Für die schwedischen Glücksspielanbieter hat die Aufnahme von Malta auf der grauen Liste der Financial Action Task Force deutliche Folgen gehabt. Aber es geht nicht alleine um die Einstufung von Malta als problematischen Finanzplatz. Auch die Gerüchte über eine Erhöhung der Unternehmensteuer haben dazu beigetragen, dass die Aktienkurse der großen schwedischen Glücksspielanbieter auf Talfahrt gegangen sind. Teilweise gingen die Kurse um über zehn Prozent nach unten. Mittlerweile haben sich die Kurse aber größtenteils wieder erholt. Doch der Kursrutsch zeigt, dass Malta für viele schwedische Glücksspielanbieter wichtig ist für die langfristige Strategie. Auch durch den Standort Malta waren die international tätigen schwedischen Glücksspielanbieter im letzten Jahrzehnt erfolgreich.

Malta unter Druck – schwedische Glücksspielanbieter leiden

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Es war für viele Beobachter auf dem Finanzmarkt eine Überraschung, dass die Financial Action Task Force Malta zur grauen Liste hinzugefügt hat. Auf der grauen Liste stehen Länder, die nicht optimal aufgestellt sind bei Themen wie Geldwäsche und Transparenz. Bislang ist es Malta immer gelungen, die Eintragung auf der grauen Liste zu vermeiden. Doch nun muss sich Malta damit auseinandersetzen, dass die Reputation des Standortes in Mitleidenschaft gezogen worden wird. Es besteht die Gefahr, dass sich Unternehmen und Investoren zurückhalten werden, solange Malta auf der grauen Liste steht. Dass unmittelbar nach dem Eintrag Maltas auf die Grauen Liste der Financial Action Task Force die Aktienkurse der schwedischen Unternehmer nach unten gegangen sind, war kein Zufall. Viele schwedische Unternehmen haben Filialen in Malta. Die Glücksspielanbieter profitieren davon, dass Malta eine EU-Lizenz ausstellt. Deswegen können die Glücksspielanbieter ihre Online Casinos in vielen verschiedenen Ländern anbieten. Dieses Geschäftsmodell läuft langsam aus, da immer mehr EU-Länder nationale Regulierungen für seriöse Online Casinos schaffen. Aber auch in den nächsten Jahren wird keine großer schwedische Glücksspielanbieter auf die Malta-Lizenz freiwillig verzichten wollen. Ein anderer Faktor ist, dass Malta sehr niedrige Steuern von Unternehmen verlangt. Der offizielle Steuersatz liegt bei 35 Prozent. Aber schon seit vielen Jahren gibt es ein Steuersparmodell für Unternehmen in Malta, bei dem am Ende der Steuersatz auf fünf Prozent sinkt.

Doch beinahe zeitgleich mit der neuen Einstufung Maltas durch die Financial Action Task Force ist auch die globale Mindeststeuer für Unternehmen beschlossen worden. In Zukunft soll kein Land mehr eine niedrigere Steuer als 15 Prozent für Unternehmen haben. Es ist völlig klar, dass die Umsetzung dieser Vorgabe Malta in Schwierigkeiten bringen würde. Ohne den Steuervorteil würde sich wahrscheinlich so mancher Manager und Unternehmer überlegen, ob Malta als Standort noch attraktiv ist. Einen Steuersatz von 15 Prozent gibt es auch in anderen europäischen Ländern, die hinsichtlich der Infrastruktur und der Attraktivität für Arbeitnehmer interessanter sind als Malta. Die schwedischen Unternehmen könnten deutlich weniger Gewinn machen, wenn ein höherer Steuersatz umgesetzt würde. Auch wenn es sich nur um eine Ankündigung handelt, von der niemand im Moment ganz genau weiß, wie die praktische Umsetzung aussehen wird, sind in Malta doch alle Alarmglocken losgegangen. Wenn Malta in Zukunft weder mit den Casino-Lizenzen noch mit dem niedrigen Steuersatz Glücksspielanbieter anlocken kann, stellt sich die Frage nach dem Geschäftsmodell der Insel noch einmal ganz neu. Es dürfte kein Zufall sein, dass Malta angekündigt hat, zum besten Standort für Blockchain-Unternehmen zu werden. Allerdings ist genau das einer der Kritikpunkte der Financial Action Task Force, die Malta auf die graue Liste gebracht haben.

Schwedische Glücksspielanbieter zu Hause und in Malta unter Druck?

Für schwedische Glücksspielanbieter sind die Zeiten aktuell ruppig, jedenfalls im eigenen Land und vielleicht bald auch in Malta. Die heimische Glücksspielregulierung sorgt dafür, dass die schwedischen Glücksspielanbieter Probleme haben, im Internet die gewohnten Umsätze zu erzielen. Es gibt mittlerweile ein Einzahlungslimit und ein Bonuslimit. Darüber hinaus gibt es diverse Restriktionen, die nicht immer klar formuliert sind in den geltenden Glücksspielgesetzen. Das führt dazu, dass die schwedischen Glücksspielanbieter überdurchschnittlich oft vor Gericht sind in Verfahren gegen die schwedische Glücksspielbehörde. Doch der heimische Markt ist für die schwedischen Glücksspielanbieter am Ende finanziell nicht so wichtig wie der Standort Malta. Malta ist zwar deutlich kleiner als Schweden. Aber von Malta aus haben die schwedischen Glücksspielanbieter in den letzten Jahren den internationalen Erfolg organisiert.

Sollte sich der Glücksspielstandort Malta komplett verändern, müssten sich die schwedischen Glücksspielanbieter eine Alternative suchen. Es ist im Moment aber nicht möglich, in Europa einen attraktiveren Standort als Malta zu finden, jedenfalls wenn es um niedrige Steuern geht. Der Kursrutsch bei den großen schwedischen Glücksspielanbietern ist vor allem als Warnschuss zu verstehen. Es ist davon auszugehen, dass vor allem die großen Konzerne bereits an Alternativen arbeiten, falls Malta nicht die Kurve kriegen sollte. Es ist jedoch noch zu früh, um langfristige Prognosen zu machen. Wenn Malta von der grauen Liste genommen wird, könnte das sogar dazu führen, dass die Aktienkurse der schwedischen Glücksspielanbieter nach oben gehen. Zudem zeigen fundierte Analysen von Steuerexperten, dass die angekündigte globale Steuer wahrscheinlich nicht ganz so dramatisch sein wird, wie dies zu Beginn vielleicht schien. Auch in den nächsten Jahren dürfte Malta als Glücksspielstandort für ambitionierte Unternehmen und Konzerne in Europa die erste Wahl bleiben. Aber die aktuellen Ereignisse zeigen, dass das nicht zwingend so bleiben muss.