Nach Einschätzung der Entain-Chefin Jette Nygaard-Anderson kämpft die Glücksspielindustrie zu Unrecht mit einer schlechten Reputation. Laut CEO Nygaard-Anderson sei es an der Zeit, die Glücksspielindustrie als Teil der vertrauenswürdigen Unterhaltungsindustrie zu sehen. In einem aktuellen Interview weist Jette Nygaard-Anderson zudem darauf hin, dass es ein großer Fehler wäre, die Glücksspielregulierung deutlich zu verschärfen. Eine Verschärfung würde nur dazu führen, dass noch mehr Glücksspiel-Fans den legalen Markt verließen. Es gebe zahlreiche Anbieter auf dem Schwarzmarkt, die nur darauf lauerten, von einer strengen Regulierung zu profitieren. Es sei wichtig, einen pragmatischen Ansatz beim Spielerschutz zu wählen.

Entain-CEO gegen strengere Regulierung des Glücksspiels

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In Großbritannien wird aktuell eine Verschärfung der Glücksspielregulierung diskutiert. Unter anderem sind Einzahlungslimits und Finanzchecks für Kunden in Online Casinos im Gespräch. Im Frühling soll ein Whitepaper veröffentlicht werden, in dem konkrete Vorschläge gemacht werden. Noch ist unklar, ob es tatsächlich zu einer deutlichen Verschärfung der Regulierung kommen wird. Aber die Glücksspielgegner haben sich in Position gebracht und es kann durchaus sein, dass in Großbritannien demnächst deutlich strengere Regeln gelten werden. Allerdings weiß Jette Nygaard-Anderson im aktuellen Interview darauf hin, dass es keineswegs zu einem besseren Spielerschutz kommen muss, wenn die Glücksspielregulierung verschärft wird. Das grundlegende Problem sei der Schwarzmarkt.

Eine Studie des Betting and Gaming Council hat im letzten Jahr gezeigt, dass die Anzahl der Spieler, die auf dem Schwarzmarkt unterwegs sind, deutlich gestiegen ist. Eine deutliche Verschärfung der Glücksspielregulierung könnte dazu führen, dass dieser Effekt noch einmal deutlich verschärft wird. Was machen Spieler, die um hohe Summen spielen möchten, aber keinen Finanzcheck durchlaufen können oder wollen? Diese Spieler werden wahrscheinlich nicht verzichten, sondern einen Anbieter auf dem Schwarzmarkt wählen, der weder ein Einzahlungslimit noch einen Finanzcheck hat. Auf dem Papier sieht es dann vielleicht so aus, als wäre der Spielerschutz deutlich verbessert worden, weil der Spieler nicht mehr von den offiziellen Statistiken erfasst wird. Aber in Wahrheit ist der Spielerschutz deutlich schlechter geworden.

Schlechte Reputation der Glücksspielindustrie unfair?

Die Glücksspielindustrie hat seit vielen Jahren Probleme mit der öffentlichen Anerkennung. In Großbritannien ist die Situation aber wahrscheinlich ein Stück weit besser als in Deutschland. Besonders deutlich wird das an den Sportwetten, die seit vielen Jahrzehnten akzeptiert werden. In Deutschland hat das Glücksspiel hingegen einen seltsamen Ruf. Es gibt zwar einen riesigen Markt, staatlich betriebene Spielbanken, unzählige Spielhallen und seriöse Online Casinos, die demnächst deutsche Lizenzen haben werden. Aber trotzdem scheint es kaum einen Politiker zu geben, der sich positiv über die Glücksspielindustrie äußert. Dabei ist die Glücksspielbranche ein wichtiger Arbeitgeber. Zudem zahlt die Glücksspielindustrie Steuern in erheblichem Umfang. Schon aus diesen beiden Gründen wäre es durchaus angemessen, diese Branche positiver zu betrachten.

Die Nachfrage nach Glücksspiel ist gewaltig. Das wird immer deutlich, wenn der Staat versucht, das Glücksspiel durch strenge Regeln zu begrenzen. Sobald dieser Versuch unternommen wird, wächst der Schwarzmarkt. Besonders eindrücklich lässt sich dies beim Online-Glücksspiel feststellen, sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland. Aber auch beim terrestrischen Glücksspiel, also in Spielhallen und Spielbanken, ist offensichtlich, dass es große Anreize gibt, auf dem Schwarzmarkt attraktive Spiele zur Verfügung zu stellen. Unter erfahrenen Glücksspielexperten gilt es als gesicherte Erkenntnis, dass nur legales Glücksspiel in einem vernünftigen Umfang dafür sorgen kann, dass der Schwarzmarkt klein gehalten wird. Wenn der Staat den legalen Markt zu sehr einschränkt, hilft das am Ende niemandem. Insbesondere werden die Problemspieler, die besonderen Schutz brauchen, in Richtung Schwarzmarkt vertrieben.

Große Nachfrage nach Glücksspiel muss anerkannt werden

Angesichts der riesigen Umsätze, die mit Glücksspielen und Sportwetten in Großbritannien, aber auch in Deutschland erzielt werden, ist es einigermaßen seltsam, dass es wenige öffentliche Befürworter der Glücksspielbranche gibt. Die liberalen Parteien in Großbritannien und Deutschland sind diesbezüglich die Ausnahme von der Regel. Ansonsten sind die meisten Politiker kaum dazu zu bewegen, positive Statements zur Glücksspielbranche abzugeben. Warum ist das so? Lange Zeit ist das Image des vermeintlich problematischen Glücksspiels gepflegt worden. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, Geld für einfache Unterhaltung auszugeben. Aber beim Glücksspiel scheint alles dann doch ein bisschen anders zu sein. Bis zu einer breiten Akzeptanz des Glücksspiels ist es noch ein weiter Weg. Das gilt für Großbritannien genauso wie für Deutschland.