Kritik an der Glücksspielregulierung kommt nicht nur von Glücksspielexperten, sondern mittlerweile auch von Internetspezialisten. Auf dem Bundeskongress zum Glücksspielwesen in Berlin erläuterte Professor Michael Rotert als Vertreter des Verbands der Internetwirtschaft e. V. ausführlich, warum aus seiner Sicht die aktuelle Regulierung des Online-Glücksspiels problematisch sei. Neben der Glücksspielsteuer, die als Spieleinsatzsteuer konzipiert ist, kritisierte Rotert bei seiner Rede hauptsächlich die Ausgestaltung von LUGAS und OASIS, den beiden maßgeblichen technischen System zur Umsetzung der Regulierung des Online-Glücksspiels. Die Argumente, die Rotert vorbrachte, sind bedenkenswert, werden aber wohl kaum zu einer baldigen Änderung der Glücksspielregulierung führen.

Glücksspielregulierung nicht optimal: Rotert fordert Nachbesserung

Online Casino

Für Professor Michael Rotert gibt es mehrere Punkte am aktuellen Glücksspielstaatsvertrag, die nicht gut gelungen sind. Der Datenschutz könnte sich dabei als größtes Problem erweisen, insbesondere in juristischer Hinsicht. Für Rotert ist es nicht nachvollziehbar, warum es neben dem strengen Einzahlungslimit noch diverse andere Regeln gibt, die mit LUGAS umgesetzt werden. Diese Kritik würden sich wohl viele Glücksspielexperten anschließen. Es ist schwer verständlich, warum es etwa ein Einsatzlimit in Höhe von 1 Euro gibt. Genügt es nicht, dass ein Spieler auf ein bestimmtes Budget pro Monat beschränkt ist? Warum ist es nötig, auch noch das Budget für jede Spielrunde festzulegen? Auch das Verbot des parallelen Spielens ist aus Sicht von Rotert überzogen.

Nach Einschätzung von Rotert würde es genügen, wenn die Spieler an ein Einzahlungslimit gebunden wären. Alle anderen Regeln, die darüber hinaus eingeführt worden sind, um die Spieler in ihrer Freiheit zu beschränken, seien weitgehend überflüssig. Ein Argument, das von Rotert nur am Rande erwähnt wurde, ist dabei die Kanalisierung. Je stärker sich die Spieler gegängelt fühlen, desto größer ist die Gefahr, dass sich die Spieler vom legalen Markt abwenden und in den Online-Casinos auf dem Schwarzmarkt spielen. Dabei ist es eines der wichtigsten Ziele der Glücksspielregulierung, die Spieler dazu zu bringen, in den legalen Online-Casinos zu spielen. Doch dieses Ziel lässt sich schwer erreichen, wenn die legalen Glücksspielanbieter absichtlich unattraktiv gemacht werden.

Umstrittene Glücksspielsteuer behindert Kanalisierung

Die Glücksspielsteuer ist nach Auffassung von Professor Michael Rotert ein fundamentales Problem der aktuellen Glücksspielregulierung. Im Glücksspielstaatsvertrag war die Glücksspielsteuer nicht vorgesehen. Aber rechtzeitig vor der Einführung der neuen Glücksspielregulierung wurde die Glücksspielsteuer noch flott von den Bundesländern vereinbart und umgesetzt. Von jedem Einsatz müssen die Online-Glücksspielanbieter 5,3 Prozent als Steuer an den Staat abführen. Das führt in der Praxis dazu, dass die Auszahlungsquoten der Spielautomaten gesenkt werden müssen. Ansonsten könnten die Glücksspielanbieter kein Geld verdienen. Doch die reduzierten Auszahlungsquoten sind ein erhebliches Problem für die Betreiber der Online-Casinos.
Die Glücksspiel-Fans, die sich mit der Thematik auskennen, stellen sofort fest, dass in den legalen Online-Casinos die Auszahlungsquoten niedriger sind als vor der Einführung der neuen Glücksspielregulierung. Solange die Glücksspiel-Fans in Deutschland keine Schwierigkeiten haben, nicht lizenzierte Glücksspielanbieter im Internet zu finden, dürfte es schwer sein, eine umfassende Kanalisierung zu gewährleisten. Wer kann es einem Glücksspiel-Fan schon verdenken, dass er die Spiele auswählt, die besonders hohe Auszahlungsquoten haben? Und diese Spiele gibt es aktuell leider nicht auf dem legalisierten Online-Glücksspielmarkt in Deutschland.

Datensammelwut könnte juristische Probleme verursachen

Für die Umsetzung der neuen Glücksspielregulierung werden zahlreiche Daten gesammelt. Aus Sicht von Professor Michael Rotert werden zu viele sensible Kundendaten gespeichert. Ein Problem sei dabei, dass die Daten teilweise an unterschiedlichen Orten gespeichert würden und nicht immer klar sei, was mit den Daten genau geschehe. Wahrscheinlich werden demnächst Gerichte klären müssen, welche Daten für die Glücksspielregulierung gespeichert werden dürfen. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Datenschutz zu einer Veränderung von Gesetzen führt.
In seinem Vortrag gab Rotert zu bedenken, dass nach aktuellen Erkenntnissen mehr als 99 Prozent aller Glücksspiel-Fans keine Probleme beim Spielen entwickeln würden. Dementsprechend müsste die Glücksspielregulierung verhältnismäßig gestaltet werden. Kann es wirklich sein, dass für weniger als ein Prozent der Glücksspiel-Fans eine umfassende Überwachung aller Kunden von Online-Casinos und Online-Buchmachern stattfindet? Mit Sicherheit gibt es intelligentere Wege, einen individuellen Spielerschutz umzusetzen, der am Ende den tatsächlich gefährdeten Spielern hilft und nicht die ganz normalen Casino- und Sportwetten-Fans in ihren Freiheiten beschränkt.