888 Holdings übernimmt William Hill von Caesars Entertainment. Nach einer aufregenden Bieterschlacht konnte sich 888 Holdings durchsetzen. Die Mitbewerber CVC Capital Partners und Apollo Global Management mussten sich am Ende geschlagen geben. Der Kaufpreis liege laut diverser Medien bei über 2 Milliarden Pfund (2,35 Milliarden Euro). Das Ergebnis übertrifft die anfänglichen Erwartungen. Fachkundige Beobachter waren davon ausgegangen, dass der Kaufpreis bei etwa 1,5 Milliarden Pfund (1,76 Milliarden Euro) liegen würde. Allerdings gibt es noch einen Haken: Unterschrieben ist noch nichts. Nach dem Bieterverfahren kommt es nun zu ausführlichen Verhandlungen, an deren Ende dann der Verkauf von William Hill an 888 Holdings stehen soll. Theoretisch kann die Transaktion aber noch scheitern.

Übernahme des europäischen Teils von William Hill

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Bei der geplanten Übernahme geht es nicht um den US-Anteil von William Hill. Ausschließlich das europäische Geschäft steht zum Verkauf. Caesars Entertainment hat im letzten Jahr William Hill übernommen, um das US-Geschäft zu bekommen. Der Kaufpreis lag damals bei 2,8 Milliarden Pfund (3,29 Milliarden Euro). Im Nachhinein lässt sich somit feststellen, dass Caesars Entertainment alles richtig gemacht hat. Anfangs gab es viele Skeptiker, denn William Hill US war letztlich nur ein relativ kleiner Teil des Gesamtpakets. Aber aus strategischen Gründen war es für Caesars Entertainment wichtig, das Wettbüro-Netz von William Hill in den USA zu übernehmen. Der amerikanische Sportwetten-Markt wächst rasant. Um auf diesem Markt möglichst früh hohe Marktanteile zu erzielen, war Caesars Entertainment dazu bereit, eine fulminante Investition zu tätigen. Nun sieht es so aus, als habe sich das Risiko gelohnt, denn wenn die kolportierten Zahlen am Ende den Verkaufspreis korrekt widerspiegeln, hat Caesars Entertainment ein erstklassiges Geschäft gemacht. Lange Zeit war nicht klar, ob es überhaupt viele Bieter für das europäische Geschäft von William Hill geben würde. Aber da es am Ende drei finanzstarke Bieter gab, war es möglich, einen attraktiven Preis zu erreichen.

Zum Geschäft von William Hill in Europa gehören ungefähr 1.400 Wettbüros in Großbritannien und einigen anderen europäischen Ländern. Das Sportwetten-Geschäft ist während der Gesundheitskrise vor allem im stationären Bereich heftig unter die Räder gekommen. Aber mittlerweile gibt es eine deutliche Erholung. Für 888 Holdings bietet die Übernahme von William Hill die Möglichkeit, zu einem der größten Glücksspielanbieter der Welt zu werden. In Europa wird in Zukunft kein Weg mehr an 888 Holdings vorbeiführen. Ein großer Vorteil für 888 Holdings könnte sein, dass das stationäre Geschäft im Portfolio durch die Übernahme von William Hill deutlich vergrößert wird. Aber mit dem zusätzlichen stationären Geschäft sind auch neue Risiken verbunden, wie sich in der Gesundheitskrise gezeigt hat. Langfristig rechnen allerdings nahezu alle Glücksspielexperten damit, dass sich das stationäre Geschäft vollständig erholen wird. Sollte es jedoch wie im Jahr 2020 und teilweise auch in der ersten Hälfte 2021 noch einmal zu länger andauernden Einschränkungen kommen, könnte 888 Holdings mit den 1.400 Wettbüros Schwierigkeiten bekommen. Aber zunächst wird es darum gehen, den Kaufvertrag auszuhandeln.

Wichtiger Meilenstein für 888 Holdings und Caesars Entertainment

Der Verkauf von William Hill an 888 Holdings ist für Caesars Entertainment ein wichtiger Meilenstein, weil dadurch ein wichtiges strategisches Zwischenziel erreicht wird. Skeptiker hatten im letzten Jahr noch befürchtet, dass 888 Holdings vor allem durch die Gesundheitskrise Schwierigkeiten bekommen könnte, geeignete Interessenten für das europäische Geschäft von William Hill zu finden. Diese Befürchtungen haben sich als falsch herausgestellt. Die Angebote der Konkurrenten sollen durchweg über 1,7 Milliarden Pfund (1,99 Milliarden Euro) gelegen haben. Somit wäre wahrscheinlich auch ohne die Teilnahme von 888 Holdings ein respektabler Kaufpreis erzielt worden. Für Caesars Entertainment ist der amerikanische Markt entscheidend. Der amerikanische Glücksspielkonzern ist nicht daran interessiert, in Europa ein riesiges Geschäft aufzuziehen. Ansonsten wäre der Verkauf des europäischen Anteils von William Hill nie zum Thema geworden. Ganz anders ist die Situation für 888 Holdings. 888 Holdings ist seit vielen Jahren einer der großen Glücksspielanbieter in Europa. Durch einen Zusammenschluss mit William Hill könnte 888 Holdings zu einem der Top-Konzerne in der Glücksspielbranche werden. Eventuell müssen aber auch noch Kartellbehörden gefragt werden, bevor der geplante Deal abgewickelt werden kann.

Der europäische Markt wird aller Voraussicht nach nicht so schnell wachsen wie der amerikanische Markt. Aber trotzdem dürfte es möglich sein, auf dem Glücksspielmarkt in Europa in Zukunft gutes Geld zu verdienen. Die Nachfrage nach Glücksspiel ist riesig. Ein großer Player wie 888 Holdings hat bessere Möglichkeiten als kleine Glücksspielanbieter, den Markt effizient zu bedienen. Es ist kein Zufall, dass in den letzten Jahren viele kleine und große Fusionen auf dem Glücksspielmarkt in Europa stattgefunden haben. Auch die Herausforderungen, die durch neue Regulierungen entstehen, unter anderem auch in Deutschland, sind für große Glücksspielanbieter leichter zu bewältigen. Ein Konzern wie 888 Holdings, der demnächst durch die Übernahme von William Hill noch deutlich größer werden dürfte, kann sich eine eigene Rechtsabteilung leisten. Für kleine Glücksspielanbieter hingegen sind Änderungen an der Regulierung oft mit einem riesigen externen Zusatzaufwand verbunden. 888 Holdings glaubt an William Hill und das ist eine gute Nachricht für die europäische Glücksspielbranche. Auch in Deutschland dürften die Marken 888 Holdings und William Hill weiter eine große Rolle spielen, denn der deutsche Glücksspielmarkt gehört zu den größten Glücksspielmärkten in Europa.