Wie gut funktioniert die Kanalisierung beim Online-Glücksspiel in Deutschland? Robert Lenzhofer, der CEO des deutschen Spieleherstellers Hölle Games, vermutet, dass die Kanalsierung in Deutschland aktuell sehr niedrig ist. Lenzhofer hat sich die Umsätze auf dem neuen regulierten Glücksspielmarkt in Deutschland im zweiten Halbjahr 2021 angeschaut und verglichen mit den Zahlen aus dem Vorjahr. Das Ergebnis ist, dass in diesem Zeitraum die Kanalisierung auf dem deutschen Online-Glücksspielmarkt unter 50 Prozent gelegen haben könnte. Es ist durchaus denkbar, dass der Wert noch deutlich niedriger ist als in der Rechnung von Robert Lenzhofer. Die spannende Frage ist nun: Wie kann die Kanalisierung verbessert werden?

Schlechte Kanalisierung in Deutschland beim Online-Glücksspiel?

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Robert Lenzhofer hat einen spannenden Artikel veröffentlicht, in dem detailliert dargelegt wird, warum die Kanalisierung des Online-Glücksspiels in Deutschland nach dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags am 1. Juli 2021 bis zum Jahresende wahrscheinlich unter 50 Prozent lag. Was hat Robert Lenzhofer gemacht? Zunächst hat sich der CEO von Hölle Games die Einnahmen, die mit der neuen Glücksspielsteuer für virtuelle Spielautomaten erzielt wurden, angeschaut. Im dritten Quartal 2021 lang die Steuereinnahmen bei 32 Millionen Euro. Im vierten Quartal 2021 wurden immerhin schon 156 Millionen Euro eingenommen. Im nächsten Schritt hat Lenzhofer den geschätzten Jahresumsatz errechnet, wenn man nur das dritte und das vierte Quartal 2022 als Basis nähme. Dieser Jahresumsatz läge bei 752 Millionen Euro.

An dieser Stelle gibt es einen kleinen Kritikpunkt, denn es ist wahrscheinlich, dass im dritten Quartal vieles noch nicht optimal funktionierte, zumal die neue Glücksspielsteuer sehr kurzfristig eingeführt worden ist. Deswegen wäre es wohl sinnvoller, das vierte Quartal als Maßstab zu nehmen. Dann würde sich ein Jahresumsatz von 1,248 Milliarden Euro ergeben. Aber nehmen wir zunächst einmal die Zahl von Robert Lenzhofer. Bei einem Jahresumsatz von 752 Millionen Euro läge die Kanalisierung bei ungefähr 50 Prozent. Zwei wichtige Annahmen macht Lenzhofer dabei. Zum einen geht er davon aus, dass der Umsatz mit Online-Slots in Deutschland nach der Einführung des neuen Glücksspielstaatsvertrags bei ungefähr 1,5 Milliarden Euro lag. Angesichts eines Online-Glücksspielmarkts von 2 Milliarden Euro im Jahr 2019 ist das wohl eine vertretbare Annahme. Rechnet man nun allerdings mit dem von uns geschätzten Jahresumsatz, läge die Kanalisierung bei 83 Prozent. Wer hat Recht?

Schwierige Datenlage macht Berechnung der Kanalisierung schwer

Es gibt keine aktuellen Zahlen zur Größe des Online-Glücksspielmarkts in Deutschland im ersten Halbjahr 2021. Deswegen ist es schwer einzuschätzen, wie die Kanalisierung tatsächlich ist. Auch vorher war man auf Schätzungen angewiesen, denn es ist schwer bis unmöglich, von den Glücksspielanbietern, die nicht zugelassen sind, zu erfahren, welche Umsätze in Deutschland erwirtschaftet werden. Aber seit vielen Jahren wächst der Online-Glücksspielmarkt. Darüber sind sich alle Experten einig. Robert Lenzhofer nimmt in seinen Berechnungen allerdings an, dass nur 80 Prozent des Marktes erhalten geblieben sind. Da es viele Glücksspielanbieter gibt, die sich nach dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags vom deutschen Markt zurückgezogen haben, ist das wohl eine sinnvolle Annahme. Gleichzeitig könnte es aber sein, dass der Markt im Jahr 2021 insgesamt deutlich größer war als 2020. Eine Wachstumsrate von 15 Prozent, so wie sie Robert Lenzhofer zur Diskussion stellt, könnte auch leicht übertroffen worden sein.

Demnächst wird die neue Glücksspielbehörde gefragt sein, wenn es darum geht, die Kanalisierung korrekt einzuschätzen. Ein Problem könnte allerdings sein, dass die Glücksspielbehörde grundsätzlich ein großes Interesse daran hat, eine hohe Kanalisierung zu kommunizieren. Da die Berechnung der Kanalisierung mit einigen Annahmen einhergeht, die schwer zu belegen sind, ist an dieser Stelle zumindest eine gesunde Skepsis geboten. Bei einer Wachstumsrate des Marktes von 15 Prozent und einer Marktgröße von etwa 750 Millionen Euro läge die Kanalisierung heute bei etwa 35 Prozent. Das wäre ein dramatisch schlechter Wert.

Sicher ist: Kanalisierung längst nicht optimal

Über die Berechnungen von Robert Lenzhofer lässt sich trefflich diskutieren, da einige Schätzungen nötig sind. Aber schaut man sich die Umsätze großer Glücksspielanbieter in Deutschland an, wird deutlich, dass die Zahlen auf deutlich nach unten gegangen sind. Es wäre fast schon abenteuerlich zu glauben, dass viele Glücksspiel-Fans plötzlich aufgehört hätten zu spielen. Viel wahrscheinlicher ist, dass es zahlreiche Spieler gibt, die sich vom legalen Markt verabschiedet haben, unter anderem weil die Glücksspielsteuer dazu geführt hat, dass die legalen Online-Slots niedrigere Auszahlungsquoten als die illegalen haben.