Twitch verbietet Casino-Streams, also jedenfalls ein bisschen. Nach der großen Ankündigung, dass der große Spaß für die Casino-Streamer auf Twitch vorbei sei, erweist sich das neue Regelwerk doch als erstaunlich unscharf. Bei Twitch hat man sich darauf beschränkt, ein paar große Krypto-Casinos zu verbieten. Diese Online-Spielhallen dürfen nicht mehr für Casino-Streams genutzt werden. Doch darüber hinaus bleibt alles im Ungenauen. Die Casinos müssen nur einen ausreichenden Verbraucherschutz gewährleisten. Eine Lizenz in den USA oder einer anderen Jurisdiktion, die einen vergleichbaren Spielerschutz bietet, soll ausreichen. Diese Regelung ist so unklar formuliert, dass nicht einmal klar ist, ob nicht vielleicht auch Curaçao-Casinos eine Chance haben.

Twitch verbietet Casino-Streams nur ein bisschen

Twitch Online Streaming

Bereits nach den ersten Ankündigungen war klar, dass Twitch nicht auf die lukrative Slot-Sparte verzichten würde. Aber der Druck war so groß geworden, dass Twitch reagieren musste. Und nun hat man sich dazu entschieden, in einem durchaus bemerkenswerten Schritt die größten Sponsoren der Casino-Streamer zu sperren. Doch was bedeutet das? Wenn nur gezielt einige Glücksspielanbieter ausgeschlossen werden, dürfen alle anderen Glücksspielanbieter weitermachen? In den nächsten Monaten muss sich zeigen, ob Twitch die Liste der verbotenen Casinos erweitert. Angeblich haben die ersten Casino-Streamer schon neue Deals in der Tasche mit anderen Casinos, die gerne die Lücken füllen, die von den gesperrten Glücksspielanbietern hinterlassen werden. Von einem Verbot von Casino-Streams im engeren Sinne kann somit keine Rede sein.

Die aktuelle Maßnahme muss gehört zur erweiterten Öffentlichkeit arbeitet. Es wird der Eindruck vermittelt, Twitch greife bei den Casino-Streams durch. Wer sich mit dem Thema nicht näher beschäftigt, liest nur etwas von Verbot und findet das gut. Aber die Idee, ein paar Online-Casinos zu sperren und damit einen nachhaltigen Erfolg zu erzielen, ist aberwitzig. Wenn es so einfach wäre, den Glücksspielmarkt einzudämmen, könnte die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder an jedem Freitag eine Champagner-Party feiern. Aber alle Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass gesperrte Anbieter entweder von anderen Anbietern ersetzt werden oder aber in neuer Form wieder auftauchen. Der Grund ist einfach: In der Glücksspielbranche wird unglaublich viel Geld verdient.

Können deutsche Casino-Streamer weitermachen?

Die ersten Kommentare deutscher Casino-Streamer deuten darauf hin, dass sie sich nicht besonders abgeschreckt fühlen von den neuen Twitch-Regeln. OrangeMorange konnte sich nicht beherrschen und ließ seiner Freude auf Twitter gleich freien Lauf.

Und auch Scurrows, ein weiterer deutscher Casino-Streamer mit zweifelhaftem Ruf, zeigte sich gleich erfreut auf Twitter über das schwammige Verbot von Casino-Streams auf Twitch:

Was soll man dazu sagen? Twitch scheint jedenfalls nicht dazu in der Lage zu sein, Angst und Schrecken bei den Casino-Streamern auszulösen. Auch international geht es munter weiter mit den Casino-Streams. Zwar war an den ersten Tagen nach dem Verbot ein deutlicher Rückgang in dieser Kategorie zu erkennen. Aber dieser Trend dürfte sich in den nächsten Wochen umdrehen. Viele Online-Casino Betreiber haben das neue Verbot abgewartet, bevor sie mit Sponsoren-Verträgen in die Lücken der nun verbotenen Glücksspielanbieter stoßen. Es spricht einiges dafür, dass die Anzahl der Casino-Streams aufgrund der lukrativen Verdienstmöglichkeiten für die Streamer und der hohen Nachfrage bei den Zuschauern weiterlaufen werden. Somit hat sich die Hoffnung der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) vielleicht als ein wenig voreilig erwiesen.

GGL gegen Twitch und Casino-Streamer?

Nur der Vollständigkeit halber vorweg: Casino-Streams, in denen Werbung für Online-Glücksspiele gemacht wird, sind in Deutschland spätestens seit der Einführung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 verboten. Das hat die Casino-Streamer aber bislang nicht interessiert. Was macht die GGL nun? Gerade die Casino-Streamer sind äußerst problematisch, wenn es um Werbung für illegale Online-Glücksspiele geht. Anstatt ein Exempel an Lottoland zu studieren, um die staatlichen Lottoanbieter zu schützen, wäre es vielleicht angebracht, in diesem Bereich etwas zu unternehmen. Aber bislang ist von der GGL zu diesem Thema nicht viel zu hören. Mit Hoffen und Beten allein wird es nicht möglich sein, die deutschsprachige Werbung für illegale Online-Casinos auf Twitch wirkungsvoll zu bekämpfen. Uns bleibt, genauso wie bei vielen anderen Themen der neuen Glücksspielregulierung, nur die Frage: Quo vadis, GGL?