Die Automatenwirtschaft in Baden-Württemberg hat sich, vertreten vom Automaten-Verband Baden-Württemberg (AVBW) und dem Dachverband Die Deutsche Automatenwirtschaft (DAW), bei einem parlamentarischen Frühstück in Stuttgart mit der Politik auseinandergesetzt. Die vielen Landespolitiker, die zu dem Event erschienen, hörten sich geduldig die Argumente der Verbandsvertreter an. Dirk Fischer vom AVBW und Georg Stecker vom DAW plädierten für faire Gesetze in Baden-Württemberg. Aktuell hat die Automatenbranche große Probleme in Baden-Württemberg, da zahlreiche Spielhallen geschlossen wurden oder in Zukunft geschlossen werden sollen. Die Vertreter der Automatenwirtschaft plädieren dafür, auf Qualität und nicht auf Quantität zu schauen.

Automatenwirtschaft in Baden-Württemberg hofft auf Politik

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Man stelle sich einmal vor, die Landesregierung in Württemberg würde beschließen, dass die Anzahl der Kioske deutlich reduziert werden müsste. Als Begründung wurde angegeben, dass in einem Kiosk problematische Produkte verkauft werden, die der Volksgesundheit schaden. Der Aufschrei wäre gigantisch, denn kein Bürger würde sich vorschreiben lassen wollen, welche legalen Produkte erworben werden dürfen. Darüber hinaus gäbe es auch in diversen großen Verbänden einen Aufruhr, denn zahlreiche Selbstständige müssten die Geschäftsaufgabe befürchten. Genau das passiert seit Monaten in der baden-württembergischen Automatenbranche, nur dass außerhalb der Branche kaum jemand Notiz von den Vorgängen nimmt.

Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat beschlossen, die Anzahl der Spielhallen erheblich zu reduzieren. Durch den Mindestabstand von 500 Metern, der durch den Glücksspielstaatsvertrag vorgegeben wird, ist es möglich, zahlreiche Spielhallen, die teilweise schon seit Jahrzehnten existieren, zu schließen. Notwendig wäre das nicht, denn Baden-Württemberg hätte die Möglichkeit, über das Landesglücksspielgesetz eine individuelle Regulierung zu schaffen. Der Mindestabstand könnte reduziert werden oder aber eine großzügige Übergangsregelung könnte geschaffen werden. Doch die Landesregierung hat sich für keine dieser Möglichkeiten entschieden und stattdessen damit begonnen, Spielhallen zu schließen.

Spielerschutz besser durch weniger Spielhallen?

Die Automatenwirtschaft in Baden-Württemberg bezweifelt, dass durch die Schließung von Spielhallen der Spielerschutz verbessert wird. Auch viele Fachleute sehen dieses Argument, das von der Landesregierung vorgebracht wird, kritisch. Zumindest gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Studien für Baden-Württemberg, in denen dieser Zusammenhang nachgewiesen wird. Für DAW und den AVBW bestünde die beste Lösung darin, anspruchsvolle Konzessionsverfahren zu entwickeln. Auf diese Weise wäre es möglich, einen hohen Qualitätsstandard in den Spielhallen zu gewährleisten. Die Schließung von Spielhallen würde nur dazu führen, dass der illegale Glücksspielmarkt wachse. Das ist ein grundlegendes Problem, mit dem sich Glücksspielgegner viel zu selten auseinandersetzen. Dabei ist es offensichtlich, dass die Gefahren des illegalen Glücksspiels in der Praxis deutlich größer sind als die Gefahren des legalen Glücksspiels.

Das Grundproblem ist, nicht nur in Baden-Württemberg, dass die Nachfrage nach Glücksspielen immens ist. Nicht zuletzt in der Gesundheitskrise hat sich gezeigt, dass ein fehlendes legales Angebot sehr schnell durch illegale Angebote kompensiert wird. Während der Gesundheitskrise wurden zahlreiche Glücksspielanbieter in Hinterhöfen entdeckt. Allerdings ist davon auszugehen, dass nur ein Bruchteil des vorhandenen illegalen Angebots überhaupt auffliegt. Legale Spielautomaten werden streng kontrolliert und bieten einen integrierten Spielerschutz. Bei den illegalen Spielautomaten ist nicht einmal sicher, ob die Spiele überhaupt fair ablaufen. In den meisten Fällen ist das vermutlich nicht der Fall. Die Forderung nach fairen Gesetzen und Regeln für die Automatenbranche in Baden-Württemberg ist nachvollziehbar, nicht nur aus Sicht der betroffenen Unternehmer.

Ersetzen Online-Casinos die geschlossenen Spielhallen?

Es wäre wohl zu einfach anzunehmen, dass die legalen Online-Casinos, die es in Deutschland gibt, die Kundschaft der geschlossenen Spielhallen übernehmen. In manchen Fällen werden die Kunden zur nächsten Spielhalle ziehen, insbesondere wenn die Entfernung nicht riesig ist. Aber es ist bemerkenswert, dass Online-Casinos in Deutschland zugelassen sind, während Spielhallen geschlossen werden aufgrund von Abstandsregeln. Im Netz gibt es keine Abstandsregeln. Die Spieler können rund um die Uhr in Online-Casinos spielen. Unabhängig davon, wie man zum terrestrischen Glücksspiel und zum Online-Glücksspiel steht, fällt auch auf, dass der Gesetzgeber in Deutschland keine ganzheitliche Lösung für die Glücksspielregulierung gefunden hat. Besonders auffällig ist dies in Bundesländern wie Baden-Württemberg, die das terrestrische Glücksspiel erheblich strenger regulieren als das Online-Glücksspiel, das bundesweit reguliert wird.