Der britische Glücksspielanbieter William Hill hat angekündigt, in Großbritannien 119 Wettbüros dauerhaft zu schließen. Das ist ein harter Schlag für viele Sportwetten-Fans, aber auch für die vielen Angestellten in den Wettbüros. Die aktuelle Gesundheitskrise ist nicht der entscheidende Grund dafür, dass die Wettbüros geschlossen werden. Aber in der aktuellen Situation möchte William Hill anscheinend keine Zeit verschwenden. Die britischen Wettbüros von William Hill waren in den letzten Jahren nicht sonderlich erfolgreich. Das liegt vor allem daran, dass sich die Regeln für Wettbüros in Großbritannien in den letzten Jahren zum Teil deutlich verändert haben. Für Sportwettenanbieter ist es generell schwieriger geworden, in Großbritannien Wettbüros erfolgreich zu betreiben. Nun hat William Hill die Reißleine gezogen und angekündigt, 119 Ladengeschäfte nicht mehr zu öffnen. Das ist eine erstaunliche Nachricht, denn niemand hatte damit gerechnet, dass William Hill in dieser Größenordnung das Sportwetten-Geschäft reduzieren würde.

William Hill baut klassisches Wettbüro-Geschäft um

William HillAllerdings betrifft diese Reduzierung ausschließlich das Offline-Geschäft. Der Online-Buchmacher William Hill ist nach wie vor sehr aktiv. Das erste Halbjahr war für alle Sportwettenanbieter schwierig. William Hill profitiert durch die aktuelle Schließung steuerlich und das ist wahrscheinlich der Hauptgrund für den gewählten Zeitpunkt. Aber früher oder später wären die 119 Wettbüros wahrscheinlich ohnehin geschlossen worden. Für William Hill ist das Geschäft mit Online-Sportwetten mittlerweile wichtiger. Das klassische Wettbüro-Geschäft spielt in Zukunft in den USA eine deutlich größere Rolle als auf dem britischen Markt. Vermutlich geht es auch darum, Ressourcen besser zu verteilen, denn die US-Expansion von William Hill ist der entscheidende strategische Faktor für die nächsten Jahre. Wenn William Hill in den USA erfolgreich sein sollte mit den Sportwetten und auch mit den Casino-Spielen, könnte der gesamte Konzern auf ein ganz neues Niveau kommen. Doch einstweilen geht es vor allem darum, das vorhandene Geschäft so zu strukturieren, dass die Gewinne optimiert werden und die Mitarbeiter optimal arbeiten können. Klassische Wettbüros wird es wahrscheinlich noch lange geben. Aber es ist absehbar, dass es noch Monate dauern wird, bis die klassischen Sportwettenanbieter wieder gute Zahlen präsentieren können. Auch in Großbritannien sind die Wettbüros zum größten Teil wieder geöffnet sind, aber es fehlen doch nach wie vor die Kunden. Es gibt zwar Berichte darüber, dass einige Wettanbieter wieder gute Umsätze machen. Aber viele Menschen meiden nach wie vor die Wettbüros und platzieren ihre Wetten lieber online. Gerade bei William Hill ist das schon seit vielen Jahren sehr einfach, denn der britische Buchmacher hat ein umfangreiches Sportwetten-Portfolio im Internet. Fakt ist, dass es in den Wettbüros keine Wette gibt, die nicht auch im Online-Portfolio zu finden ist. Somit gibt es für die Kunden von William Hill letztlich überhaupt keinen Grund, in einer unsicheren Gesamtsituation in ein Wettbüro zu gehen. Das hält manche Sportwetten-Fans nicht auf, aber es wäre eine große Überraschung, wenn sich das gesamte klassische Sportwetten-Geschäft schon in naher Zukunft in alter Stärke zeigen würden. Auch in Großbritannien sind viele Menschen wirtschaftlich von der aktuellen Krise betroffen. Schon aus diesem Grund wird es eine Weile dauern, bis die Umsätze mit Sportwetten wieder auf dem alten Niveau sind. Nicht zuletzt finden trotz aller Neustarts derzeit weniger Sportveranstaltungen statt als sonst üblich. Auch das trägt dazu bei, dass die Sportwetten nicht so attraktiv sind wie zur gleichen Zeit im letzten Jahr. Irgendwann wird es eine Erholung geben, aber die Frage ist, ob die klassischen Wettbüros noch einmal ihre alten Zahlen erreichen werden. Viele Experten bezweifeln das.

Online-Buchmacher lösen klassische Wettbüros ab

Noch stärker als bei den Online Casinos lässt sich bei den Sportwetten beobachten, dass es viele Menschen gibt, die lieber ihr Smartphone, ihr Tablet oder ihren Computer nutzen, um Wetten zu platzieren, als in ein klassisches Wettbüro zu gehen. Nach wie vor ist es für viele Menschen reizvoll, ein Wettbüro zu besuchen. Aber die Online-Buchmacher bieten viele Vorteile, die ein klassisches Wettbüro nicht hat. Beispielsweise gibt es bei einem Online-Buchmacher wie William Hill einen Bonus für Neukunden. Zudem ist es sehr viel einfacher, schnell und unkompliziert von lukrativen Wettquoten zu profitieren. Ein Wettbüro hat darüber hinaus den Nachteil, dass es an einem festen Standort ist. Dahingegen ist ein Online-Buchmacher immer verfügbar, ganz unabhängig wo sich der Kunde befindet. Solange ein Internetzugang vorhanden ist, ist es möglich, Sportwetten bei William Hill und vielen anderen Buchmachern mit ein paar Klicks zu platzieren. Auch bei einem Gewinn ist ein Online-Buchmacher wesentlich komfortabler. Es ist kein Gang zum Wettbüro nötig, um den Gewinn zu kassieren. Das Geld landet sofort auf dem Konto und kann dann in der Regel auch sehr schnell ausgezahlt werden. Zudem ist anders als bei Spielautomaten und Roulette das Erlebnis in einem Wettbüro dann doch nicht so viel aufregender als bei einem Online-Buchmacher. Spielautomaten kann man anfassen und ein Roulette-Tisch aus Holz ist etwas anderes als ein virtueller Tisch. Aber ob eine Sportwette nun über einen Wettschein aus Papier oder digital abgegeben wird, spielt für die meisten Sportwetten-Fans unter dem Strich dann keine besonders große Rolle. Wettbüros haben allenfalls noch den Vorteil der sozialen Interaktion mit anderen Sportwetten-Fans. Die soziale Interaktion ist aber durch die aktuelle Gesundheitskrise in den Wettbüros stark eingeschränkt. Deswegen ist zu erwarten, dass es in den nächsten Monaten nicht den ganz großen Run auf die klassischen Wettbüros geben wird. William Hill hat eine klare Entscheidung getroffen mit der Schließung der 119 Wettbüros. Für die betroffenen Arbeitnehmer ist das eine brutale Entscheidung. Aber langfristig können auch die Mitarbeiter von William Hill in den Wettbüros nur dann wirtschaftlich bestehen, wenn die Geschäfte gut laufen. Ganz offensichtlich geht William Hill davon aus, dass die Wettbüros langfristig nicht mehr die gewünschten Erträge bringen werden. Das ist auch ein Signal an die anderen großen Wettanbieter in Großbritannien. Wenn schon William Hill nicht mehr dazu in der Lage ist, die klassischen Wettbüros gewinnbringend zu betreiben, warum sollten dann andere Konzerne und Unternehmen mit ihren Wettbüros besser sein? Wahrscheinlich wird es aber noch lange klassische Wettbüros geben, aber die Online-Sportwetten werden immer wichtiger. Wie auch in anderen Branchen zeigt sich in der Gesundheitskrise, dass das Tempo bei der Digitalisierung erhöht wird. Für viele junge Sportwetten-Fans ist es jetzt schon schwer nachzuvollziehen, warum es nötig sein soll, in ein Wettbüro zu gehen, um eine Wette zu platzieren. Das Smartphone wird zum Einkaufen und für viele andere Aktivitäten genutzt. Warum also nicht auch für Sportwetten? Der Markt der Online-Buchmacher wächst seit Jahren und dieser Trend wird durch die aktuelle Krise mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einmal deutlich beschleunigt.

William Hill zahlt 24,5 Millionen Pfund Staatshilfe zurück

Ein spannendes Detail bei der Entscheidung, 119 Wettbüros zu schließen, soll nicht verschwiegen werden: William Hill hat bekannt gegeben, dass der Konzern 24,5 Millionen Pfund Staatshilfe zurückzahlen wird. Dieser Betrag war als Unterstützung für die Wettbüros ausgezahlt worden. Das ist ein echter Hammer, denn normalerweise würde man davon ausgehen, dass ein Konzern wie William Hill daran interessiert ist, die Staatshilfe zumindest noch zu nutzen, bevor dann die Abwicklung der 119 Wettbüros erfolgt. Aber ganz offensichtlich sagen die internen Berechnungen von William Hill etwas anderes. Wenn es sich nicht einmal mit einer Staatshilfe von 24,5 Millionen Pfund lohnt, die 119 Wettbüros weiter zu betreiben, ist das auch ein Fingerzeig für die britische Politik. Wenn die Sportwetten-Regulierung so streng ist, dass William Hill auch mit Staatshilfe nicht durch die Krise kommen möchte, ist die Regulierung vielleicht doch ein bisschen übertrieben worden in den letzten Jahren. Zudem befürchten viele Glücksspielexperten, dass die Sportwetten und die Glücksspiele in Zukunft noch strenger reguliert werden, nicht nur offline, sondern auch online. Die britische Wirtschaft steht in den nächsten Jahren vor einigen großen Herausforderung. Vielleicht ist es nicht die beste Idee, die im Kern doch recht gesunde Glücksspielindustrie massiv unter Druck zu setzen mit einer immer strenger werdenden Regulierung.