Das Länderübergreifende Glücksspielaufsichtssystem LUGAS steht in der Kritik. Dieses System wurde eingeführt, um das Einzahlungslimit und die Aktivität der Spieler zu überwachen. Darüber hinaus werden über LUGAS auch noch weitere Daten von den Glücksspielanbietern an die zuständige Glücksspielbehörde geleitet. Es gibt jedoch Bedenken hinsichtlich der technischen Umsetzung. Problematischer ist allerdings, dass sich immer mehr Juristen und Datenschützer zu Wort melden. Grundlegend wird kritisiert, dass sehr viele Daten erhoben werden, ohne dass es einen individuellen Anlass gäbe. Jede Einzahlung und jede Anmeldung in einem Online-Casino wird über LUGAS erfasst und registriert.

Verstößt LUGAS gegen Regeln des Datenschutzes?

Casino Gesetze Deutschland

Der Datenschutz ist ein sensibles Thema. In Deutschland, aber auch in der gesamten Europäischen Union ist in den letzten Jahren viel Aufwand betrieben worden, um den Datenschutz an die neue digitale Welt anzupassen. Nun mehren sich Klagen, dass beim Glücksspielstaatsvertrag die Regelungen eingebaut worden seien, die nicht mit den Datenschutzbestimmungen in Einklang zu bringen wären. Die fundamentale Kritik lautet: Es sei nicht verhältnismäßig, sensible Daten von allen Spielern zu erfassen, ganz unabhängig davon, ob die Spieler ein Risikopotenzial haben. Das betrifft nicht nur alle Kunden in den Online-Casinos, sondern auch alle Kunden von Online-Buchmachern und Online-Pokerräumen.

Nur ein sehr kleiner Teil der Kunden entwickelt ein problematisches Spielverhalten. Um diese Spieler ausbremsen, ist ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro eingerichtet worden. Dieses Einzahlungslimit betrifft aber auch alle Spieler, die nie ein Problem entwickeln und es sich leisten können, gelegentlich oder sogar regelmäßig um höhere Beträge zu spielen. Warum sollte der Gesetzgeber diesen Spielern etwas verbieten, was ihnen nicht schadet? Diese Frage wird wahrscheinlich irgendwann von Gerichten geklärt. Schon jetzt haben alle Sportwetten-Anbieter, die eine Lizenz für Online-Sportwetten in Deutschland bekommen haben, Klagen eingereicht, um das Einzahlungslimit zu kippen.

Spielerschutz oder unnötige Überwachung?

Niemand zweifelt daran, dass es sinnvoll und wichtig ist, einen umfassenden Spielerschutz zu gewährleisten. Die Spieler, die ein Problem damit haben, sich selbst zu kontrollieren, müssen vor sich selbst geschützt werden. Doch dafür gibt es bereits eine Spielersperrdatei (OASIS), die es jedem Spieler ermöglicht, sich selbst komplett vom legalen Glücksspiel in Deutschland auszuschließen. Diese Spielersperrdatei ist ein sehr wirkungsvolles Instrument und deutlich sinnvoller als ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit. Mit dem Einzahlungslimit werden Spieler schikaniert, die keinen Schutz benötigen. Stattdessen wäre es sinnvoller, individuell die Spieler zu schützen, die Probleme haben oder dabei sind, Probleme zu entwickeln.

Aber auch an dieser Stelle könnte es Schwierigkeiten geben. Der Glücksspielstaatsvertrag sieht vor, dass die Glücksspielanbieter geeignete Maßnahmen umsetzen sollen, um problematische Verhaltensmuster bei ihren Kunden zu erkennen. Wie das allerdings im Detail funktionieren soll, ist nicht klar. Zudem stellt sich auch die Frage, wie das alles zusammenpasst. Wenn es ein niedriges Einzahlungslimit gibt, ist nicht nötig, eine zusätzliche Spielerschutz-Maßnahme einzuführen, die am Ende kaum eine Wirkung entfaltet. Viel sinnvoller wäre es, auf das Einzahlungslimit zu verzichten und stattdessen wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen, um einen individuellen Spielerschutz da zu gewährleisten, wo er meisten benötigt wird.

Führt Überwachung zu schlechter Kanalisierung?

Wenn bei jedem Gaststätten-Besucher erfasst würde, welche Getränke er konsumiert, gäbe es einen riesigen Aufschrei. Noch größer wäre der Aufschrei, wenn ein Limit eingeführt würde für den Getränkekonsum. Genau das passiert aktuell beim Online-Glücksspiel, ohne dass es eine überzeugende Begründung gebe. Für die meisten Glücksspiel-Fans ist der Besuch in einer Spielbank oder einem Online-Casino ein harmloses Freizeitvergnügen. Warum dieses Freizeitvergnügen stärker eingeschränkt werden sollte als andere Betätigungen, die potenziell deutlich gefährlicher sind, bleibt unklar.

Ein großes Problem der geplanten Überwachung ist, dass viele Glücksspiel-Fans kein Interesse daran haben, mit der zuständigen Glücksspielbehörde Daten auszutauschen. Wer möchte schon einer Behörde mitteilen, wie viel Geld für Spielautomaten oder andere Glücksspiele ausgegeben wird? Genau das passiert aber und es ist nicht sicher, dass die Daten nicht auch für andere Zwecke missbraucht werden könnten. Es wäre keine Überraschung, wenn irgendwann Polizeibehörden auf die Idee kämen, die Daten der Glücksspielbehörde anzufordern. Viele Glücksspiel-Fans werden sich gut überlegen, ob sie bei den legalen Anbietern spielen, wenn die geltenden Regeln bestehen bleiben.