Pontus Lindwall, der CEO von Betsson, hat seinen Abschied vom Unternehmen angekündigt. Der Gründer und langjährige Vorstandsvorsitzende gab als Begründung an, dass er alle seine Ziele erreicht habe und nun den Weg freimachen wolle für einen Nachfolger mit neuen Zielen. Pontus Lindwall war von 1998 bis 2011 CEO von Betsson. Nach einer längeren Pause übernahm Pontus Lindwall im Jahr 2017 für eine zweite Amtsperiode die Chefrolle beim schwedischen Glücksspielanbieter. Das Timing für den angekündigten Rückzug ist gut, denn im letzten Quartal hat Betsson die Analysten mit einem Rekordergebnis begeistert. Eines der großen Ziele von Pontus Lindwall war es, Betsson aus einer schwierigen Phase wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass dies gelungen ist.

Pontus Lindwall bald nicht mehr CEO von Betsson

Pontus Lindwall Betsson

Für Patrick Svensk, den Chairman von Betsson, ist die aktuelle Ankündigung von Pontus Lindwall vor allem ein Anlass, dem Top-Manager für seine Arbeit zu danken. Svensk betonte in einer Stellungnahme zum angekündigten Rückzug, dass Pontus Lindwall wesentlich dazu beigetragen habe, dass Betsson wieder auf Erfolgskurs sei. Ein wichtiges Projekt sei dabei die Expansion nach Lateinamerika gewesen. Aus Sicht von Patrick Svensk ist Betsson in einer hervorragenden Situation und gut vorbereitet für die Herausforderung der nächsten Jahre. Das Unternehmen wachse wieder in einem ordentlichen Tempo und sei in zahlreichen Märkten gut aufgestellt. Pontus Lindwall tritt nicht sofort zurück, sondern erst dann, wenn ein passender Nachfolger gefunden ist. Die Suche hat bereits begonnen. Es kann Wochen oder Monate dauern, bis Pontus Lindwall seinen Posten aufgibt. An diesem kleinen Detail wird deutlich, dass Pontus Lindwall sich in jeder Hinsicht verantwortungsbewusst behält. Es hat auch schon Top-Manager in der Glücksspielbranche gegeben, die aufgrund eines besseren Angebotes plötzlich von ihrer Rolle als CEO zurücktraten. Doch das würde nicht zu Pontus Lindwall passen, der nicht nur als CEO, sondern auch als Gründer eine enge Beziehung zum Unternehmen Betsson hat.

Der schwedische Glücksspielanbieter Betsson ist vielen deutschen Glücksspiel-Fans vor allem als Wettanbieter bekannt. Aber zum Unternehmen gehören auch diverse Online-Spielbanken. In Europa ist Betsson im Moment mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Auf dem heimischen Markt in Schweden gibt es eine strenge Glücksspielregulierung und einen ständigen Kampf zwischen der Regierung und den Glücksspielanbietern um das richtige Maß. In Deutschland ist gerade erst eine neue Glücksspielregulierung für Online-Glücksspiele eingeführt worden. Auch Betsson möchte in Zukunft auf dem deutschen Glücksspielmarkt erfolgreich sein. Allerdings muss sich noch zeigen, ob das unter den aktuellen Rahmenbedingungen in allen Kategorien möglich ist. Die Sportwettenanbieter sind in Deutschland schon lange etabliert. Spannend wird es, wenn es um die Online-Glücksspiele geht, da zum ersten Mal überhaupt Online-Spielhallen in Deutschland reguliert werden. Die in Deutschland neu geplante Glücksspielbehörde wird erst im Jahr 2023 die Regulierung übernehmen. Viele Experten sehen es skeptisch, dass bis dahin übergangsweise die Glücksspielaufsichtsbehörde in Sachsen-Anhalt die Regulierung übernimmt. Doch die neuen Herausforderungen, die durch die Glücksspielregulierung in Deutschland entstehen, teilt Betsson mit allen anderen Glücksspielanbietern, die eine deutsche Lizenz für Online-Glücksspiele haben möchten.

Expansion wichtig für Glücksspielanbieter wie Betsson

In Zeiten des Online-Glücksspiels ist es für einen Glücksspielanbieter wie Betsson essentiell, nicht nur einen einzigen Glücksspielmarkt zu bedienen. Alle größeren Glücksspielanbieter in Europa bedienen mehrere Märkte. Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien, Dänemark, Portugal und die Niederlande sind beispielsweise sehr interessante Glücksspielmärkte. Größere Glücksspielanbieter wie Betsson sind über Europa hinaus aktiv. Es ist bemerkenswert, dass Betsson gerade in Lateinamerika besonders gute Zahlen liefern konnte für die aktuellen Quartalsbilanzen. Aber vielleicht ist das auch keine Überraschung, denn einige Länder in Lateinamerika haben noch ein erhebliches Wachstumspotenzial. Auch in Europa kann das Online-Glücksspiel noch deutlich wachsen. Aber die spektakulären Wachstumsraten des letzten Jahrzehnts lassen sich wohl nicht unbegrenzt wiederholen. Deswegen ist es für Unternehmen wie Betsson wichtig, andere Märkte zu finden, die noch nicht so gut ausgebaut sind wie der europäische Glücksspielmarkt. Europa ist insgesamt aktuell der größte Markt für Online-Glücksspiel. Doch das könnte sich schnell ändern, denn der Glücksspielmarkt in den USA wächst in rasantem Tempo.

Es gibt einige europäische Glücksspielanbieter, die auf dem jungen Online-Glücksspielmarkt in den USA aktiv sind. Warum sind die USA so spannend für die Glücksspielbranche? Aus rechtlichen Gründen hat es in den USA lange Zeit weder Online-Spielbanken noch Online-Buchmacher gegeben. Doch die rechtlichen Hürden sind beseitigt worden und deswegen gibt es in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum. Die amerikanischen Glücksspiel- und Sportwetten-Fans haben einen riesigen Nachholbedarf. Deswegen werden im Moment Milliarden bewegt, um attraktive Angebote zu schaffen. Im Moment ist eine sehr spannende Phase auf dem amerikanischen Glücksspielmarkt, denn es geht darum, die künftigen Marktanteile zu verteilen. Die großen Glücksspielkonzerne sind dazu bereit, riesige Investitionen zu machen, um ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu bekommen. Für einen Glücksspielanbieter wie Betsson ist der US-Markt auch interessant, aber es gibt auch noch andere Märkte, auf denen Wachstum möglich ist. In Zukunft wird Betsson aber ohne Pontus Lindwall wachsen müssen. Mit dem Rückzug von Pontus Lindwall geht eine Ära zu Ende, nicht nur für Betsson, sondern für die gesamte europäische Glücksspielbranche.