Der US-Amerikaner Bill Benter gewann 2001 16 Millionen US-Dollar und löste seinen Gewinn nie ein. Was die Welt für unmöglich hielt, schaffte ein Physiker aus Pittsburgh. Er hatte einen Algorithmus entwickelt, mit dem es gelang, Pferdewetten vorherzusagen. An dieser Formel arbeitete der Akademiker über Jahrzehnte. Das Geld spielte für ihn dabei erst die zweite Geige, betont er. Allerdings hätte er etliche Wetteinnahmen in Millionenhöhe einsacken können. Seine Lebensgeschichte ist filmreif. Er hat die Welt der Sportwetten auf den Kopf gestellt und ist heute zigfacher Millionär, vielleicht sogar mehr. Jetzt will er sich mit 63 Jahren in den Ruhestand verabschieden.

35 Trostpreise und ein Jackpot

Am 6. November 2001 saß William (Bill) Benter in seinem Büro. Es lag in der 27. Etage eines Hongkonger Hochhauses und war nur ein paar Straßen von der Pferderennbahn entfernt. Er hatte den Fernseher lautlos geschaltet, in dem das aktuelle Rennen lief und schaute nur gelegentlich hin. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Paul Calodonato konzentrierte er sich Sportwetten Pferdewetten auf drei Monitore, die eine Matrix sämtlicher 51.382 Wetten zeigten, die die beiden auf exakt dieses Rennen platziert hatten. Die Nieten wurden von dem Rechner automatisch aussortiert. 36 Wetten haben sie im Gesamtwert von 200.000,- Dollar gesetzt, wovon 35 gerade mal einen Trostpreis einbrachten. Anders hingegen Wette Nr. 36. Sie holte das Triple Trio und damit den Mega-Jackpot von umgerechnet 16 Millionen US-Dollar – einen der höchsten, den Hongkong bis dato je gesehen hatte. Um das Triple Trio zu gewinnen, müssen die drei erstplatzierten Pferde in drei aufeinanderfolgenden Rennen richtig getippt werden. Sofern es keinen richtigen Tipp gibt, kommt das ganze eingezahlte Geld den nächsten Rennen zugute. Der Jackpot war bereits sechsmal nicht geknackt worden, als Benter gewann. Es war der Höhepunkt seiner Karriere. Abgeholt hat er seinen Gewinn nie. Lange gab es Spekulationen über den mysteriösen Millionär, doch dann wurde die Summe auf mehrere Wohltätigkeitsorganisationen aufgeteilt. 32 Jahre lang sprach Bill Benter so gut wie nie öffentlich über seine Arbeit. Inzwischen lebt er mit seiner Frau seinem Sohn wieder in Pittsburgh, hat ein Buch über sein Leben geschrieben und darin sein Schweigen gebrochen.

50 Millionen Dollar-Gewinn als unfair empfunden

Die Wettkarriere des heute 63-Jährigen begann in den 1970er-Jahren. Damals zählte er Blackjack-Karten in Las Vegas. Er gehörte einer professionellen Casino-Gang an, mit der er um den halben Globus reiste und jährlich rund 80.000,- US-Dollar erwirtschaftete. Das ging so lange gut, bis er Mitte der 1980er-Jahre aufflog und ihm in allen Spielcasinos von Las Vegas Hausverbot erteilt wurde. Von da ab widmete er sich Pferdewetten. Er war von Anfang an sicher, dass sowohl der Erfolg, als auch die Niederlagen bei solchen Rennen von quantitativen Variablen abhängen: „Stellt man Faktoren wie die Größe des Pferdes, dessen Siegerquote, die Geschwindigkeit auf der Geraden und die Skills des Jockeys gegenüber, lässt sich die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg vorhersagen,“ sagt Benter. Der Physiker arbeitete mehr als zehn Jahre an diesem Algorithmus, optimierte ihn ständig und machte Tests im Jockey Club von Hongkong. Damals gehörte Hongkong noch zu Groß-Britannien, in dem Pferderennen von jeher eine immense Rolle spielten. Nirgendwo sonst wurde täglich so viel Geld in Wettbüros gelassen.  Mit jeder Wett-Saison vermehrte sich Bill Benters Vermögen. Bereits in den 1990er-Jahren hatte er zusammen mit seinem Team ein Triple Trio geholt. Bei 50 Millionen US-Dollar lag der Gewinn damals. Da ihnen ihre „Leistung“ als unfair vorkam und sich das Benter-Team nicht outen wollte, verzichteten sie schon damals darauf, das Geld abzuholen. Bill Benter schickte dem Wettbüro einen anonymen Brief und bat darum, den Gewinn wohltätigen Organisationen zu spenden.

Kein Milliardär trotz Milliarden-Einnahmen

In den 1980er-Jahren hatte Bill Benter seinen Algorithmus noch um 20 weitere Variablen erweitert. Ihm war klar geworden, dass nicht das Wetten die Gewinnwahrscheinlichkeit beeinflusst, sondern die Ruhetage, die den jeweiligen Pferden zwischen den Rennen zur Verfügung stehen. Um die Jahrtausendwende herum war es ihm dann mithilfe von 120 verschiedenen Faktoren gelungen, die Gewinnchancen zu errechnen. 1995 publizierte er dieses Rechenmodell, das daraufhin zur Bibel für Hightech-Spieler avancierte. William (Bill) Benter zog sich in den letzten Jahren immer mehr aus dem professionellen Wettgeschäft zurück. Geld hat er inzwischen genug verdient. Er selbst schätzt seine Einnahmen auf ungefähr eine Milliarde US-Dollar. Dennoch sei er nie ein Milliardär gewesen, denn einen Großteil dieser Summe hätten die Mitarbeiter seines Teams bekommen, erklärt er. Wie hoch sein aktuelles Vermögen ist, will er jedoch nicht preisgeben. Ganz anders verhält es sich bei seinem System. Darüber redet er gern und viel, z.B. als Berater von Firmen, bei Mathematik-Seminaren an Universitäten oder auch in seinem Buch.  Der Mann mit der dunklen Hornbrille und den kurzgeschorenen grauen Haaren spendet heutzutage Millionen für Impfungen in Afghanistan, Afrika und Pakistan und auch für Schulen in Pittsburgh. Mit seiner Stiftung sammelt er Geld für kulturelle und gesundheitsfördernde Projekte auf der ganzen Welt. Auf Pferderennen wettet er nur noch gelegentlich.