„Das kriegen wir hin. Das ist kein Thema.“ Mit dieser Aussage überraschte Nadja Wierzejewski in einem aktuellen Interview zur Bekämpfung des illegalen Glücksspiels im Internet. Die Abteilungsleiterin ist in der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder zuständig für die Bekämpfung der illegalen Werbung und der illegalen Glücksspielanbieter. Doch was bekommt die GGL hin? Nach Einschätzung von Nadja Wierzejewski ist es möglich, die illegalen Glücksspielanbieter vom Markt zu nehmen, ganz unabhängig davon, ob sie in Europa ansässig sind oder nicht. Das ist eine bemerkenswerte Aussage, denn bislang hat es kein Land in Europa geschafft, das illegale Online-Glücksspiel komplett vom Markt zu verdrängen.

Nadja Wierzejewski mit GGL gegen illegale Glücksspielanbieter

GGL

Seit dem 1. Juli 2022 ist die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder zuständig für die Bekämpfung des illegalen Glücksspiels und die Bekämpfung der illegalen Werbung. Eine einzige Maßnahme ist bislang öffentlich geworden: Die GGL versucht, mit IP-Sperren den größten Konkurrenten der staatlichen Lottoanbieter, Lottoland, vom deutschen Markt zu verdrängen. Aber über das eigentliche Kerngeschäft, den Kampf gegen die legalen Online-Casinos und die illegalen Online-Sportwettenanbieter, ist bislang noch nicht viel bekannt geworden. Im aktuellen Interview erwähnt Nadja Wierzejewski allerdings, dass es bereits erste Maßnahmen im Bereich Payment Blocking gebe. Wie diese Maßnahme allerdings aussehen und welche Glücksspielanbieter betroffen sind, wird nicht erwähnt.

Was ist mit Payment Blocking gemeint? Die GGL wendet sich an Zahlungsdienstleister und fordert diese auf, die Zusammenarbeit mit illegalen Glücksspielanbietern einzustellen. Auch schon vor der Einführung des neuen Glücksspielstaatsvertrags hat es derartige Versuche gegeben, die allerdings weitgehend erfolglos geblieben sind. Um auch nur annähernd einschätzen zu können, ob die neuen Versuche erfolgreich sind, müssten mehr Details an die Öffentlichkeit. Dazu müsste die GGL aber nähere Informationen veröffentlichen. Warum dies nicht geschieht, ist nicht ganz klar. Es sollte doch eigentlich kein Problem sein, seriöse Zahlungsdienstleister zu nennen, die Zahlungen an illegale Glücksspielanbieter unterbinden. Auch die Nennung der illegalen Glücksspielanbieter sollte rechtlich kein Problem darstellen.

Erstaunlich viel Optimismus bei Nadja Wierzejewski

Im Interview weist Nadja Wierzejewski darauf hin, dass sie 14 Jahre Erfahrung mit Glücksspielregulierung habe. Daran zweifelt niemand, aber in Rheinland-Pfalz war Nadja Wierzejewski mit terrestrischem Glücksspiel beschäftigt. Die Spielregeln sind allerdings völlig anders im Internet. Die Erfahrung aus dem terrestrischen Glücksspiel hilft im Internet kaum weiter. Allenfalls kann es in Einzelfällen nützlich sein, bestimmte Firmen schon zu kennen, die sowohl im terrestrischen Glücksspiel als auch im Online-Glücksspiel unterwegs sind. Aber bei diesen Glücksspielanbietern handelt es sich überwiegend um seriöse Unternehmen. Viel spannender ist die Frage, wie die GGL gegen die Glücksspielanbieter vorgehen möchte, die nicht in Deutschland oder zumindest in Europa ansässig sind.

Im Idealfall wird die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder es schaffen, eine umfassende Sperrliste für das IP-Blocking zu erstellen und zu pflegen. Ein Blick in die Schweiz zeigt allerdings, dass eine derartige Sperrliste nur begrenzt wirksam ist. Noch schlechter sind die Aussichten beim Payment Blocking. Selbst wenn die GGL alle herkömmlichen Zahlungsmethoden unterbinden könnte, gäbe es immer noch die Kryptowährungen, die sich nicht kontrollieren lassen. Die jüngste Geschichte rund um die Casino-Influencer auf Twitch betraf übrigens vor allem Bitcoin-Casinos. Und diesen Casinos kann die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder nicht viel anhaben. Wäre es anders, hätten Glücksspielbehörden in anderen europäischen Ländern diese illegalen Casinos längst aus dem Verkehr gezogen.

Wunschdenken und Realität müssen zueinanderfinden

Horcht man ein wenig in die Glücksspielbranche hinein, hört man viele entsetzte Stimmen. Wie kann es sein, dass in Deutschland eine Glücksspielregulierung umgesetzt wird, die in vielerlei Hinsicht nicht praxistauglich ist? Im Glücksspielstaatsvertrag haben sich die Bundesländer auf Regeln geeinigt, die auf dem Papier großartig aussehen. Aber die Realität ist eine andere. Das lässt sich knapp anderthalb Jahre nach dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags feststellen. Auch in der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder wird man kaum umhinkommen, das politische Wunschdenken mit der Realität abzugleichen. Es bleibt zu hoffen, dass Nadja Wierzejewski und die anderen Führungskräfte in der GGL dazu in der Lage sein werden, die normative Kraft des Faktischen nicht zu verleugnen und entsprechende Rückmeldungen in die Politik zu geben.