DraftKings kauft Entain nicht. Die Entscheidung kommt überraschend, denn einige Wochen lang sah so aus, als ob es einen Mega-Deal in der Glücksspielbranche geben würde. Der US-Glücksspielanbieter hatte sich in Gespräche mit Entain begeben, um eine Übernahme vorzubereiten. Im Raum stand ein Kaufpreis von 22 Milliarden Dollar. Das ist eine kaum vorstellbare Summe, die aber angesichts der Möglichkeiten, die Entain DraftKings geboten hätte, nach Einschätzung vieler Analysten gerechtfertigt gewesen wäre. Mit Entain hätte DraftKings auf einen Schlag das internationale Geschäft auf ein ganz neues Niveau gehoben. Doch DraftKings hat sich entschieden, auf den Kauf zu verzichten und den Fokus auf das US-Geschäft zulegen.

DraftKings übernimmt Entain doch nicht

Entain Gaming

Der US-Glücksspielanbieter DraftKings ist auf einem steilen Wachstumskurs in den USA. Doch international ist DraftKings nur mäßig aufgestellt. Mit dem Kauf von Entain hätte sich das erheblich ändern können. Vor allem in Europa hätte DraftKings plötzlich ein riesiges Portfolio gehabt. In Großbritannien, aber auch in Deutschland und vielen anderen Ländern ist Entain hervorragend aufgestellt. Auch in den USA ist Entain bereits etabliert. Hinsichtlich des Verbreitungsgrads hätte der Deal für DraftKings in jedem Fall viel gebracht. Aber mittlerweile ist zu hören, dass der Preis für Entain am Ende wohl zu hoch gewesen wäre. Das letzte Angebot hat einen Umfang von über 22 Milliarden Dollar. Doch selbst mit diesem Angebot war Entain nicht zufrieden, sodass eine noch höhere Summe hätte aufgerufen werden müssen. Auch wenn die offizielle Erklärung ein bisschen anders ist, dürfte es letztlich auch eine Frage des Preises gewesen sein, dass DraftKings sich nicht für den Kauf von Entain entschieden hat.

Kann ein europäischer Glücksspielanbieter wirklich 22 Milliarden Dollar wert sein? Die Glücksspielbranche ist eine sehr erfolgreiche Branche, insbesondere im Online-Geschäft. Die Wachstumsraten sind bei Entain seit langer Zeit im zweistelligen Bereich. Das ist eine bemerkenswerte Leistung, die letztlich auch rechtfertigt, dass ein hoher Kaufpreis aufgerufen werden kann. Aber nicht jeder Kaufpreis ist zu rechtfertigen, denn am Ende muss sich eine Investition für DraftKings auch lohnen. Zudem hat man sich bei DraftKings wohl irgendwann dann die Frage gestellt, ob es nicht sinnvoller sein könnte, das verfügbare Kapital auf dem US-Markt einzusetzen. Einige Analysten hatten bereits während der Verhandlungen angemerkt, dass DraftKings Gefahr laufen könnte, sich durch den Kauf von DraftKings am Ende vielleicht auch ein Stück weit verzetteln könnte durch die vielen unterschiedlichen Märkte, die plötzlich im Portfolio wären.

Entain auch ohne DraftKings gut aufgestellt

Ein grundsätzliches Problem beim Kauf von Entain war für DraftKings, dass Entain einen Deal mit MGM Resorts hat, der das Joint Venture BetMGM umfasst. Für DraftKings schien das kein Problem zu sein, aber unter Umständen hätte es doch Schwierigkeiten gegeben, wenn der Verkauf abgewickelt worden wäre. Aber dieses Problem hat sich nun in Luft aufgelöst. Für Entain ist es kein Drama, dass der Verkauf an DraftKings gescheitert ist. Der Glücksspielkonzern ist sehr gut aufgestellt in den USA und in Europa. Vor allem das Geschäft mit den Online-Casinos und den Online-Spielautomaten läuft hervorragend. Es ist nicht ausgeschlossen, dass DraftKings irgendwann noch einmal versuchen wird, Entain zu kaufen. Aber allzu viele andere potenzielle Käufer dürfte es angesichts der gewaltigen Kaufsumme nicht geben. Wenn 22 Milliarden Dollar nicht genug sind für Entain, wird es nicht mehr viele andere Glücksspielanbieter geben, die für eine Übernahme infrage kommen.

Ob die gescheiterte Übernahme ein Problem ist für Entain, muss sich in einigen Jahren zeigen. Das US-Geschäft ist für sich genommen bereits sehr lukrativ. Aber mit dem Kauf von Entain wäre DraftKings auf einen Schlag zu einer der größten Glücksspielanbieter der Welt geworden. Immerhin ist an der gescheiterten Übernahme von Entain deutlich geworden, dass DraftKings Ambitionen über den US-Markt hinaus hat. In Europa ist DraftKings weitgehend unbekannt. Nur Glücksspiel-Fans, die sich auch für den US-Markt interessieren, kennen überhaupt die Marke. Aber in den USA ist DraftKings eine große Nummer. Viele Experten gehen davon aus, dass DraftKings auf lange Sicht der größte Glücksspielanbieter den USA sein wird. Der US-Markt ist mindestens so groß wie das gesamte europäische Geschäft, vielleicht sogar langfristig noch deutlich größer. Insofern gibt es auch ohne Übernahme von Entain viel zu verdienen für DraftKings. Die einzige Überraschung bei der gescheiterten Übernahme ist vielleicht, dass es im Nachhinein ein wenig so wirkt, als sei die Übernahme von DraftKings schlecht vorbereitet gewesen.