Die neue Glücksspielsteuer, die auf virtuelle Automatenspieler erhoben wird, hat dem deutschen Staat im dritten Quartal 2022 Einnahmen in Höhe von 123,2 Millionen Euro beschert. Das ist eine erhebliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. In dritten Quartal 2021 lag das Steueraufkommen bei gerade einmal 32,7 Millionen Euro. An diesen Zahlen wird deutlich, dass der legale Online-Glücksspielmarkt in Deutschland wächst. Durch den Glücksspielstartvertrag 2021 ist es zum ersten Mal möglich, virtuelle Automatenspiele mit deutscher Lizenz anzubieten. Von jedem Spieleinsatz müssen die Glücksspielanbieter 5,3 Prozent als Steuer abführen. Diese Art der Besteuerung steht seit der Einführung in der Kritik.

Neuen Glücksspielsteuer bringt über 123 Millionen Euro

Online Spielbank Deutschland

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zum Steueraufkommen belegt gut, warum die Online-Glücksspielanbieter nicht zufrieden sind mit der Glücksspielsteuer. Die Spieleinsatzsteuer benachteiligt die Anbieter virtueller Automatenspiele erheblich. Der direkte Vergleich mit den Online-Buchmachern zeigt dies. Die Sportwettenanbieter mussten im dritten Quartal 2022 Steuern in Höhe von 53,4 Millionen Euro bezahlen. Die Anbieter von virtuellen Automatenspielen mussten hingegen mehr als doppelt so viel bezahlen. Warum ist das so? Ein Blick auf die Abläufe bei Sportwetten und Glücksspielen erklärt dies sehr gut. Bei der Sportwette wird der Einsatz einmal erbracht und einmal besteuert. Bei einem Online-Spielautomaten ist es hingegen so, dass der Einsatz in jeder Runde neu anfällt und jedes Mal wird die Steuer abgezogen.

Fachleute sind sich schon lange darüber einig, dass die Besteuerung des Spieleinsatzes bei den virtuellen Automatenspielen keine gute Idee ist. Die aktuellen Zahlen belegen dies eindrücklich. Spannend ist darüber hinaus, dass auch die Anbieter von Online-Poker 8 Millionen Euro Steuer bezahlen mussten, obwohl noch keine einzige Lizenz für Online-Poker vergeben worden ist. Somit müssen die Pokeranbieter Steuern auf der Basis der Übergangsregelung bezahlen. Bislang hat weder das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, die aktuell zuständige Glücksspielbehörde, noch die Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder erklärt, warum bisher keine einzige Lizenz für Online-Poker vergeben worden ist. Vielleicht müsste das Recht, Steuern einzuziehen, an die Lizenz gebunden werden. Das könnte die Glücksspielregulierung deutlich beschleunigen.

Glücksspielsteuer macht virtuelle Spielautomaten unattraktiver

Grundsätzlich ist es begrüßenswert, dass das Steueraufkommen im Bereich der virtuellen Automatenspiele steigt. Das belegt nicht zuletzt, dass die legalen Online-Casinos zunehmend genutzt werden. Das ist ein gutes Zeichen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die Kanalisierung aufgrund der immer noch relativ wenigen lizenzierten Online-Casinos nicht besonders gut ist. Doch was macht die Glücksspielsteuer so problematisch? Die Glücksspielsteuer sorgt dafür, dass die Auszahlungsquoten der Spielautomaten sinken. Wenn vom Einsatz 5,3 Prozent als Steuer abgezogen werden, bedeutet dies, dass die Auszahlungsquote unter 94,7 Prozent liegen muss, denn ansonsten verdient der Glücksspielanbieter kein Geld.

Vor der Einführung der Glücksspielsteuer lag die durchschnittliche Auszahlungsquote bei Online-Spielautomaten bei etwa 96 Prozent. Aktuell dürfte der Durchschnittswert bei 89 bis 90 Prozent liegen. Gemessen an früheren Zeiten, als Spielautomaten in Gaststätten und Spielhallen Auszahlungsquoten zwischen 40 und 60 Prozent hatten, ist das großartig. Aber die Glücksspiel-Fans in Deutschland vergleichen ihre Gewinnchancen nicht mit längst vergangenen Epochen, sondern mit den tatsächlich verfügbaren Online-Spielautomaten im Netz. Die Attraktivität der Spielautomaten in den legalen Online-Spielhallen könnte deutlich erhöht werden, indem die Glücksspielsteuer verändert würde. Trotzdem müsste der Staat nicht auf hohe Einnahmen verzichten.

Bruttospielertrag wäre bessere Basis für Glücksspielsteuer

Fast überall auf der Welt werden Glücksspielanbieter auf der Basis des Bruttospielertrags besteuert. Etwas vereinfacht ausgedrückt: Bei dieser Art der Besteuerung ist entscheidend, was am Ende als Einnahmen beim Glücksspielanbieter landet. Der Spieleinsatz ist eine ungünstige Basis für die Besteuerung, da die Attraktivität des Spiels nachhaltig beeinflusst wird. Besonders gilt dies bei Spielen, die immer wieder neu gestartet und infolgedessen immer wieder neu besteuert werden. Was bei den Sportwetten halbwegs gut funktioniert, ist bei den Online-Spielautomaten keine gute Sache. Aber es dürfte schwer sein, angesichts der mittlerweile doch beträchtlichen Steuereinnahmen eine Änderung der Glücksspielsteuer herbeizuführen. Doch es spricht nichts dagegen, die Besteuerung auf einer anderen Basis so zu gestalten, dass ein ähnlich hohes Steueraufkommen möglich ist. Der Vorteil wäre, dass die Auszahlungsquoten der Spielautomaten wieder erhöht werden könnten.