Ronald Benter, einer der beiden Vorstände der neuen Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat sich an die Glücksspielanbieter in Deutschland gewendet. Alle Glücksspielanbieter seien gut beraten, sich möglichst schnell an das länderübergreifende System LUGAS anzuschließen. Nicht zuletzt werde damit zum Ausdruck gebracht, dass ein Glücksspielanbieter den Anspruch hat, die Anforderungen, die mit der neuen Glücksspielregulierung einhergehen, zu erfüllen. Ronald Benter sieht derzeit mit einigem Unbehagen, dass es sehr viele Glücksspielanbieter gibt, die noch nicht an LUGAS angeschlossenen. Das ist ein Problem, denn die Glücksspielregulierung kann in der geplanten Form ohne dieses System nicht funktionieren.

Ronald Benter will mehr Glücksspielanbieter in LUGAS sehen

Online Glücksspiel

Die Rechtslage ist einfach: Wer in Deutschland Glücksspiele online oder offline anbieten möchte, muss sich an das Glücksspielauswertesystem LUGAS anschließen und die geforderten Daten übertragen. In der Theorie ist das eine großartige Idee. In der Praxis scheint es aber schwierig zu sein, die Glücksspielanbieter vom Anschluss an LUGAS zu überzeugen. Es ist unklar, wo die Lücken genau sind. Aber Ronald Benter hat kürzlich öffentlich geäußert, dass der Anschluss der Glücksspielanbieter nicht wie gewünscht funktioniere. Es kann sich allerdings dabei um die Online-Glücksspielanbieter halten, die aktuell noch keine Lizenz in Deutschland warten. Zwar ist der Anschluss an LUGAS auch schon vorher möglich. Aber wahrscheinlich wird der Anschluss erst zur Pflicht, wenn die Lizenz erteilt worden ist.

Aus Sicht eines Glücksspielanbieters ist es wohl nachvollziehbar, dass der Anschluss an LUGAS erst dann erfolgt, wenn die beantragte Lizenz vorhanden ist. Man stelle sich nur einmal vor, ein Glücksspielanbieter würde sich an LUGAS anschließen und demnächst einen negativen Lizenzbescheid bekommen! Das erklärt vielleicht auch, warum das übergangsweise zuständige Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt bislang keine rechtlichen Mittel genutzt hat, um den Anschluss an LUGAS zu forcieren. Im Moment scheint es nur darum zu gehen, dass die Glücksspielanbieter guten Willen zeigen sollen. Ob sich ein Anschluss an LUGAS auch auf die Lizenzentscheidungen auswirken könnte, ist unklar. Allzu wahrscheinlich ist das aber nicht, zumal eine derartige Vorgehensweise wohl von den Gerichten kassiert würde.

Neue Glücksspielbehörde will mit anderen Behörden kooperieren

Fachleute bemängelt schon lange, dass bei der Planung der neuen Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder nicht der Austausch mit anderen Glücksspielbehörden in Europa gesucht worden ist. Warum ist kein Politiker nach Malta oder Großbritannien gereist? Die UK Gambling Commission und die Malta Gaming Authority regulieren seit vielen Jahren Online-Glücksspielanbieter und Online-Buchmacher. In diesen Behörden gibt es wesentlich mehr Know-how zum Thema als in Deutschland. Ronald Benter hat immerhin Erfahrungen mit der Regulierung des Online-Glücksspiels in Schleswig-Holstein sammeln können. Aber die meisten anderen Mitarbeiter der neuen Glücksspielbehörde müssen sich in das Thema komplett neu einarbeiten.

Der Austausch mit anderen Behörden in Europa, aber auch in den USA, ist nach Aussagen von Ronald Benter geplant. Grundsätzlich ist das eine gute Idee, denn die meisten größeren Glücksspielanbieter sind international tätig. Ein Erfahrungsaustausch könnte auch hilfreich sein, um frühzeitig problematische Glücksspielanbieter vom Markt auszuschließen. Aktuell geht es aber vor allem darum, die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder zu einer leistungsfähigen Regulierungsbehörde zu machen. Schon seit Monaten sucht die Behörde kompetente Mitarbeiter, um die komplexen Aufgaben, die mit der Regulierung des Online-Glücksspiels verbunden sind, zu meistern.

Lizenzen und Werbung aktuell größte Baustellen

Zu den aktuellen Lizenzierungsverfahren wollte sich Ronald Benter bislang nicht im Detail äußern. Auch Fragen zur Werbung für Glücksspiel konnten nicht beantwortet werden. Die vielen Lizenzen für Online Casinos werden zunehmend zum Ärgernis, da die neue Glücksspielregulierung bereits seit dem 1. Juli 2021 gilt, aber noch keine einzige Lizenz für ein Online Casino ausgestellt worden ist. Im Moment existiert die Regulierung in Deutschland vor allem in der Theorie. In der Praxis gibt es einige seriöse Glücksspielanbieter, die sich an alle Regeln halten und viele Offshore-Glücksspielanbieter, die sich über die günstige Gelegenheit freuen. Solange es keine Lizenzen und keine wirksame Bekämpfung des Schwarzmarkts gibt, wird sich daran kaum etwas ändern. Eine weitere Großbaustelle sind die fehlenden Richtlinien für Glücksspielwerbung. Dafür sind laut Ronald Benter die Länder zuständig und bislang ist völlig unklar, welche Werberichtlinien für Online-Glücksspiele am Ende gelten werden.