Die Kindred Group hat den Rückzug vom deutschen Glücksspielmarkt bekannt gegeben. Alle deutschen Spielerkonten werden zum 1. Juli 2022 aufgelöst und neue Anmeldungen sind seit dem 9. Juli 2022 nicht mehr möglich. Betroffen sind unter anderem Kunden von Anbietern wie Unibet, 32Red und Maria Casino. Diese Glücksspielanbieter gehören zum renommierten Glücksspielkonzern. Vor allem der Abzug von Unibet vom deutschen Markt ist ein schwerer Schlag für viele Sportwetten-Fans. In den letzten Jahren war Unibet regelmäßig einer der beliebtesten Online-Buchmacher. Doch warum zieht sich die Kindred Group vom deutschen Markt zurück? In einem umfassenden Statement erklärt die Kindred Group, dass die mangelhafte deutsche Glücksspielregulierung die Ursache für den Abzug sei.

Neue Glücksspielregulierung vertreibt Kindred aus Deutschland

Kindred Group

Es ist eine große Überraschung, dass die Kindred Group bekannt gegeben hat, sämtliche Marken und Produkte vom deutschen Markt abzuziehen. Die Kindred Group hat die Anträge auf deutsche Lizenzen für Sportwetten und virtuelle Online Spielautomaten zurückgezogen. Nach Angaben der Kindred Group läuft der Antrag im Sportwetten-Bereich bereits seit zwei Jahren. Zudem hat die Kindred Group keine Informationen, warum noch nicht endgültig über die Lizenz entschieden worden ist. Es gibt nur die vage Information, dass das Glücksspielkollegium der Länder, das die letzte Entscheidungsinstanz ist, die Lizenzvergabe an die Kindred Group bislang verweigert. Eine detaillierte Begründung fehlt aber nach Angaben des Glücksspielkonzerns. Das ist ein unhaltbarer Zustand, aus dem die Kindred Group nun Konsequenzen gezogen hat.

Die Kindred Group bekennt sich klar dazu, regulierte Märkte zu beliefern. Immerhin hat die Kindred Group nach eigenen Angaben aktuell 18 Lizenzen in Australien, Europa und Nordamerika. Nur in Deutschland hat Kindred große Probleme. Das aktuelle Lizenzierungssystem ist nach Aussagen der Kindred Group nicht transparent. Zudem bezweifelt man bei Kindred, dass auf der Basis der aktuellen Glücksspielregulierung in Deutschland ein wirtschaftlich tragbares Geschäftsmodell umsetzbar ist. Als großes Problem identifiziert die Kindred Group neben dem Lizenzierungssystem die Glücksspielsteuer, die im letzten Jahr eingeführt worden ist. Von jedem Spieleinsatz müssen 5,3 Prozent als Steuer abgeführt werden. Die Glücksspielsteuer benachteiligt nach Einschätzung von Experten die seriösen Glücksspielanbieter im Wettbewerb mit den Konkurrenten auf dem Schwarzmarkt.

Kindred-Rückzug ist Fiasko für deutschen Glücksspielmarkt

Wenn einer der bekanntesten und erfolgreichsten Glücksspielanbieter des letzten Jahrzehnts den deutschen Glücksspielmarkt verlässt und dies mit einer mangelhaften Glücksspielregulierung begründet, ist das ein riesiges Problem. Wie kann es sein, dass die Kindred Group in 18 Jurisdiktionen eine Lizenz bekommt, aber in Deutschland nicht? Wie kann es sein, dass die zuständige Behörde in Hessen nicht einmal eine transparente Begründung liefert, warum die Kindred Group bisher keine Sportwetten-Lizenz bekommen hat? Wie kann es sein, dass ein Lizenzierungsverfahren für Online-Sportwetten zwei Jahre dauert? Es gibt viele Fragen, die der Rückzug der Kindred Group aufwirft.

Die Erfahrungen der letzten Monate zeigen, dass es für seriöse Glücksspielanbieter in Deutschland schwierig wird, gute Geschäfte zu machen. Die neue Glücksspielregulierung mit einem Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat sorgt dafür, dass die Anbieter auf dem Schwarzmarkt erhebliche Vorteile haben. Am Ende ist man bei der Kindred Group zu der Erkenntnis gekommen, dass sich der riesige Aufwand in Deutschland angesichts des intransparenten Lizenzierungsverfahrens nicht lohnt. Spannend wäre es nun, die andere Seite zu hören. Wie sieht das Regierungspräsidium Hessen, das zuständig ist für die Regulierung der Online-Sportwetten, die Situation? Wie positioniert sich das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, das zuständig ist für die Lizenzen für virtuelle Spielautomaten?

Kindred Group hält sich Hintertüre für Deutschland offen

Eine Rückkehr auf den deutschen Glücksspielmarkt schließt Kindred nicht aus. Eine Änderung der Regulierung und des Lizenzierungsverfahrens könnten dazu führen, dass Kindred irgendwann wieder auf den deutschen Markt zurückkehrt. Ein Faktor könnte dabei sein, dass das neue Einzahlungslimit von Gerichten gekippt wird. Derzeit klagen alle lizenzierten Online-Buchmacher in Deutschland gegen das 1.000 Euro Einzahlungslimit. Sollten die Klagen erfolgreich sein, würde sich zumindest die wirtschaftliche Basis für die Lizenzinhaber deutlich verbessern. Aber es ist schwer vorstellbar, dass Kindred nach Deutschland zurückkehrt, ohne dass das Lizenzierungssystem von Grund auf verbessert wird. Zudem werden sich wohl diverse Konkurrenten der Kindred Group genau überlegen, ob sie sich den deutschen Glücksspielmarkt unter den aktuellen Rahmenbedingungen antun werden.