Wie geht es weiter mit den Online-Casinos in Deutschland? Kürzlich ist durchgesickert, dass die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL), die bereits seit Mitte 2023 für die Bekämpfung des Schwarzmarkts und der nicht zulässigen Werbung zuständig ist, Probleme hat, IP Blocking durchzusetzen. Dem Vernehmen nach wurden bereits diverse Internetprovider dazu aufgefordert, nicht lizenzierte Online-Casinos in Deutschland zu sperren. Allerdings haben zumindest einige Internetprovider Klagen eingereicht, da sie der Aufforderung nicht nachkommen möchten. Vom Ausgang dieser Klagen hängt ab, ob IP Blocking ein Instrument der neuen Glücksspielbehörde in Deutschland wird. Ohne IP Blocking dürfte es jedenfalls schwer werden, den Schwarzmarkt im Online-Glücksspiel wirkungsvoll zu bekämpfen.

Scheitert IP Blocking der Glücksspielbehörde vor Gericht?

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Es ist schon in vielen Jahren klar, dass IP Blocking ein problematisches Instrument innerhalb der Europäischen Union ist. Die Anforderungen an IP Blocking sind enorm hoch. Deswegen hat es in der Vergangenheit viele politische und juristische Erfolge gegen IP Blocking gegeben. Wer das nicht glaubt, sollte sich in das Thema „Zensursula“ einlesen. Worum geht es beim IP Blocking? Die Internetnutzer sollen keine Möglichkeit haben, bestimmte Webseiten aufzurufen. Diese Webseiten sollen schon über die IP-Adresse bei den Internetprovidern gesperrt werden. Allerdings verschwinden die Webseiten dadurch nicht aus dem Internet. Nur die namentliche Zuordnung ist nicht mehr vorhanden. In der Praxis ist die Wirkung allerdings so, dass viele ganz normale Glücksspiel-Fans Webseiten, die vom IP Blocking betroffen sind, nicht mehr finden würden. Ob dies auch für Problemspielerinnen und Problemspieler gälte, wäre ein interessantes Diskussionsthema. Gerade diese besonders schutzwürdigen Spielerinnen und Spieler scheuen erfahrungsgemäß kaum Mühen, um die gewünschten Online-Casinos und Spiele zu finden.

Mit IP Blocking hätte die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder ein wirkungsvolles Instrument. Sollte das IP Blocking gegen nicht lizenzierte Online-Casinos allerdings von deutschen Gerichten verboten werden, wird die Luft dünn für die neue Regulierungsbehörde. Ohne IP Blocking bliebe nur noch das mäßig wirkungsvolle Payment Blocking, bei dem Zahlungsdienstleister dazu gebracht werden, die nicht zugelassenen Online-Casinos nicht mehr als Kunden in Deutschland zu akzeptieren. Allerdings hat auch das Payment Blocking einige rechtliche Hürden, die noch zum Problem werden könnten. Sollte das IP Blocking gerichtlich nicht durchsetzbar sein, wovon anscheinend diverse Internetprovider ausgehen, denn sonst würden keine Klagen laufen, stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Glücksspielregulierung. Eventuell wäre die Politik dann sogar gezwungen, den Glücksspielstaatsvertrag zu verändern.

Überregulierter deutscher Online-Glücksspielmarkt?

Ist der deutsche Online-Glücksspielmarkt vielleicht zu stark reguliert? Eines lässt sich ganz nüchtern feststellen: Die legalen Online-Casinos können nicht annähernd so attraktive Angebote zur Verfügung stellen wie die Konkurrenz auf dem Schwarzmarkt. Gerade deswegen ist es wichtig, dass der Schwarzmarkt mit harten Bandagen gekämpft wird. Aktuell ist es so, dass die legalen Glücksspielanbieter in Deutschland nur eine geringe Marktabdeckung haben. Ein großer Teil des Glücksspielumsatzes findet auf dem Schwarzmarkt statt. Das ist fatal und muss sich dringend ändern. Aber die GGL kann nur etwas ändern, wenn sie dazu in der Lage ist, IP Blocking und Payment Blocking einzusetzen. Und selbst dann ist keineswegs sicher, dass es möglich ist, den Schwarzmarkt ausreichend einzudämmen.

Die deutsche Glücksspielbehörde ist nicht nur neu, sondern aus strukturellen Gründen auch nicht so schnell wie die wendigen Unternehmen, die jenseits des Atlantiks beheimatet sind und mit viel Kreativität in ganz Europa Glücksspiel-Fans locken. Wenn ein Online-Casino ohne Lizenz vom Markt verschwindet, gibt es an anderer Stelle sofort zwei neue Online-Casinos ohne Lizenz. Diese Erfahrung machen andere Länder der Europäischen Union schon seit vielen Jahren. Aus irgendeinem Grund ist man in der deutschen Politik und bei der deutsche Glücksspielbehörde davon überzeugt, dass man in Deutschland alles besser machen könnte. Der Beweis steht allerdings noch aus. Im Jahr 2023 muss sich beweisen, ob der Glücksspielstaatsvertrag hinsichtlich des Online-Glücksspiels überhaupt umsetzbar ist.

Attraktivere deutsche Online-Casinos als Lösung?

Es wäre vergleichsweise einfach, die nicht zugelassenen Anbieter aus dem Spiel zu nehmen. Die deutschen Online-Casinos müssten deutlich attraktiver werden und alle Online-Spielautomaten und Online-Tischspiele zur Verfügung stellen, die in der Realität ohnehin verfügbar sind. In den legalen Online-Casinos wäre der Spielerschutz trotzdem wesentlich besser als in den nicht zugelassenen Online-Casinos.