Tim Miller, der Direktor der UK Gambling Commission, hat auf der IAGR-Konferenz (International Association of Gaming Regulators) eindrücklich dargelegt, welche Herausforderungen die Internationalisierung des Glücksspiels für die Regulierungsbehörden mit sich bringt. Insbesondere wächst die Glücksspielbranche in einem atemberaubenden Tempo. Das führt dazu, dass immer mehr Glücksspielanbieter auf den Markt kommen. Die Glücksspielbehörden müssen sich mit Lizenzanträgen in großer Anzahl auseinandersetzen und gleichzeitig noch dafür sorgen, dass die bereits lizenzierten Glücksspielanbieter ordentlich kontrolliert werden. Aus Sicht von Tim Miller kann das nur funktionieren, wenn die Glücksspielbehörden personell und finanziell besser ausgestattet werden, als sie es aktuell sind. Das gelte auch für die UK Gambling Commission.

Glücksspielbehörden vor großen Herausforderungen

UK Gambling Comission

Bei seinem Vortrag auf der IAGR-Konferenz wies Tim Miller darauf hin, dass die Glücksspielindustrie in Großbritannien einen Bruttospielertrag von etwa 14,1 Millionen Pfund pro Jahr erziele. Gleichzeitig liege das Budget der UK Gambling Commission bei bescheidenen 18 Millionen Pfund pro Jahr. Während die Glücksspielindustrie in den letzten Jahren immens gewachsen sei, vor allem im Internet, sei das Budget der britischen Glücksspielbehörde nicht im gleichen Tempo gestiegen. Auf lange Sicht könnte das nicht gut gehen, denn die Qualität einer Regulierung hänge auch immer damit zusammen, dass die nötigen personellen und finanziellen Mittel vorhanden seien. Wenn das nicht mehr der Fall sei, wäre es unvermeidbar, dass die Regulierung nicht gut funktioniere. Darüber gibt es wohl im Grundsatz keinen Dissens. Aber man kann sich leicht vorstellen, dass die britische Regierung auch gute Argumente finden würde, um das aktuelle Budget der UK Gambling Commission zu rechtfertigen.

Die Internationalisierung der Glücksspielanbieter, die Tim Miller als mögliche Problemursache benennt, ist ein großes Thema in der gesamten Branche. Viele große Glücksspielanbieter sind längst in zahlreichen Jurisdiktionen aktiv. Zahlreiche britische Glücksspielanbieter haben beispielsweise auch Lizenzen in Ländern der Europäischen Union. Darüber hinaus zieht es einige der großen Unternehmen der europäischen Glücksspielbranche in die USA oder nach Lateinamerika. Auch Asien ist ein interessanter Markt für viele europäische Glücksspielanbieter. Dadurch entstehen nicht unmittelbar Probleme. Aber wenn die Unternehmen und Konzerne immer größer werden, entsteht ein Ungleichgewicht bei der Regulierung, das frühzeitig bekämpft werden sollte. Regulierungsbehörden sollten, nicht nur in der Glücksspielbranche, immer so ausgestattet sein, dass sie angemessen auf die Herausforderungen, die von der zu regulierenden Branche gestellt werden, reagieren können. In der Glücksspielbranche scheint dies, nicht nur in Großbritannien, zunehmend nicht mehr der Fall zu sein.

Internationalisierung auch für Glücksspielanbieter schwierig

Für Glücksspielbehörden ist es wichtig, dass ein Glücksspielanbieter klar und sauber aufgestellt ist. Aber es ist nicht immer ganz einfach zu beurteilen, ob dies wirklich der Fall ist. Bei international tätigen Glücksspielanbietern ist es zum Beispiel keine Seltenheit, dass es viele verschiedene Standorte gibt. Müsste eine Glücksspielbehörde nicht alle Standorte prüfen? Wenn ein Glücksspielanbieter sich zum Beispiel in einer anderen Jurisdiktion nicht an die Regeln hält, sollte das nicht dazu führen, dass die Glücksspielbehörde keine Lizenz für den britischen Markt erteilt? Das ist eine wichtige Frage, die in der Praxis viel zu selten überhaupt beachtet wird. Die britische Glücksspielbehörde ist vergleichsweise gut aufgestellt und führt umfangreiche Prüfungen bei den Lizenzierungen durch. Aber Tim Miller weist darauf hin, dass auch bei der UK Gambling Commission noch die eine oder andere Lücke im Regulierungsprozess vorhanden sein könnte.

Ein anderes Problem ist, dass die Glücksspielbranche in einem ständigen Wandel ist. Regelmäßig kommen neue Spiele heraus, mitunter sogar ganz neue Spieleklassen. Die Sportwetten, die auf der UK Gambling Commission reguliert werden, haben sich im Laufe der letzten 20 Jahre beispielsweise dramatisch verändert. Früher gab ein Sportwetten-Fan einfach nur einen Tipp auf eine 3-Wege-Wette beim Fußballspiel ab. Heute gibt es Buchmacher mit tausenden Wettoptionen für ganz gewöhnliche Spiele. Auch Livewetten und andere Features sind in den letzten beiden Jahrzehnten neu zum Portfolio hinzugekommen. Für die Kunden der Buchmacher ist das gut, aber für die Regulierungsbehörde stellt sich immer die Frage, ob die Regulierung angepasst werden muss, wenn neue Produkte entstehen. Um das vernünftig zu beurteilen, ist ein großer Personalaufwand nötig. Nicht zuletzt benötigt eine Glücksspielbehörde auch viel Sachverstand. Doch gerade beim Glücksspiel ist Sachverstand in Form von Top-Personalien teuer, denn die besten Fachleute arbeiten in der Regel in der Glücksspielindustrie.

Auch deutsche Glücksspielbehörde steht vor großen Herausforderungen

Die neue deutsche Glücksspielbehörde, die in Sachsen-Anhalt entsteht, steht letztlich vor den gleichen Herausforderungen wie auch die UK Gambling Commission. Im Moment geht es darum, eine leistungsstarke Behörde mit fachkundigem Personal aufzubauen. Das ist nicht einfach, denn in Deutschland haben nicht viele Menschen Erfahrung mit der Regulierung des Online-Glücksspiels. Darüber hinaus wird man in der Glücksspielbehörde in Deutschland sehr schnell feststellen, wie schwierig es ist, mit international agierenden Glücksspielanbietern umzugehen. Nicht zuletzt ist auch die Bekämpfung des Schwarzmarkts, die auch in Großbritannien immer schwieriger wird, eine wichtige Herausforderung. Die deutsche Glücksspielbehörde kommt mit einiger Verspätung. Das ist aber nicht der Fehler der künftigen Behördenleiter oder der Behördenmitarbeiter. Aber angesichts des volatilen Glücksspielmarkts ist es sicher kein Vorteil, dass die Glücksspielbehörde erst ab 2023 in Deutschland die Regulierung der Online-Casinos übernimmt. Bis dahin ist das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt zuständig.