Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 hat aus Sicht von Westlotto, dem staatlichen Lottoanbieter in Nordrhein-Westfalen, auch Fortschritte gebracht. Angesichts der großen Kritik, die in letzter Zeit vor allem im Bereich der Regulierung der Online Casinos zu lesen ist, lohnt es sich, auch andere Perspektiven anzuschauen. Der Westlotto-Sprecher Axel Weber weist beispielsweise darauf hin, dass der Kampf gegen sogenannte Zweitlotterien deutlich verschärft worden sei. Auch der Kampf gegen Lootboxen, die an der Schnittstelle zwischen Gaming und Gambling angesiedelt sind, entwickle sich positiv. Allerdings ändern diese positiven Aspekte nichts daran, dass die Regulierung der Online Casinos einiges zu wünschen übrig lässt.

Doch nicht alles schlecht am Glücksspielstaatsvertrag 2021?

Online Casino Glücksspiel

Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 ist umstritten. Für Glücksspielgegner ist es ein Graus, dass die Online Casinos legalisiert werden mit diesem Vertrag. Für die Glücksspielbefürworter sind die Regeln hingegen viel zu streng ausgefallen, gerade bei der Regulierung der Online Casinos. Angesichts der teilweise erbitterten Debatten über dieses Thema wird mitunter übersehen, dass sich im letzten Jahr auch einiges positiv entwickelt hat. Darauf weist der Westlotto-Sprecher in aktuellen Videos hin. Beispielsweise ist es für Weber ein Fortschritt, dass mittlerweile eine umfassende Debatte über die sogenannten Lootboxen stattfindet. Diese Spiele, die sich an der Grenze zwischen Gaming und Glücksspiel bewegen, seien sehr problematisch, da sie nicht von der Glücksspielregulierung erfasst werden.

Auch beim Kampf gegen sogenannte Zweitlotterien, also Lotterien, bei denen die Teilnehmer auf das Ergebnis von Lotterien wetten, sieht Axel Weber Fortschritte. Aus Sicht der staatlichen Lottogesellschaften sind die Zweitlotterien ein großes Ärgernis, da die Anbieter von Zweitlotterien in der Zielgruppe der Lottoanbieter wildern. Darüber hinaus gibt es aber auch rationale Argumente gegen Zweitlotterien. Insbesondere fehlt bei den Zweitlotterien nach Einschätzung vieler Experten der soziale und gesellschaftliche Nutzen, den die staatlichen Lottoanbieter in Deutschland haben. Ein erheblicher Teil der Einnahmen, die mit den großen Lotterien erzielt werden, kommt sozialen und gesellschaftlichen Projekten zugute. Das ist bei den Zweitlotterien in der Regel nicht der Fall.

Regulierung des Online-Glücksspiels bleibt größtes Problem

Die Regulierung des Online-Glücksspiels wurde als einer der großen Fortschritte im neuen Glücksspielstaatsvertrag gefeiert. Etwas mehr als ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 lässt sich konstatieren, dass die ausgerufenen Ziele bislang nicht erreicht worden sind. Nur wenige Online Casinos sind mit deutschen Lizenzen (Erlaubnissen) ausgestattet worden. Die Bekämpfung des Schwarzmarkts hat zwar begonnen, aber auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder hat am 1. Juli 2022 die Glücksspielaufsicht übernommen. Damit ist die neue Behörde nun zuständig für die Bekämpfung des illegalen Glücksspiels. Vielleicht wird sich dadurch ein Fortschritt in diesem Bereich ergeben.

Aber die schleppende Vergabe der Lizenzen für seriöse Online Casinos, das zweite große Problem bei der aktuellen Regulierung des Online-Glücksspiels, wird sich wohl nicht allzu schnell auflösen. Zwar ist angekündigt, dass weitere Lizenzen in Kürze vergeben werden sollen. Aber es ist kein Ruhmesblatt, dass das zuständige Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt im ersten Jahr nicht mehr als drei Lizenzen vergeben konnte. Glücksspielbehörden in anderen EU-Ländern sind deutlich schneller. Sogar in den Niederlanden wurden im ersten Schwung bei der Einführung der neuen Regulierung des Online-Glücksspiels zehn Glücksspielanbieter lizenziert. Und das, obwohl in den Niederlanden die Einführung der neuen Regulierung alles andere als reibungslos verlaufen ist. Aber Deutschland zeigt aktuell, dass noch Luft nach oben ist, wenn es darum geht, eine moderne Glücksspielregulierung möglichst langsam einzuführen.

Wo steht Deutschland bei der Regulierung in einem Jahr?

In einem Jahr wird die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder die Zuständigkeit für die gesamte Regulierung des Online-Glücksspiels haben. Im Idealfall führt dies dazu, dass die Lizenzvergabe reibungslos funktioniert und der Kampf gegen den Schwarzmarkt wirkungsvoll ist. Es gibt aber viele Skeptiker aus der Branche, die beides bezweifeln. Vor allem der Kampf gegen den Schwarzmarkt ist erfahrungsgemäß ein Kampf gegen Windmühlen. Aber auch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder hat eine faire Chance verdient. Vielleicht ist doch alles viel besser und in einem Jahr gibt es in Deutschland einen hervorragend funktionierenden Markt für Online-Glücksspiele. Hört man sich in der Branche um, ist der Glaube allerdings nicht besonders groß, dass dies der Fall sein wird.