen Ländern bislang allenfalls mäßig, meistens aber gar nicht gelingt.

Über 1.500 Webseiten mit Online-Glücksspielen in Deutschland

Experten gehen davon aus, dass es aktuell ungefähr 1.500 Webseiten in Deutschland gibt, auf denen Online-Glücksspiele unerlaubt angeboten werden. Viele dieser Anbieter konnten bislang unbehelligt arbeiten. Vielleicht ändert sich das durch die Arbeit der neuen Glücksspielbehörde, vielleicht aber auch nicht. Zudem gibt es viele Möglichkeiten, die Regulierungsmaßnahmen zu umgehen. Manchmal wird eine Seite auf Englisch angeboten und als Zahlungsmethoden werden Kryptowährungen zur Verfügung gestellt. Für die zahlungskräftige Zielgruppe ist das kein Problem. Aber ob die Spezialisten in der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder diese Anbieter, die oft ihre Internetadresse ändern und die Kunden per E-Mail darauf hinweisen, allesamt auf dem Schirm haben, ist nicht ganz klar. Eines scheint sicher: Die Kanalisierung ist auf dem neu regulierten Glücksspielmarkt nicht besonders gut.