Die maltesische Glücksspielbehörde (Malta Gaming Authority) hat sich klar und deutlich von ihrem ehemaligen Mitarbeiter Iosif Galea, der kürzlich in Italien verhaftet worden ist, distanziert. Iosif Galea war von 2007 bis 2013 bei der renommierten Glücksspielbehörde, die damals noch Lotteries and Gaming Authority (LGA) hieß, als Compliance Officer beschäftigt. Von 2016 bis 2022 arbeitete Galea freiberuflich als Regulatory Compliance Specialist für die maltesische Glücksspielbehörde. Darüber hinaus war Galea als Direktor bei mehreren Glücksspielanbietern zuständig für Key Compliance. Iosif Galea wurde auf der Basis eines europäischen Haftbefehls festgenommen. Warum die Festnahme nicht in Malta erfolgte, ist eine von mehreren offenen Fragen.

Maltesische Glücksspielbehörde gegen Ex-Mitarbeiter

Iosif Galea war in der maltesischen Glücksspielbehörde von 2007 bis 2013 zuständig für die Lizenzierung von Glücksspielanbietern. Schaut man sich den beruflichen Lebenslauf von Iosif Galea an, wird jedoch deutlich, dass der damalige Compliance Officer wohl die Chance hatte, in der Privatindustrie deutlich mehr Geld zu verdienen. Die diversen Direktorenposten bei Glücksspielanbietern waren mit Sicherheit finanziell einträglicher als die Arbeit für die maltesische Glücksspielbehörde. Die renommierte Behörde existiert schon seit 2001 und wurde geschaffen, um den Aufbau der maltesischen Glücksspielbranche zu ermöglichen. In der Zeit, in der Iosif Galea für die MGA tätig war, gab es einen deutlichen Umsatzzuwachs in der Branche. Mittlerweile stammen etwa zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Malta aus der Glücksspielbranche. Aus Sicht der aufstrebenden Glücksspielanbieter war es vor knapp einem Jahrzehnt eine kluge Entscheidung, einen ehemaligen Behördenmitarbeiter als Direktor für Key Compliance einzustellen. Durch die besonderen Einblicke, die Iosif Galea in den Lizenzierungsprozess hatte, hatten die Unternehmen erhebliche Vorteile. Darüber hinaus dürfte es auch eine Rolle gespielt haben, dass Galea viele persönliche Kontakte zu den Mitarbeitern in der Malta Gaming Authority hatte.

Es ist keineswegs ungewöhnlich, dass Behördenmitarbeiter in die Privatindustrie wechseln, wenn die finanziellen Verlockungen groß sind. Die Verhaftung von Iosif Galea hatte jedoch nichts mit der Arbeit für die Malta Gaming Authority zu tun. Vielmehr wurde der Ex-Mitarbeiter der MGA auf Betreiben deutscher Behörden verhaftet, unter anderem aufgrund angeblich nicht bezahlter Steuern.

Maltesische Behörden versäumen Verhaftung

Wenn ein europäischer Haftbefehl erlassen wird, werden alle Länder der Europäischen Union informiert. Normalerweise hätte die maltesische Polizei Iosif Galea festnehmen müssen. Doch es sieht so aus, als hätte der Gesuchte trotz des europäischen Haftbefehls mehrfach Malta verlassen können. Dass die Festnahme nun in Italien erfolgt ist, ist kein Ruhmesblatt für die maltesischen Behörden. Erste Politiker fordern bereits Konsequenzen. Insbesondere das zuständige Innenministerium wird erklären müssen, warum es nicht zu einer Verhaftung von Iosif Galea gekommen ist. Angeblich war die Polizei nicht darüber informiert, dass gegen den Ex-Mitarbeiter der MGA ein europäischer Haftbefehl vorlag.

Iosif Galea stand unabhängig von der aktuellen Festnahme in Malta bereits unter Druck. Aufgrund diverser Unregelmäßigkeiten musste Galea unlängst alle Direktorenposten niederlegen, da der umtriebige Ex-Behördenmitarbeiter in Malta nicht mehr in der Glücksspielbranche arbeiten darf. In Malta muss sich Galea gegen Vorwürfe, er habe sensible Information der Malta Gaming Authority an die Öffentlichkeit gebracht, wehren. Richtig spannend wird es, wenn die Verstrickungen zwischen Jason Farrugia, dem ehemaligen Chief Technology Officer, der sich aktuell in einem Verfahren unter anderem wegen angeblicher Geldwäsche verantworten muss, und Iosif Galea näher untersucht werden.

Deutsche Glücksspiel-Fans brauchen MGA nicht mehr

In Deutschland hat die Malta Gaming Authority keine Relevanz mehr. Das ist nicht nur angesichts der aktuellen Enthüllungen eine gute Nachricht. Die Online Casinos werden seit dem 1. Juni 2021 in Deutschland reguliert und lizenziert. Seriöse Online Casinos brauchen eine deutsche Lizenz (Erlaubnis), um virtuelle Automatenspiele im Internet anbieten zu können. Auch Online-Poker und Sportwetten, die anderen beiden großen Branchen, die von der Malta Gaming Authority lizenziert werden, werden von der zuständigen deutschen Glücksspielbehörde reguliert. Die Malta Gaming Authority verliert zunehmend an Bedeutung in Europa, da immer mehr Länder nationale Regulierungen schaffen. Historisch hat die maltesische Glücksspielbehörde allerdings eine wichtige Bedeutung für den Aufbau der europäischen Online-Glücksspielbranche. Aber in Zukunft werden sich die deutschen Glücksspiel-Fans daran orientieren müssen, ob ein Glücksspielanbieter eine deutsche Lizenz (Erlaubnis) hat.