Die Kindred Group hat in Norwegen einen wichtigen Prozess verloren. Das Bezirksgericht Oslo hat entschieden, dass Trannel International, ein Unternehmen der Kindred Group, keine Kunden aus Norwegen mehr annehmen darf. Das Gericht hat damit die Entscheidung der norwegischen Glücksspielbehörde aus dem Jahr 2019 bestätigt. Normalerweise sollte man nun denken, dass sich die Kindred Group aus Norwegen zurückzieht. Und das ist auch genau das, was der Direktor der norwegischen Glücksspielbehörde, Alte Hamar, von der Kindred Group erwartet. Aber der Glücksspielanbieter ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht dazu bereit, diesen Schritt zu gehen. Vielmehr will die Kindred Group alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen.

Kindred Group pocht auf EU-Recht in Norwegen

Kindred Group

Norwegen hat beim Glücksspiel noch weitgehend ein Monopol. Das wird durchaus kritisch gesehen, sowohl von Juristen im Land als auch von Juristen in der Europäischen Union. Aber es muss daran erinnert werden, dass Norwegen kein Mitglied der Europäischen Union ist, sondern nur Mitglied im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Nach Auffassung der Kindred Group muss Norwegen trotzdem die EU-Regeln einhalten, die es nach Auffassung der Kindred Group möglich machen, in Norwegen Online-Glücksspiele anzubieten. Wahrscheinlich wird das Verfahren noch durch einige Instanzen laufen, bevor irgendwann eine höchstrichterliche Entscheidung fällt, vielleicht auch vor einem EU-Gericht.

Die Kindred Group versucht in Norwegen das durchzusetzen, was seit vielen Jahren in zahlreichen EU-Ländern praktiziert wird. Der Glücksspielanbieter möchte mit einer EU-Lizenz der Malta Gaming Authority Online-Glücksspiele anbieten. Im Kern geht es dabei darum, dass die Dienstleistungsfreiheit genau dies gestatten soll. Wenn ein Anbieter in einem EU-Land lizenziert ist, soll diese Lizenz auch in allen anderen EU-Ländern gelten. Ob das tatsächlich der Fall ist, wenn es um Online-Glücksspiel geht, ist bislang nicht hinreichend geklärt worden von den zuständigen Gerichten. Aber vielleicht schafft die Kindred Group des in der aktuellen Norwegen-Geschichte genau diese Frage höchstrichterlich innerhalb der EU ein für alle Mal zu klären.

EU-Lizenzen stehen auf wackeligem Fundament

In den letzten Jahren hat sich regelmäßig gezeigt, dass Anbieter mit EU-Lizenzen sich relativ schnell von Märkten verabschiedet haben, die nationale Regulierungen geschaffen haben. Auch in Deutschland ist dieser Effekt bereits zu beobachten. Mittlerweile gibt es erste Online Casinos mit deutscher Lizenz. Wahrscheinlich werden bald die meisten Glücksspielanbieter mit EU-Lizenz, aber ohne deutsche Lizenz aufhören, deutsche Kunden anzunehmen. An diesem Detail wird deutlich, dass die EU-Lizenz in der Praxis vielleicht doch nicht den Wert haben, den die Kindred Group annimmt. Allerdings muss angemerkt werden, dass der Norwegen-Fall einige Besonderheiten hat. Insbesondere die fehlende Mitgliedschaft in der Europäischen Union könnte am Ende das entscheidende Thema werden.

Allerdings ist auch denkbar, dass durch die aktuelle Auseinandersetzung zwischen der Kindred Group und der norwegischen Glücksspielbehörde die EU-Lizenzen plötzlich zum Standard werden. Wenn beispielsweise in der EU höchstrichterlich erklärt würde, dass die EU-Lizenzen für seriöse Online Casinos in allen Ländern anerkannt werden müssten, wäre das gesamte Lizenzierungssystem, das gerade in Deutschland aufgebaut worden ist, hinfällig. Denn dann wäre es möglich, in Malta eine Lizenz zu beantragen und Glücksspiele in Deutschland anzubieten. Viele Jahre lang war das die gängige Praxis. Nach wie vor gibt es viele Juristen, die davon überzeugt sind, dass die EU-Lizenzen rechtmäßig sind.

Kindred Group lässt es trotz Bußgeld-Androhung darauf ankommen

Die norwegische Glücksspielbehörde hat angekündigt, ein Bußgeld von 1,2 Millionen Norwegischen Kronen (120.000 Euro) pro Tag zu verhängen, falls sich Trannel International und die Kindred Group nicht vom norwegischen Markt zurückziehen. Das wäre eine gigantische Strafe, die nach kürzester Zeit exorbitante Höhen erreichen würde. Eines ist zum aktuellen Zeitpunkt sicher: Die Kindred Group muss die Kosten für den letzten Prozess in Oslo bezahlen. Aber im Moment sieht alles danach aus, dass es weitere Prozesse geben wird. Für die europäischen Glücksspiel-Fans wäre es nicht die schlechteste Sache, wenn die Kindred Group ihre Ankündigungen wahr macht und endgültig klären lässt, was von den EU-Lizenzen zu halten ist. Wenn die Kindred Group sich in Norwegen durchsetzt, könnte das Signalwirkung für den gesamten europäischen Online-Glücksspielmarkt haben.