Andrew Rhodes ist der neue CEO der UK Gambling Commission. Allerdings übernimmt der Top-Manager den Posten nur als Interimslösung. Der neue Interims-CEO soll 18 Monate bleiben, bevor die Stelle neu besetzt wird. Ab Juli ist Andrew Rhodes der neue CEO der UK Gambling Commission. Der ehemalige CEO der Food Standards Agency soll den Posten für 18 Monate übernehmen. Was danach genau passieren wird, ist noch nicht völlig klar. Im Moment geht es vor allem darum, eine schnelle Lösung zu finden nach dem überraschenden Abgang des bisherigen CEO Neil McArthur.

Andrew Rhodes wird neuer Chef der britischen Glücksspielbehörde

UK Gambling Comission

Die britische Glücksspielbehörde bekommt einen erfahrenen Manager. Für ein Jahresgehalt von 150.000 Pfund soll Andrew Rhodes in den nächsten anderthalb Jahren dafür sorgen, dass die britische Glücksspielbranche gut reguliert bleibt. Insbesondere beim Online-Glücksspiel warten einige Herausforderungen auf den neuen CEO. Derzeit wird der Gambling Act, das maßgebliche Glücksspielgesetz in Großbritannien, überarbeitet. Allgemein wird erwartet, dass es zu einigen Änderungen kommen wird. Die britische Glücksspielbehörde wird die Aufgabe haben, diese Änderungen durchzusetzen. Für neutrale Beobachter ist es nicht ganz einfach zu verstehen, warum die UK Gambling Commission nicht gleich eine langfristige Lösung anstrebt. Immerhin handelt es sich beim Glücksspiel um eine Milliardenbranche. Am Jahresgehalt wird zudem deutlich, dass vielleicht nicht in der obersten Schublade nach Top-Leuten gesucht worden ist. In der Glücksspielbranche gibt es wohl keinen Top-Manager, der nur 150.000 Pfund pro Jahr verdient. Aber Andrew Rhodes ist ein erfahrener Manager, der sowohl für Behörden als auch für Unternehmen in den letzten Jahrzehnten tätig war. Insofern ist es durchaus denkbar, dass der neue Chef der UK Gambling Commission die ihm gestellten Aufgaben zufriedenstellend gelöst.

Der vorherige CEO Neil McArthur hinterlässt ein bestelltes Feld. Deswegen sollte es zumindest theoretisch einfach sein für Andrew Rhodes, die Arbeit seines Vorgängers fortzusetzen. Die UK Gambling Commission hat in den letzten beiden Jahrzehnten wichtige Meilensteine für die europäische Glücksspielbranche gesetzt. In keinem anderen Land hat die Regulierung des Online-Glücksspiels so früh so gut funktioniert wie in Großbritannien. Seit vielen Jahren gilt bei Glücksspiel-Fans, dass Online Casinos, die eine Lizenz der UK Gambling Commission haben, seriös und zuverlässig sind. Das hat vor allem damit zu tun, dass die UK Gambling Commission sehr hohe Anforderungen an Lizenznehmer stellt. Wenn Lizenzverstöße festgestellt werden, gibt es auf drakonische Strafen bis hin zum Lizenzentzug. Wie in jeder anderen Behörde gilt auch in der britischen Glücksspielbehörde, dass die Qualität der Arbeit vor allem an der Qualität der Beamten und Angestellten hängt. Aber ein guter CEO, der eine klare Richtung vorgibt und eine gute Öffentlichkeitsarbeit macht, ist auch für die britische Glücksspielbehörde wichtig. Insbesondere wird Andrew Rhodes im ständigen Austausch mit der Politik und den Glücksspielanbietern damit beschäftigt sein, die geltenden Glücksspielgesetze vernünftig umzusetzen.

Kann Deutschland von Großbritannien lernen?

Die neue deutsche Glücksspielbehörde hat noch keinen CEO. In Deutschland würde ohnehin eher von einem Behördenleiter gesprochen. Im Moment wird in Sachsen-Anhalt die neue Glücksspielbehörde aufgebaut. Erst im Jahr 2023 soll die Glücksspielbehörde die Aufgabe übernehmen, das Online-Glücksspiel in Deutschland zu regulieren und zu kontrollieren. Bis dahin wird es eine Übergangslösung geben. In Großbritannien hat man früh verstanden, dass eine leistungsfähige Glücksspielbehörde vorhanden sein muss, um das Online-Glücksspiel im Zaum zu halten. In Deutschland hofft man, dass Sachsen-Anhalt es schon irgendwie schaffen wird, Lizenzen für Online Casinos zu vergeben und die Einhaltung der Glücksspielregulierung zu gewährleisten. Vielleicht wäre es besser gewesen, zuerst die Glücksspielbehörde aufzubauen und dann die neue Glücksspielregulierung zu beschließen und umzusetzen. Aber die Vertreter der deutschen Bundesländer haben sich im letzten Jahr auf einen anderen Fahrplan geeinigt. Es gehört viel Mut dazu, das Online-Glücksspiel auf breiter Ebene zu regulieren, ohne eine arbeitsfähige Regulierungsbehörde zu haben. Aber bekanntermaßen läuft in Deutschland alles viel besser als in anderen Ländern. Ausnahmen gibt es allenfalls bei der Gesundheitskrise und der Digitalisierung.

Man kann ein wenig Mitleid haben mit den Beamten, die in den nächsten beiden Jahren zuständig sind für die Regulierung der Online Casinos. Im Moment sieht es so aus, als müssten sich Beamte in Sachsen-Anhalt mit der Lizenzierung der künftigen Online Casinos in Deutschland beschäftigen. Es ist völlig unklar, wie gut die Lizenzierungsverfahren in der Praxis funktionieren werden. Normalerweise sollte es sein, dass zum Start der neuen Glücksspielregulierung am 1. Juli 2021 auch die ersten Online Casinos mit deutscher Lizenz verfügbar sind. Das wird aber nicht gelingen. Es wird mindestens noch Wochen, vielleicht sogar Monate dauern, bis die ersten Online Casinos auf der Basis der neuen deutschen Glücksspielregulierung eine Lizenz bekommen. Deutschland hätte es sich sehr einfach machen können und vor den Beratungen zum neuen Glücksspielstaatsvertrag eine Tour zu den großen Glücksspielbehörden in Europa veranstalten können. In Malta, Großbritannien, Gibraltar, Schweden und Dänemark haben die Glücksspielbehörden beispielsweise schon viel Erfahrung mit der Regulierung des Online-Glücksspiels sammeln können. Aber in Deutschland hat man sich dazu entschieden, eigene Erfahrungen zu sammeln und darauf zu hoffen, dass alles irgendwie schon gut geht. Was kann da schon schiefgehen?