Gibt es in Liechtenstein bald ein umfassendes Casino-Verbot? Die Gefahr besteht, denn es gibt ein Initiativbegehren mit dem schönen Titel „Casino-Verbot“. Die Regierung muss den damit verbundenen Antrag prüfen und verabschieden, wenn die grundlegende Vereinbarkeit mit der Liechtensteiner Verfassung gegeben ist. Das Initiativbegehren ist nach Einschätzung der Regierung, das wurde nun bekannt gegeben, formell in Ordnung. Die Initiatoren haben damit einen wichtigen Meilenstein erreicht. Doch warum gibt es Bürgerinnen und Bürger in Liechtenstein, die ein Casino-Verbot befürworten? Ein Grund dürfte sein, dass es in den letzten Jahren zu einer wahrhaften Casino-Inflation gekommen ist. Scherzhaft wurde schon vom neuen Las Vegas in Europa gesprochen. Dieser Trend gefällt offensichtlich nicht allen Liechtensteinerinnen und Liechtensteinern.

Casino-Verbot würde Glücksspielbranche hart treffen

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Formal geht es beim Casino-Verbot darum, Spielbanken in Liechtenstein zu verbieten. Sollte das Initiativbegehren zu einem Erfolg werden, müssten nicht nur die Spielbanken-Betreiber mit erheblichen Einbußen rechnen. Auch die zahlreichen Mitarbeiter in den Spielbanken in Liechtenstein hätten ein erhebliches Problem. Nicht zuletzt müsste auch der Staat einige Lücken in der Staatskasse füllen, denn mit Glücksspiel lässt sich auch über Steuern gutes Geld verdienen. Die wirtschaftlichen Argumente könnten am Ende ausschlaggebend dafür sein, dass das Initiativbegehren scheitert. Auch wenn in Liechtenstein viele Bürgerinnen und Bürger gegen Casinos eingestellt sein sollten, wäre es doch ein großer Schritt, Spielbanken komplett zu verbieten. Zudem würde sich dann auch die Frage stellen, ob nicht auch andere Glücksspielangebote verboten werden müssten.

In Liechtenstein gibt es aktuell eine angeregte öffentliche Debatte über die Argumente für und gegen legales Glücksspiel. Allerdings sollte man auch in Liechtenstein sehen, dass ein Verbot des Glücksspiels nicht dazu führt, dass die besonders gefährdeten Problemspieler geschützt werden. Oft ist es sogar umgekehrt. Wenn kein legales Angebot vorhanden ist, ist es sehr einfach für die Anbieter auf dem Schwarzmarkt, Kunden zu werben. Ohne vernünftigen Spielerschutz und rechtliche Absicherung sind die Problemspieler auf dem Schwarzmarkt völlig auf sich allein gestellt. In einer seriösen Spielbank ist es hingegen so, dass für einen vernünftigen Spielerschutz gesorgt wird. Zudem werden die Spiele fair veranstaltet und die Gewinne korrekt ausgezahlt. Bedauerlicherweise sehen viele Glücksspielgegner nicht die Gefahren, die mit Verboten einhergehen. Dieses Problem ist auch in Deutschland nicht völlig unbekannt.

Spielbanken werden nicht einmal in Deutschland verboten

In Deutschland gibt es einige vehemente Glücksspielgegner. Aktuell ist etwa der Bremer Innensenator damit beschäftigt, sämtliche Wettbüros zu schließen. Wenn es darum geht, gegen Spielhallen, Spielbanken und seriöse Online-Casinos zu wettern, ist es immer sehr einfach, Politiker und Verbandsvertreter zu finden. Aber die Abschaffung des legalen Angebotes führt in manchen Branchen nicht dazu, dass das Angebot nicht mehr gefragt ist. Der Glücksspielmarkt wird von einer enorm starken Nachfrage getragen. Wenn das Angebot reduziert wird, verschiebt sich die Nachfrage in Richtung Schwarzmarkt. Damit hat Deutschland umfassende Erfahrungen in den letzten Jahrzehnten sammeln können.

Auch bei den Online-Casinos lässt sich sehr gut nachvollziehen, dass es eine schlechte Idee ist, keinen legalen Markt zu schaffen oder aber den legalen Markt so stark zu beschränken, dass die Angebote auf dem Schwarzmarkt deutlich attraktiver sind. Alle Länder in der Europäischen Union, die das Online-Glücksspiel stark regulieren, kämpfen mit dem Problem, dass es parallel einen Schwarzmarkt gibt, der sich an keine Regeln hält. Liechtenstein könnte alle Spielbanken schließen. Das Ergebnis wäre, dass gerade die gefährdeten Spieler die Spielbanken in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland besuchen würden. Nicht zuletzt gibt es auch in Liechtenstein das Internet, sodass auch die Online-Casinos, die in Liechtenstein nicht reguliert werden, als Alternativen zur Verfügung stünden.

Pragmatismus gefragt bei Glücksspielregulierung

Am Ende müssen die Liechtensteinerin und Liechtensteiner selbst entscheiden, ob sie Spielbanken haben möchten oder nicht. Ein Casino-Verbot wäre ein interessantes Experiment, von dem viele andere Länder etwas lernen könnten. Aber gerade im Sinne der gefährdeten Spieler, die nur einen sehr kleinen Prozentsatz ausmachen, wäre es fatal, wenn die gut regulierten legalen Spielbanken verboten würden. Doch noch ist es nicht so weit und aktuell scheint die Stimmung eher gegen das geforderte Casino-Verbot zu sprechen. Doch Stimmungen können sich schnell ändern.