Der amerikanische Glücksspielanbieter DraftKings wächst nicht so schnell wie geplant. Das langsamere Wachstum enttäuscht die Analysten und sorgt für deutliche Einbußen beim Aktienkurs. Erst seit 2020 ist DraftKings börsennotiert. Seitdem hat das Wertpapier den Anlegern nicht besonders viel Freude gemacht. Vom Höchstkurs ist DraftKings mittlerweile meilenweit entfernt. Die Aktie befindet sich, zuletzt auch aufgrund des insgesamt schwierigen Aktienmarkts, in einer Abwärtsbewegung. Allerdings sind die Aussichten von DraftKings langfristig nach wie vor gut, vor allem weil es noch erhebliche Wachstumschancen auf dem amerikanischen Glücksspielmarkt gibt. Zuletzt hatte DraftKings Schlagzeilen gemacht mit dem Verzicht einer Übernahme von Entain.

DraftKings verdient deutlich weniger als geplant

DraftKings Fantasy Sport

Als DraftKings die Zahlen für das vierte Quartal 2021 und das Gesamtjahr 2021 veröffentlichte, war es ein großer Schock für die Investoren und die Analysten, dass die Bilanz deutlich schlechter ausgefallen war als angekündigt. Der Umsatz ist zwar gestiegen, aber der operative Verlust lag deutlich höher als prognostiziert. Der Hauptgrund dafür waren gestiegene Investitionskosten im vierten Quartal. Für das Jahr 2022 prognostiziert DraftKings einen Verlust (EBITDA) zwischen 825 und 925 Millionen Dollar. Angesichts eines Umsatzes von 473 Millionen Dollar im vierten Quartal 2021 ist das eine echte Hausnummer. Bei der ersten Prognose für das Jahr 2022 lag der Wert noch bei 572,7 Millionen Dollar. Das ist ein erheblicher Unterschied, der den Analysten und den Investoren Kopfzerbrechen bereiten dürfte.

Der Einstieg in neue US-Märkte ist für DraftKings deutlich teurer geworden. Im Jahr 2020 lagen die Investitionskosten noch bei 495,1 Millionen Dollar. Im Jahr 2021 musste DraftKings bereits 981,5 Millionen Dollar ausgeben. Auch die Ausgaben im operativen Geschäft sind gestiegen. Im dritten Quartal 2021 gab DraftKings für das operative Geschäft nur 526 Millionen Dollar aus. Im vierten Quartal lag der Wert bereits bei 601 Millionen Dollar. Allerdings gibt es auch positive Nachrichten, denn DraftKings war dazu in der Lage, die Anzahl der aktiven Kunden um 32 Prozent auf 2 Millionen zu erhöhen. Das ist für die langfristige Prognose wahrscheinlich die wichtigste Zahl. Im Moment ist DraftKings unter Druck. Aber es ist nicht ungewöhnlich, dass Unternehmen in der anfänglichen Wachstumsphase hohe Kosten haben.

DraftKings will US-Glücksspielmarkt dominieren

Die aktuellen Entwicklungen bei DraftKings stellen weder Analysten noch Investoren zufrieden. Aber langfristig könnte sich die Strategie von DraftKings als goldrichtig herausstellen. In erster Linie geht es in der aktuellen Phase auf dem amerikanischen Glücksspielmarkt darum, einen möglichst großen Marktanteil zu erzielen. In dieser Phase ist es für ein Unternehmen wie DraftKings nicht entscheidend, möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Die Idee ist ganz einfach: Mit einem riesigen Marktanteil wird es in Zukunft möglich sein, hervorragende Bilanzen zu produzieren. Allerdings zeigt sich an den aktuellen Prognosen, dass der Weg zu diesem großen Ziel vielleicht ein wenig holpriger sein wird als geplant. Aber das große Wachstum bei der Kundenbasis zeigt, dass DraftKings einiges richtig macht.

Der US-Glücksspielmarkt im Internet ist noch sehr jung. Die USA erlauben erst seit wenigen Jahren Online Casinos und Online-Buchmacher. Allerdings muss jeder Bundesstaat individuell die Online-Glücksspiele erlauben über entsprechende Gesetze. Deswegen muss ein Glücksspielanbieter wie DraftKings immer wieder neue Investitionen tätigen, um neue Märkte in den USA zu bedienen. Langfristig sollte sich das auszahlen, denn die Nachfrage nach Online-Glücksspielen und Online-Sportwetten ist riesig. Das zeigen die Bilanzen der Online-Glücksspielanbieter in den letzten Jahren eindrücklich. Aber schnelles Wachstum führt nicht automatisch zu schnellen Gewinnen, insbesondere wenn erhebliche Investitionen nötig sind für den Marktzugang.

Einfachere Situation für Online-Glücksspielanbieter in Deutschland

In Deutschland ist ähnlich wie in den USA das Online-Glücksspiel noch nicht lange erlaubt. Aber anders als in den USA gab es in Deutschland lange Zeit einen grauen Markt. Der entscheidende Fortschritt in Deutschland ist, dass eine nationale Regulierung eingeführt worden ist. Aber die Glücksspielanbieter müssen keine umfassenden Investitionen tätigen, um das Geschäft aufzubauen. Die Geschäfte existieren und müssen nur an die neuen Regeln angepasst werden. In den USA ist es hingegen so, dass aufstrebende Unternehmen wie DraftKings das Online-Glücksspiel und die Online-Sportwetten komplett neu aufbauen müssen. Vielleicht ist der aktuelle Rückschlag für DraftKings auch nur das Signal für mutige Investoren, vom derzeit doch erstaunlich niedrigen Aktienkurs zu profitieren.