Das war es jetzt. Der Aufsichtsrat der Casinos Austria AG (CASAG) hat getagt und eine Entscheidung gefällt, die von der breiten Öffentlichkeit schon seit Monaten erwartet wurde: Peter Sidlo ist als Finanzvorstand des Unternehmens nicht länger tragbar. Der FPÖ-Mann wird „mit sofortiger Wirkung“ von seinem Vorstandsposten abberufen, lautet das Statement des Aufsichtsrats. Umstände „... zur Bestellung Sidlos“ hätten den Ausschlag gegeben. Dieser Beschluss sei „... zum Wohle des Unternehmens“ mit deutlicher Mehrheit gefallen. Auch wenn der gesunde Menschenverstand einen Verbleib Sidlos im CASAG-Vorstand für ausgeschlossen gehalten haben mag, kommt diese Abberufung relativ plötzlich. In den letzten Wochen deuteten alle Signale eher darauf hin, dass Sidlo seinen Job behält.  Die Vorstandsvorsitzende der Casinos Austria AG, Bettina Glaz-Kremser, bat sich eine „rasche und klare Entscheidung des Aufsichtsrates“ aus und verwies in der Sitzung laut „Standard“ auf „... die prekäre Situation im Unternehmen“. Der „Kurier“ schrieb, dass die Belegschaftsvertreter des Aufsichtsrats den Antrag zur Abberufung Sidlos gestellt hatten. Für sie stellte sich weniger die Frage, ob Sidlo nun schuldig oder nicht schuldig sei, sondern – sinngemäß - ob er der CASAG gut täte. Im „Standard“ war darüber hinaus zu lesen, dass sich ein vom Novomatic Konzern gesandtes Mitglied gegen die Abberufung aussprach, die beschuldigten Aufsichtsratsmitglieder Rothensteiner, Pröll und Neumann sich ihrer Stimmen enthielten, die Mehrheit allerdings dafür stimmte. 

Casinos Austria | Der Ruf des Unternehmens stand auf dem Spiel

Peter SidloEine interne Untersuchung, die dem außerordentlichen Aufsichtsrat vorgelegt worden war, hat diesem eine Art „Persilschein“ ausgestellt. Er hätte sich sowohl bei der Trennung von den beiden alten Vorstandsmitgliedern Dietmar Hoscher und Alexander Labak, als auch bei der Bestellung Peter Sidlos „...im Rahmen des vorhandenen Ermessensspielraums korrekt verhalten“. Die Casinos Austria AG geizt nicht mit Rechtfertigungen. In einer Stellungnahme des Unternehmens heißt es, dass diese Entscheidung nicht auf „Verfehlungen bei der Bestellung“ zurückzuführen sei, sondern weil der Casinos Austria AG Reputationsschäden drohten. Das heißt zu gut Deutsch: Die CASAG fürchtete um ihren guten Ruf. In der offiziellen Abberufung steht, dass der ehemalige FPÖ-Bezirkspolitiker „aus wichtigem Grund“ und „ohne weitere Ansprüche mit sofortiger Wirkung“ aus seinem Amt ausscheidet. Sofern Peter Sidlo einer anderen Auffassung ist, steht es ihm selbstverständlich frei zu klagen. Ob er nun auf die Einhaltung seines Vertrags bestehen wird, lässt er auf Anfrage hin offen. Er wolle sich „... zunächst den Abberufungsbeschluss im Detail ansehen“, meldet er sich aus seinem nicht selbst gewählten Urlaub zu Wort.  Aktuell ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Hierbei geht es um den Vorwurf, dass Sidlo vom Novomatic Konzern nur deshalb gefördert wurde, weil seine Partei bei der Vergabe von Casino-Lizenzen ein gewisses Entgegenkommen versprach. Zu einer solchen Absprache hagelte es von allen betroffenen Seiten nur Dementi. 

Spekulationen zur Neu-Besetzung des Finanzvorstands

Novomatioc, einer der drei Großaktionäre der Casinos Austria AG, kommentierte die Aufsichtsratssitzung nicht. Die ÖBAG, die sich um die Verwaltung der österreichischen Staats-Anteile kümmert, verweigerte jegliche Verantwortung. „Unter Berufung auf das Aktienrecht“ seien keine Unterlagen des Aufsichtsrats an die ÖBAG übermittelt worden und daher habe man „... keine näheren Erkenntnisse zu den Erwägungen.“ Die ÖBAG geht davon aus, dass „... es sich bei der Abberufung um eine faktenbasierte Entscheidung handelt, die der Aufsichtsrat sorgfältig abgewogen und zum Wohle der CASAG getroffen hat“. Gemeinsam mit der Casinos Austria AG und den anderen Aktionären will die ÖBAG nun daran arbeiten, „... dass sich die CASAG in ruhigeren Zeiten wiederfindet und sich die volle Leistungsfähigkeit des Unternehmens entfalten kann“. Dabei sei das oberste Ziel der ÖBAG, dass die Interessen der Republik Österreich gewahrt bleiben. Dritter im Bunde ist die Sazka Gruppe. Der Konzern hatte im Vorfeld der Bestellung Sidlos heftigen Widerstand geleistet, sich bei der Abstimmung allerdings der Stimme enthalten. Jetzt begrüßte Sazka den Beschluss als „... einzige und bestmögliche Entscheidung im Interesse des Unternehmens und seiner Mitarbeiter“. On Top bedankte sich die Sazka Gruppe dafür, dass die „... Initiative der Belegschaftsvertreter zur Abberufung des Vorstandsmitglieds Peter Sidlo“ eine so breite Zustimmung fand. Ins gleiche Horn blies auch der SPÖ-Finanzsprecher Kai Jan Kramer. In einer Aussendung begrüßte er die Abberufung Sidlos ebenfalls. In dem Untersuchungsausschuss, der von der SPÖ und den NEOS einberufen wurde, will er aufklären, wie es dazu kam, dass Sidlo auf diesen Posten gehievt wurde und herausfinden, wer die politische Verantwortung dafür trägt: „Dass der für die Koordination der Regierungsarbeit zuständige Kanzleramtsminister Blümel und in weiterer Folge Altkanzler Kurz davon nichts wussten, erscheint mir, euphemistisch gesagt, wenig glaubhaft“, sagt Krainer. Es existieren auch schon Spekulationen, die sich um die Neu-Besetzung des Finanzvorstands der Casinos Austria AG drehen. In einer Aussendung nennt FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker den Namen der ehemaligen grünen Partei-Vorsitzenden Eva Glawischnig. Sie ist aktuell im Dienste der Novomatic als Nachhaltigkeitsbeauftragte tätig.  

Teurer Rauswurf

„Außer Spesen nichts gewesen,“ wird Sepp Schellhorn, Wirtschaftssprecher der NEOS, zitiert. Er mahnt an, dass diese ganze Causa immense Kosten verursacht hat. In einer Aussendung fordert er die genauen Zahlen an, um die Angelegenheit korrekt und transparent aufarbeiten zu können: „Was wird die Abberufung Sidlos genau kosten, wer hat die ganzen Gutachten gezahlt? Neben dem Posten- und Korruptions-U-Ausschuss wollen wir auch durch parlamentarische Anfragen herausfinden, was hinter diesem würdelosen Schauspiel gesteckt hat.“ Prost Mahlzeit!