Malta hat im Jahr 2020 deutlich weniger Lizenzanträge verzeichnet als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2019 ist die Einzahlung 34 Prozent nach unten gegangen. Das ist bedenklich, zumal Malta aktuell durch die Einstufung auf der grauen Liste durch die Financial Action Taskforce ohnehin schon unter Druck steht. Doch vielleicht gibt es auch einfache Gründe dafür, dass weniger Glücksspielanbieter im letzten Jahr versucht haben, in Malta eine Lizenz zu bekommen. Langfristig dürfte es ohnehin schwierig sein, das maltesische Lizenzgeschäft auf einem hohen Niveau zu halten, denn immer mehr Länder in Europa führen eigene Lizenzen für Online-Glücksspielanbieter ein.

Weniger Lizenzanträge in Malta: schlechtes Zeichen?

Malta Gaming Authority

Der Online-Glücksspielmarkt ist in vielen europäischen Ländern im letzten Jahr gut gelaufen. Durch die Gesundheitskrise waren die Voraussetzungen für alle Geschäftsmodelle im Internet deutlich besser als für die landbasierten Geschäftsmodelle. Auch beim Glücksspiel hat sich gezeigt, dass die landbasierten Anbieter deutlich im Nachteil waren, vor allem durch staatlich angeordnete Schließungen und strenge Hygienevorschriften. Doch wie kann es sein, dass es beim Online-Glücksspiel einen Boom gibt und die Anzahl der Lizenzanträge, die bei der Malta Gaming Authority eintrudeln, um 34 Prozent sinkt? Anders als noch vor fünf oder zehn Jahren gibt es immer mehr Glücksspielanbieter, die keine maltesische Lizenz benötigen. Wer in Deutschland Glücksspiele anbieten möchte, braucht beispielsweise in Zukunft keine EU-Lizenz, sondern eine deutsche Lizenz. Ähnliches gilt schon seit vielen Jahren für Großbritannien. Auch Dänemark, Spanien und Portugal haben das Online-Glücksspiel national reguliert. Trotzdem werden die EU-Lizenzen noch für eine ganze Weile in vielen Ländern relevant bleiben.

Nicht zuletzt brauchen auch die Glücksspielanbieter mit Sitz in Malta eine maltesische Glücksspiel-Lizenz. Dieser einfache Mechanismus wird sich nicht ändern, auch wenn in vielen anderen Ländern demnächst die Malta-Lizenz nicht mehr maßgeblich sein sollte. Aber das Geschäft mit Glücksspiel-Lizenzen für international agierende Unternehmen wird deutlich zurückgehen. Davon gehen viele Experten schon seit längerer Zeit aus. Die maltesische Glücksspielbehörde betreibt im Moment viel Aufwand, um Maßnahmen zum Schutz vor Geldwäsche und den Spielerschutz zu verbessern. Die Anforderungen sind höher geworden, sodass es keinen Spielraum mehr für Nachlässigkeiten gibt. Seriöse Online Casinos sind mittlerweile Standard in Europa. Der Fairness halber muss allerdings erwähnt werden, dass die Malta Gaming Authority viel dazu beigetragen hat, dass überhaupt ein vernünftig regulierter Markt in der Europäischen Union entstehen konnte. Malta hat bereits Online Casinos lizenziert, als in Deutschland die meisten Politiker noch keine Ahnung davon hatten, dass es so etwas wie Online-Glücksspiele überhaupt gibt. Malta hat den Anspruch, auf lange Sicht der wichtigste Glücksspielstandort in Europa zu bleiben. Dazu muss das bisherige Geschäftsmodell aber wahrscheinlich angepasst werden.

Krisenjahr 2020 kein Maßstab für die nächsten Jahre?

Im Jahr 2020 war es für viele Unternehmen schwierig, Investitionen zu tätigen und neue Märkte zu erobern. Obwohl die Online Casinos insgesamt gut gelaufen sind, gab es doch auch bei den Unternehmen der Glücksspielbranche vor allem in der ersten Phase der Krise mehr Zurückhaltung als üblich. Der eine oder andere Glücksspielanbieter hat auch anstehende Pläne für Expansionen aufgegeben. Zwar funktioniert das Online-Glücksspiel am Ende komplett über das Internet. Aber niemand sollte vergessen, dass für den Aufbau eines Geschäfts, beispielsweise auch in Malta, am Ende doch echte Menschen notwendig sind. Die Einrichtung eines Büros ist zum Beispiel schwierig, wenn es Hygienevorschriften gibt, die den Mitarbeitern verbieten, das Büro zu besuchen. Das Homeoffice hatte viele Vorteile für die Glücksspielbranche im Jahr 2020. Insbesondere war es hilfreich, dass das gesamte Geschäft lückenlos erledigt werden konnte, ohne dass die Mitarbeiter ständig vor Ort waren im Büro. Aber das gilt in erster Linie für die etablierten Unternehmen.

So mancher Glücksspielanbieter, der eine Filiale in Malta aufbauen wollte im letzten Jahr, hat die Pläne vielleicht kurzfristig verschoben, da die Rahmenbedingungen zu schwierig waren. Ob diese These stimmt, dürfte sich schon an den Zahlen für das Jahr 2021 zeigen. Vielleicht gibt es sogar einen Nachholeffekt. Malta bleibt nicht zuletzt aufgrund der attraktiven Unternehmenssteuern für viele Glücksspielanbieter auch in den nächsten Jahren attraktiv. Aber Malta hat als Unternehmensstandort ein neues Problem. Die Einstufung von Malta auf der grauen Liste der Financial Action Taskforce hat zwar keine Auswirkung auf die Lizenzanträge im Jahr 2020 gehabt. Aber es könnte sein, dass man in vielen Unternehmen, die den Schritt nach Malta in Erwägung ziehen, noch abwartet, wie sich die Situation rund um die berüchtigte graue Liste entwickelt. Für die Glücksspiel-Fans in Deutschland und den meisten anderen Ländern ändert sich durch die Schwierigkeiten von Malta in der Praxis nicht. Die deutschen Glücksspiel-Fans müssen demnächst gar nicht mehr nach Malta schauen, denn die zuständige Glücksspielbehörde hat ihren Sitz in Sachsen-Anhalt. Im Moment handelt es sich zwar „nur“ um die Glücksspielaufsichtsbehörde des Landesverwaltungsamts. Aber ab 2023 hat Deutschland eine echte Glücksspielbehörde für das gesamte Bundesgebiet. Spätestens dann dürfte es den deutschen Glücksspiel-Fans und auch vielen Glücksspielanbietern in Deutschland egal sein, was in Malta passiert.