Der Glücksspielanbieter Westlotto ist für die Einführung einer Blacklist für Online-Casinos in Deutschland. Das wurde bei einer Diskussion auf der Branchenkonferenz von iGaming Germany deutlich. Stefan Kilpper von Westlotto betonte, dass die Bekämpfung der illegalen Glücksspielanbieter zentral sei für eine erfolgreiche Regulierung des Online-Glücksspielmarkts. Aber Kilpper wies auch darauf hin, dass zugleich ein attraktiver legaler Markt vorhanden sein müsse, um die gewünschte Kanalisierung zu erreichen. Aktuell fehlt es vor allem an einer schlagkräftigen Aufsichtsbehörde. Die Glücksspielbehörde, die länderübergreifend das Glücksspiel regulieren wird, kann erst ab Mitte 2022 damit beginnen, Maßnahmen gegen illegale Glücksspielanbieter umzusetzen.

Westlotto für Blacklist und scharfe Regulierung

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Auf der Branchenkonferenz von iGaming Germany gab es jüngst eine interessante Diskussion, in der die Herausforderungen, die der neue Online-Glücksspielmarkt in Deutschland mit sich bringt, debattiert wurden. Dabei wurde deutlich, dass es die grundsätzliche Zustimmung zu einer Regulierung des Online-Glücksspiels hoch ist. Allerdings zeigte sich auch, dass es in die Details dann doch noch einiges zu tun gibt. Für Stefan Kilpper, den Manager Stakeholder Relations und Public Affairs von Westlotto, gibt es dabei zwei wichtige Punkte, die bearbeitet werden müssen. Zum einen müssten die illegalen Anbieter massiv bekämpft werden. Zum anderen müssten die legalen Anbieter die Chance bekommen, attraktive Angebote zur Verfügung zu stellen. Nach Einschätzung vieler Experten findet beides im Moment aber nicht im ausreichenden Maße statt.

Eine Blacklist könnte nach Einschätzung von Stefan Kilpper die Bekämpfung des illegalen Online-Glücksspiels in Deutschland vereinfachen. Was ist eine Blacklist? Auf einer Blacklist stünden die Anbieter, die keine Lizenz in Deutschland haben. Aktuell veröffentlicht das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt nur eine Whitelist für die lizenzierten Glücksspielanbieter in Deutschland. Allerdings gibt es noch kein Online-Casino mit Lizenz, da die Prüfung der Lizenzanträge noch andauert. Aber es gibt diverse Online-Buchmacher, die auf der Whitelist stehen. Eine Blacklist hätte den Vorteil, dass Banken, Zahlungsdienstleister und Behörden sehr schnell erkennen könnten, ob ein Anbieter illegal ist oder nicht. Entsprechend könnten dann auch Maßnahmen umgesetzt werden wie das Payment Blocking, also die Blockierung von Zahlungen, an denen illegale Glücksspielanbieter beteiligt sind.

Attraktiver legaler Glücksspielmarkt ist wichtig

Die Bekämpfung des illegalen Online-Glücksspiels findet aktuell in Deutschland nicht in ausreichendem Maße statt. Abgesehen von einigen Bundesländern, die in Eigeninitiative gegen ein paar Unternehmen vorgehen und einigen Staatsanwälten, die Ermittlungen gegen Glücksspielanbieter durchführen, passiert nicht viel. Ohne eine gut aufgestellte Glücksspielbehörde wird sich das auch nicht ändern. Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, das im Moment zuständig ist für die Regulierung des Online-Glücksspiels, scheint vollauf damit ausgelastet zu sein, die Lizenzanträge zu prüfen. Viele Fachleute sehen im späten Aufbau der Glücksspielbehörde einen Kardinalfehler. Zum Start der neuen Glücksspielregulierung hätte es bereits eine entsprechende Glücksspielbehörde geben müssen.

Die Bekämpfung des illegalen Glücksspiels allein wird allerdings nicht dafür sorgen, dass das Online-Glücksspiel auf der Basis deutscher Lizenz gut funktionieren wird. Mindestens genauso wichtig ist, dass ein attraktiver legaler Glücksspielmarkt im Internet vorhanden ist. Es gibt einige Konstruktionsfehler in der deutschen Glücksspielregulierung, die es den legalen Glücksspielanbietern von Anfang an schwer machen. Beispielsweise sind ausschließlich Online-Spielautomaten erlaubt, nicht aber Online-Tischspiele. Online-Tischspiele können nur von den Bundesländern individuell zugelassen werden, nicht aber bundesweit. Auch für High Roller gibt es aktuell keine passenden Angebote auf dem legalen Glücksspielmarkt im Internet in Deutschland. Ob sich diese Probleme mittelfristig lösen lassen, wenn deutlich würde, dass die Kanalisierung nicht funktioniert, bleibt abzuwarten.

Regulierung des Online-Glücksspiels ist anspruchsvolle Aufgabe

Das Online-Glücksspiel wird durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 zum ersten Mal überhaupt bundesweit reguliert. Dementsprechend wenig Erfahrung gibt es in der Politik, aber auch in den aktuell zuständigen Behörden und der künftigen Glücksspielbehörde. Es wird sich sehr schnell zeigen, ob der aktuelle Regulierungsrahmen in der Praxis funktionieren wird. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass möglichst alle Marktteilnehmer sich dazu entscheiden, eine Lizenz zu beantragen. Aus Sicht von Westlotto ist das wichtig, um die gewünschte Kanalisierung zu erreichen. Aber es wird wohl immer so sein, dass es auch illegale Glücksspielanbieter gibt, die deutlich attraktivere Angebote zur Verfügung stellen werden. An dieser Stelle muss die künftige Glücksspielbehörde dafür sorgen, dass die illegalen Glücksspielanbieter vom deutschen Markt verdrängt werden. Wie das in der Praxis funktionieren soll, ist eine offene Frage.