Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) wird in Zukunft mit anderen Glücksspielbehörden in Europa zusammenarbeiten. Aus diesem Grund hat die GGL nun auch eine englischsprachige Webseite. Die Jahreskonferenz des Europäischen Forums der Glücksspielregulierungsbehörden (GREF) hat die GGL genutzt, um über den Aufbau der neuen Glücksspielbehörde in Deutschland zu berichten. Der Behördenvorstand Benjamin Schwanke erläuterte aber nicht nur den derzeitigen Stand, sondern informierte seine Kollegen auch über die weiteren geplanten Schritte. Die GGL übernimmt zum 1. Juli 2022 die Aufsicht des Online-Glücksspiels und damit vor allem auch die Bekämpfung des Schwarzmarkts. Zum 1. Januar 2023 wird die GGL auch die Regulierung und Lizenzierung der Online-Glücksspielanbieter übernehmen.

Internationaler Austausch von GGL erwünscht

GGL

In Deutschland gibt es seit dem 1. Juni 2021 erstmals eine Regulierung des Online-Glücksspiels. Die passende Glücksspielbehörde befindet sich aber noch im Aufbau. Das ist nach Einschätzung vieler Experten ein fundamentaler Fehler. Besser wäre es gewesen, zuerst die Glücksspielbehörde aufzubauen und anschließend die neue Regulierung einzuführen. Aber dieser Fehler lässt sich nicht mehr korrigieren. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder muss nun das Beste aus der Situation machen. Die Kooperation mit anderen Glücksspielbehörden in Europa kann dabei sehr nützlich sein, insbesondere weil viele Glücksspielbehörden bereits viele Jahre Erfahrung mit der Regulierung des Online-Glücksspiels haben.

Benjamin Schwanke betonte in seiner Rede vor dem GREF, dass die GGL dazu bereit sei, ihre Expertise im Bereich Prävention zu teilen. Darüber hinaus sei es aus seiner Sicht wichtig, den Austausch bei Themen wie der Bekämpfung des Schwarzmarkts, dem Einsatz von verbotenen Bots und Spielmanipulation zu gewährleisten. In welcher Form der Austausch mit anderen Glücksspielbehörde erfolgen wird, ist noch nicht ganz klar. Aber zumindest ist ein erster Schritt gemacht worden, um den internationalen Erfahrungsaustausch zu gewährleisten. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder wird bei vielen Themen darauf angewiesen sein, auf die Expertise anderer Glücksspielbehörde zurückgreifen zu können. Bisher wirkt die Regulierung des Online-Glücksspiels in Deutschland jedenfalls nicht besonders durchdacht. Das könnte aber auch daran liegen, dass die GGL noch nicht zuständig ist.

Neue Glücksspielbehörde soll von Austausch profitieren

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder steht vor einer Herkulesaufgabe. Die Regulierung des Online-Glücksspiels funktioniert ein knappes Jahr nach dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags nicht gut. Bisher gibt es erst eine Lizenz für einen Glücksspielanbieter, der virtuelle Spielautomaten zur Verfügung stellen möchte. Aktuell ist das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt zuständig für die Regulierung und Lizenzierung der Online Casinos. Allerdings scheint diese Behörde inhaltlich und personell nicht optimal aufgestellt zu sein für diese Aufgabe. Derzeit gibt es beispielsweise wohl das Problem, dass die Überprüfung der virtuellen Spielautomaten, die individuell für jedes Casino durchgeführt werden muss, nicht schnell genug funktioniert.

An diesem Beispiel lässt sich gut illustrieren, was die GGL von anderen Glücksspielbehörde lernen könnte. In den meisten europäischen Ländern, die das Online-Glücksspiel regulieren, ist es üblich, dass die Online Spielautomaten, die in den Casinos angeboten werden, einmal zertifiziert werden und anschließend von allen Glücksspielanbietern genutzt werden können. Deutschland hat sich für einen deutlich komplizierteren Weg entschieden, der wesentlich mehr Arbeitsaufwand verursacht. Vielleicht wäre es gut, an dieser Stelle die Vorgehensweise zu ändern, um die personellen Kapazitäten für wichtigere Dinge zu verwenden. Die Bekämpfung des Schwarzmarkts sollte dabei ganz oben auf der Liste stehen. Allerdings kann die GGL auch von anderen Glücksspielbehörden lernen, dass der Kampf gegen illegale Glücksspielanbieter ein Kampf gegen Windmühlen ist.

GREF ist sinnvolle Institution für Glücksspielbehörden

In einem vereinten Europa wäre es sinnvoll, wenn es nur eine einzige Glücksspielbehörde gäbe, die eine EU-weite Regulierung übernehmen würde. Angesichts der Tatsache, dass in Deutschland nicht einmal eine länderübergreifende Lösung für die Online-Tischspiele gefunden werden konnte, sind derartige Pläne aber völlig illusorisch. In jedem Fall ist es gut, dass sich im Europäischen Forum der Glücksspielregulierungsbehörden immerhin 42 Glücksspielbehörden treffen, um sich über aktuelle Themen auszutauschen. Am Ende wird aber entscheidend sein, ob die GGL und die deutsche Politik dazu bereit sind, von anderen Ländern und Glücksspielbehörde zu lernen. Angesichts der Erfahrungen der letzten Monate lässt sich feststellen: Die deutschen Behörden müssen noch viel lernen bei der Regulierung des Online-Glücksspiels.