Der amerikanische Glücksspielanbieter DraftKings will den britischen Glücksspielkonzern Entain kaufen. Nach einem aktuellen Bericht von CNBC strebe DraftKings einen Kaufpreis von ungefähr 20 Milliarden US-Dollar an. Das entspräche einem Betrag von 17,08 Milliarden Euro. Nachdem in den letzten beiden Jahren bereits einige große Fusionen und Übernahmen stattgefunden haben, wäre dieser Deal dann doch noch einmal eine ganz neue Größenordnung. Für DraftKings geht es im Moment vor allem darum, auf dem US-Markt eine möglichst starke Position zu erreichen. Aber mit dem Kauf von Entain könnte DraftKings auch in Europa auf einen Schlag zu einem der größten Glücksspielanbieter werden.

Erstes Übernahmeangebot von Entain abgelehnt

Entain Gaming

Mittlerweile ist durchgesickert, dass es schon ein Angebot gegeben hat für Entain. Doch Entain habe dieses Angebot abgelehnt. Angestrebt werde von Entain ein Preis von 22 Milliarden US-Dollar. Das wäre etwas mehr als der aktuelle Aktienkurs hergeben würde, aber vermutlich immer noch in einem vernünftigen Rahmen. Entain ist ein sehr gut aufgestellter Glücksspielkonzern, der in Europa und vielen anderen Märkten seit Jahren erfolgreich arbeitet. Von Spielautomaten bis hin zu Sportwetten deckt DraftKings das gesamte Glücksspielprogramm im Internet mit vielen verschiedenen Marken ab. In den USA ist DraftKings durch eine Zusammenarbeit mit MGM bereits gut positioniert. Genau an dieser Stelle könnte ein Problem entstehen, denn Entain und MGM betreiben gemeinsam BetMGM, einen der führenden Anbieter von Online-Sportwetten in den USA. Nach Auskunft von MGM könne der Deal nur dann stattfinden, wenn MGM zustimme. Am Ende dürften auch strategische Erwägungen deswegen eine Rolle spielen. Der Kaufpreis ist nicht der allein entscheidende Faktor. An der Dimension des angestrebten Deals wird allerdings deutlich, wie viel Geld mittlerweile in der Glücksspielbranche umgesetzt wird. Es gibt nicht viele andere Branchen, in denen Übernahmen im zweistelligen Milliardenbereich möglich sind.

Die Aktionäre von Entain sehen die aktuellen Diskussionen sehr positiv. Der Aktienkurs von Entain ist in den letzten Tagen in die Höhe geschossen. Aber wenn die Fusion scheitern sollte, könnte der Aktienkurs auch schnell wieder nach unten gehen. Warum strebt DraftKings einen Kauf von Entain an? In vielen anderen Branchen zählt auch in der Glücksspielbranche ab einem gewissen Punkt vor allem die Größe eines Anbieters. DraftKings will eine Marktmacht erreichen, die es ermöglicht, die Spielregeln in weiten Teilen zu bestimmen. Auch in den USA gibt es Kartellbehörden, die sich den Deal zwischen DraftKings und Entain vor der Abwicklung ganz genau anschauen werden. Aber da es auch noch diverse andere große Konzerne auf dem amerikanischen Glücksspielmarkt gibt, dürfte einer Fusion von DraftKings und Entain am Ende wohl wenig im Weg stehen. Schlimmstenfalls würden die zuständigen Behörden wohl verlangen, dass einzelne Teile von Entain nach der Übernahme vom Konzern getrennt würden. Aber dass es einen grundsätzlichen Einspruch gegen die Fusion geben könnte, ist zum aktuellen Zeitpunkt kaum vorstellbar. Inwiefern sich eine Fusion auf das Geschäft von Entain in Europa auswirken würde, lässt sich überhaupt nicht abschätzen. Klar ist nur, DraftKings in Europa bislang nicht aufgefallen ist als Glücksspielanbieter. Genau das dürfte einer der Gründe sein, warum DraftKings unbedingt Entain übernehmen möchte.

Goldgräberstimmung in amerikanischer Glücksspielbranche

Seit der Öffnung des amerikanischen Glücksspielmarktes für Online-Anbieter gibt es fast täglich Nachrichten über neue Unternehmensgründungen, Kooperationen, Fusionen und Übernahmen. Der Markt wächst in einem erstaunlichen Tempo. Die Gesundheitskrise treibt dieses Wachstum sogar noch an, denn das Online-Glücksspiel wird mittlerweile von vielen Glücksspielanbietern in den USA als wichtige Alternative zum Offline-Glücksspiel angesehen. Selbst die großen Glücksspielkonzerne in Las Vegas investieren riesige Summen, um beim Online-Glücksspiel mitmischen zu können. Weltweit hat sich gezeigt, dass die Glücksspielbranche in den Ländern, die Online-Glücksspiel zulassen, besser durch die Krise gekommen ist als in den Ländern, die das Online-Glücksspiel verbieten. Mit einer Gesundheitskrise, wie sie seit anderthalb Jahren die Welt in Atem hält, hat kaum jemand gerechnet. Auch in der Glücksspielbranche hatte wohl niemand ernsthaft über ein Szenario nachgedacht, in der plötzlich alle Spielhallen und Spielbanken geschlossen sein könnten.

In den USA hat sich in der Krise gezeigt, dass die Glücksspielbranche in den Bundesstaaten, die das Online-Glücksspiel bereits zugelassen hatten, trotz geschlossener Spielhallen, Spielbanken und Wettbüros noch ordentliche Umsätze erzielen konnten. Auch wenn die Krise irgendwann endet, hat man in der amerikanischen Glücksspielbranche durch die Ausnahmesituation zumindest verstanden, wie riesig das Potenzial der Online-Glücksspiele und Online-Sportwetten ist. Sogar Online-Poker spielt in den USA wieder eine zunehmend wichtige Rolle. Die aktuellen Verhandlungen zwischen DraftKings und Entain illustrieren sehr schön, um wie viel Geld es am Ende geht. Der US-Glücksspielmarkt ist noch in der Frühphase und trotzdem geht es bereits um riesige Summen. Es spricht vieles dafür, dass die US-Glücksspielbranche mittelfristig mindestens so groß wird wie die gesamte europäische Glücksspielbranche. Es gibt nicht wenige Experten, die davon überzeugt sind, dass der US-Markt sogar deutlich größer wird als der europäische Markt. Vor allem im Sportwetten-Bereich deutet einiges darauf hin, dass gigantische Umsätze möglich sind. Vielen Amerikaner lieben Sport und scheinen nur darauf gewartet haben, dass Online-Sportwetten möglich sind. Vielleicht ist ein Kaufpreis von 22 Milliarden US-Dollar für Entain am Schluss sogar ein Schnäppchen.