Der deutsche Spielehersteller Löwen Entertainment hat sich zum neuen Glücksspielstaatsvertrag klar positioniert. Nach Einschätzung von Vorstandsmitglied Daniel Henzgen verursacht der Glücksspielstaatsvertrag große Probleme für die Glücksspielbranche und die Glücksspiel-Fans. Allerdings geht es Löwen Entertainment nicht in erster Linie um die Online Casinos, sondern vor allem um die Spielhallen. Henzgen sieht es kritisch, dass der Glücksspielstaatsvertrag den Bundesländern die Möglichkeit gibt, zahlreiche Spielhallen zu schließen. In Baden-Württemberg könnte der neue Glücksspielstaatsvertrag beispielsweise dazu führen, dass mehr als 8.000 Menschen ihren Job in der Glücksspielbranche verlieren. Dass gleichzeitig die Online-Glücksspiele legalisiert werden, versteht man bei Löwen Entertainment nur bedingt.

Löwen Entertainment fordert faktenbasierte Politik

Löwen Gruppe Glücksspielanbieter

Daniel Henzgen kritisiert die neue Glücksspielregulierung in Deutschland erstaunlich offen. Normalerweise sind gerade die Spielehersteller in Deutschland bedacht, Kritik hinter den Kulissen zu äußern, um öffentliche Auseinandersetzungen zu vermeiden. Beim neuen Glücksspielstaatsvertrag ist es der Glücksspielbranche in Deutschland jedoch nicht gelungen, die Interessen der stationären Glücksspielanbieter durchzusetzen. Was bedeutet das konkret? Der letzte Glücksspielstaatsvertrag enthielt bereits Abstandsregeln, die allerdings mit einer großzügigen Übergangsregelung verbunden waren. Die Hoffnung in der Glücksspielbranche war immer, dass mit dem nächsten Glücksspielstaatsvertrag die Abstandsregeln entschärft würden. Doch das ist nicht geschehen. Die Bundesländer haben somit die Möglichkeit, von zwei Spielhallen eine zu schließen, wenn der Mindestabstand von 500 Metern unterschritten ist. Auch Mehrfach-Konzessionen sind nicht mehr erlaubt. Allerdings haben die Bundesländer immerhin die Befugnis, den Glücksspielstaatsvertrag über das Landesglücksspielgesetz anzupassen. In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz müssen die Spielhallen-Besitzer beispielsweise nicht damit rechnen, dass es zu zahlreichen Schließungen kommt. Die neuen Landesglücksspielgesetze in diesen beiden Ländern entschärfen die Wirkung des Glücksspielstaatsvertrags.

In Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern haben sich die Landesregierungen hingegen dazu entschlossen, die Regelungen des Glücksspielstaatsvertrags weitgehend unverändert im Landesglücksspielgesetz zu übernehmen. In Baden-Württemberg führt das dazu, dass wahrscheinlich 8.000 von 10.000 Arbeitsplätzen in der Glücksspielbranche abgebaut werden. Für sich genommen sieht das für einen Glücksspielgegner vielleicht wie eine sinnvolle Maßnahme aus. Aber bei Löwen Entertainment weist man zurecht darauf hin, dass die Schließung von Spielhallen mit der Öffnung des Online-Spielmarkts in Deutschland nicht zusammenpasst. Wer soll verstehen, dass Spielhallen geschlossen werden, wenn zum gleichen Zeitpunkt Online Casinos mit deutscher Lizenz geschaffen werden? Die Leidtragenden sind vor allem die Spielehersteller und die Angestellten der deutschen Unternehmen. Dahingegen dürfen sich die Glücksspielanbieter, die im Ausland sitzen und Online-Glücksspiele in Deutschland anbieten, über einen neu regulierten Markt freuen. Für Spielehersteller wie Löwen Entertainment hängt der wirtschaftliche Erfolg eng mit den Spielhallen zusammen. Nur wenn es Spielhallen gibt, in denen die Spielautomaten angeboten werden können, kann Löwen Entertainment Geld verdienen. Doch aktuell deutet vieles darauf hin, dass der Glücksspielstaatsvertrag dazu führen wird, dass der Umsatz in Richtung Online-Glücksspiel verschoben wird.

Schlechterer Spielerschutz durch neuen Glücksspielstaatsvertrag?

Für Daniel Henzgen von Löwen Entertainment ist es nicht nachvollziehbar, dass es demnächst sogar bei den staatlichen Lottoanbietern Online-Spielautomaten geben könnte, während zahlreiche Spielhallen-Betreiber schließen müssen. Ein ganzheitlicher Ansatz ist jedenfalls nicht zu erkennen bei der Glücksspielregulierung in Deutschland. Es ist schwer nachzuvollziehen, dass das stationäre Glücksspiel anders behandelt wird als das Online-Glücksspiel. Allerdings sind die Betreiber der Online Casinos auch nicht besonders glücklich mit der neuen Glücksspielregulierung. Vor allem die neue Glücksspielsteuer, die ausschließlich Online Casinos betrifft, sorgt für Empörung. Von jedem Spieleinsatz müssen die Online-Glücksspielanbieter in Zukunft eine Steuer von 5,3 Prozent abführen. Das führt dazu, dass die Online Casinos mit deutscher Lizenz in Zukunft Spiele anbieten werden, die eine niedrigere Auszahlungsquote haben als die Spiele in den Online Casinos ohne deutsche Lizenz. Auch an dieser Stelle ist die Glücksspielregulierung nicht ganz optimal gelungen, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Daniel Henzgen von Löwen Entertainment bemängelt, dass es bei der Glücksspielregulierung viel zu selten um wissenschaftlich basierte Fakten gehe. Stattdessen gehe es oft um Ideologie. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass die Bundesländer bei der Glücksspielregulierung in der Praxis zu völlig unterschiedlichen Strategien kommen? Gibt es vielleicht in einigen Bundesländern alternative Fakten?

Die Regulierung des Online-Glücksspiels in Deutschland ist völlig neu. Demnächst wird eine Glücksspielbehörde in Sachsen-Anhalt das gesamte Online-Glücksspiel regulieren. Einstweilen muss die Glücksspielbehörde aber noch aufgebaut werden. Im Moment sucht Sachsen-Anhalt händeringend qualifizierte Mitarbeiter, um über 110 ausgeschriebene Stellen zu besetzen. Eigentlich sollte es leicht sein, in der heutigen Zeit gut bezahlte Posten in einer Behörde zu besetzen. Doch die Stellenausschreibungen laufen schon seit einer Weile und es scheint so zu sein, dass die Bewerber nicht gerade Schlange stehen. Aber vielleicht ändert sich das noch in den nächsten Wochen und Monaten. Bis zum Jahr 2023 wird die Regulierung des Online-Glücksspiels vom Regierungspräsidium Darmstadt und der Glücksspielaufsichtsbehörde Sachsen-Anhalt übernommen. Darmstadt ist mit den Sportwetten beschäftigt, während Sachsen-Anhalt die Online Casinos reguliert. Wie das in der Praxis ohne eine starke Glücksspielbehörde im Rücken funktioniert, ist völlig offen. Nicht nur bei der Spielhallen-Regulierung gibt es noch viele Fragezeichen bei der praktischen Umsetzung des neuen Glücksspielstaatsvertrags. Aber schon jetzt lässt sich feststellen, dass in einigen Bundesländern vor allem die Betreiber der Spielhallen, die Spielehersteller und die Glücksspiel-Fans die Leidtragenden der neuen Glücksspielregulierung sind.