Im Auftrag des Glücksspielanbieters Entain hat die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft BDO eine Studie durchgeführt zu Kanalisierungsraten in europäischen Ländern. Das Ergebnis ist eindeutig: Je höher die Kanalisierung ist, desto besser ist der Spielerschutz und desto attraktiver sind die Steuereinnahmen für den Staat. Das ist nicht besonders überraschend. Allerdings wird in der Studie auch thematisiert, dass ein offenes Lizenzierungssystem eine wichtige Rolle spielt auf dem Weg zu einer hohen Kanalisierungsrate. Da die Studie von der österreichischen Abteilung von Entain in Auftrag gegeben wurde, dürfte dieser Schwerpunkt bei den Forschungen kein Zufall gewesen sein.

Schulung-Studie belegt Wichtigkeit hoher Kanalisierungsraten

Entain Gaming

Was ist mit Kanalisierung gemeint? Dieser Begriff wird immer wieder verwendet, wenn es um die Regulierung des Glücksspiels geht. Kanalisierung spielt sowohl beim terrestrischen Glücksspiel als auch beim Online-Glücksspiel eine Rolle. Im Kern geht es darum, dass die aktiven Glücksspiel-Fans zum legalen Angebot geführt werden sollen. Eine hohe Kanalisierungsrate ist vorhanden, wenn viele Glücksspiel-Fans legale Angebote nutzen. Entscheiden sich hingegen viele Glücksspiel-Fans für die nicht zugelassenen Angebote, wird von einer niedrigen Kanalisierungsrate gesprochen. Die neue Studie von Entain belegt, dass die Kanalisierungsrate besonders hoch ist in Ländern, die ein offenes Lizenzierungssystem haben. Was ist mit einem offenen Lizenzierungssystem gemeint? Viele europäische Länder hatten noch vor einigen Jahren ein staatliches Glücksspielmonopol. Teilweise ist dieses staatliche Glücksspielmonopol immer noch zu finden, unter anderem in Österreich und Norwegen. Das Glücksspielmonopol führt laut Studie dazu, dass die Kanalisierung relativ klein ist, weil die Glücksspiel-Fans nach attraktiven Alternativen suchen. In Österreich liege aus diesem Grund die Kanalisierung nach aktuellen Daten zwischen 35 und 61 Prozent. Daraus folge direkt, dass ein großer Teil der Spieler keinen guten Spielerschutz genieße. Der Glücksspielanbieter, die sich nicht an die Regeln halten, werden nicht vernünftig kontrolliert. Deswegen sind die Spieler bei diesen Anbietern nicht so gut aufgehoben wie in ordentlich lizenzierten Online-Casinos.

Vernünftiger Rechtsrahmen als Basis für hohe Kanalisierung

In der neuen Studie zur Kanalisierung wird betont, wie wichtig ein guter Rechtsrahmen ist, um eine hohe Kanalisierung zu erreichen. Insbesondere wird dabei auch die Besteuerung thematisiert. In der Studie wird ein durchschnittlicher Steuersatz von 20 Prozent vom Bruttospielertrag genannt. In Deutschland wird durchweg eine höhere Steuer beim Online-Glücksspiel kassiert. Insbesondere müssen die Betreiber der Online-Casinos 5,3 Prozent von jedem Spieleinsatz an den Staat abführen. Nominal klingt das zwar nach einem niedrigeren Steuersatz. Aber unter dem Strich müssen die Online-Glücksspielanbieter in Deutschland wesentlich mehr als 20 Prozent vom Bruttospielertrag an den Staat abführen. Dass dies ein Problem ist, wird vor allem daran deutlich, dass die Glücksspielanbieter durch die Spieleinsatzsteuer dazu gezwungen sind, die Auszahlungsquoten der Slots zu reduzieren.

Die besten Kanalisierungsraten gibt es in europäischen Ländern, die ein offenes Lizenzsystem haben. An der Spitze steht laut Studie Großbritannien mit einer Kanalisierungsrate von 97 Prozent. Von diesem Wert kann die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder in Deutschland aktuell nur träumen. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass Großbritannien den Schwarzmarkt nur mäßig bekämpft. Aber in Großbritannien ist die Glücksspielregulierung so gestaltet, dass die legalen Online-Casinos attraktive Angebote zur Verfügung stellen können, die mit der Konkurrenz auf dem Schwarzmarkt mithalten können. Das ist letztlich die entscheidende Voraussetzung dafür, dass es überhaupt möglich ist, eine hohe Kanalisierungsrate zu erreichen. Restriktive Maßnahmen allein genügen nicht, um bei der Kanalisierungsrate Spitzenwerte zu gewährleisten.

Fällt in Österreich das Glücksspielmonopol?

Die aktuelle Studie von Entain liefert gute Argumente für eine Abschaffung des Glücksspielmonopols in Österreich. Es ist erstaunlich, dass es in der Europäischen Union überhaupt noch staatliche Monopole im Bereich Glücksspiel gibt. Aber Österreich ist in vielerlei Hinsicht ein Sonderfall, gerade wenn es um die Glücksspielregulierung geht. Trotz diverser Skandale, bei denen die Verquickung von Politik und Glücksspielanbietern offensichtlich wurde, hat es bislang keine Regierung geschafft, das Glücksspielmonopol in Österreich zu brechen. Aber irgendwann wird wohl auch in Österreich ein offenes Lizenzierungssystem eingeführt. Letztlich führt daran kein Weg vorbei, denn die Argumente gegen ein Glücksspielmonopol sind eindeutig. Oder glaubt irgendjemand, dass in Österreich der Spielerschutz besser wäre, weil der Staat für das Online-Glücksspiel zuständig ist?