Die Anzahl der Spielhallen ist in Berlin in den letzten Jahren deutlich gesunken. Für die Glücksspiel-Fans ist das ein Problem. Aber der Berliner Senat ist schon seit Jahren damit beschäftigt, Spielhallen abzuschaffen und damit auch erstaunlich erfolgreich. Berlin ist nicht unbedingt dafür bekannt, politische Ziele effizient umzusetzen. Aber beim Spielhallen-Abbau ist die Landesregierung dann doch erstaunlich aktiv. Aber der Abbau von Spielhallen garantiert nicht, dass am Ende der Spielerschutz besser wird oder weniger Geld beim Glücksspiel umgesetzt wird. Viele Experten glauben sogar, dass es ein Irrweg ist, die Spielhallen abzubauen, während gleichzeitig Online-Casinos in ganz Deutschland genehmigt werden.

Spielhallen-Abbau in Berlin gut für Spielerschutz?

Spielbank Deutschland

Wer sich ein bisschen mit dem Thema Glücksspiel beschäftigt, wird schnell feststellen, dass die Nachfrage nahezu überall auf der Welt riesig ist. Sobald auch nur ein kleines Angebot entsteht, sei es legal oder illegal, stürzen sich zahlreiche Menschen auf dieses Angebot. Schon die römischen Soldaten waren fasziniert von Würfelspielen. Woher diese Faszination kommt, ist eine spannende Frage für Psychologen und Anthropologen. Aber für Politiker sollte es in erster Linie darum gehen, die Realität anzuerkennen und auf der Basis dieser Realität vernünftige Regeln und Gesetze zu schaffen. Ob das in den letzten Jahren in Berlin passiert ist, nicht nur beim Thema Glücksspiel, wäre eine andere interessante Frage für engagierte Wissenschaftler. Aber beim Thema Glücksspiel lässt sich relativ gut zeigen, dass nicht alles, was auf den ersten Blick gut und sinnvoll aussieht, am Ende auch gut und sinnvoll ist. In Berlin sind viele Spielhallen geschlossen worden in den letzten Jahren und weitere Spielhallen-Schließungen stehen an. Der neue Glücksspielstaatsvertrag, der am 1. Juli 2021 in Kraft getreten ist, macht es den Landesregierungen relativ leicht, die Anzahl der Spielhallen zu reduzieren.

Zwischen Spielhallen muss ein Mindestabstand von 500 Metern sein. Darüber hinaus müssen Spielhallen auch zu kritischen öffentlichen Einrichtungen, beispiellose Jugendzentren, einen Abstand von mindestens 500 Metern haben. In Berlin gibt es nach wie vor diverse Spielhallen, die diesen Mindestabstand nicht erfüllen. Deswegen ist zu erwarten, dass weitere Spielhallen in Kürze geschlossen werden müssen. Doch die entscheidende Frage sollte sein: Wirkt es sich auf den Spielerschutz positiv aus, wenn es weniger Spielhallen gibt?

Spielhallen-Abbau in Zeiten des Online-Glücksspiels

Vor zwanzig Jahren oder noch früher wäre der Abbau von Spielhallen wahrscheinlich eine relativ sinnvolle Maßnahme gewesen, um den Umsatz mit Glücksspielen zu reduzieren. Zwar gibt es auch illegales Glücksspiel im stationären Bereich. Aber viele Glücksspiel-Fans würden sich auf solche Angebote nicht einlassen. Deswegen würde der Umsatz wohl insgesamt sinken, wenn Spielhallen abgebaut würden und keine Online-Alternativen verfügbar wären. Das Problem ist aber: Es gibt nicht nur Online-Casinos. Demnächst gibt es auch Online-Casinos mit deutscher Lizenz. Völlig legal und unbeeinträchtigt können dann Glücksspiel-Fans rund um die Uhr im Internet spielen. Schon jetzt ist dies problemlos möglich, denn eine Übergangsregelung sorgt dafür, dass die Online-Casinos, die aller Voraussicht nach demnächst eine deutsche Lizenz bekommen werden, Glücksspiele im Internet unbehelligt anbieten können.

Darüber hinaus gibt es auch noch eine ganze Reihe von Online-Glücksspielanbietern, die sich überhaupt nicht dafür interessieren, welche Regeln in Deutschland gelten. Diese Glücksspielanbieter sind irgendwo jenseits des Atlantiks oder in Asien ansässig. Das ist auch ein Problem für die seriösen Online Casinos in Deutschland. Wenn es Glücksspielanbieter gibt, die wesentlich attraktivere Angebote haben, unter anderem auch für die umsatzstarken High Roller, werden die seriösen Glücksspielanbieter mit Konzession bzw. Lizenz benachteiligt. Dieser Effekt betrifft sowohl die Spielhallen-Betreiber als auch die Betreiber der seriösen Online-Casinos in Deutschland. Was machen nun die Glücksspiel-Fans, die erleben müssen, wie ihre bevorzugte Spielhalle geschlossen wird?

Viele Alternativen trotz Spielhallen-Schließungen verfügbar

Auf den ersten Blick sieht es für Glücksspielgegner vielleicht großartig aus, wenn die Anzahl der Spielhallen sinkt. Aber es gibt genau zwei Effekte, die als Folge entstehen. Ein Teil der Spielhallen-Besucher wechselt einfach zur nächsten Spielhalle. Vielleicht ist dann ein etwas längerer Anfahrtsweg nötig. Aber wenn der Anfahrtsweg nicht zu lang ist, dürfte das die wenigsten Glücksspiel-Fans aufhalten. Dieses Problem ließe sich vielleicht dadurch lösen, dass noch mehr Spielhallen geschlossen würden. Aber es gibt noch eine weitere Alternative, die überhaupt keinen Mindestabstand hat: Online-Casinos sind immer verfügbar. Mit ein paar Klicks und Eingaben kann sich ein volljähriger Spieler in Deutschland problemlos in einem seriösen oder nicht ganz so seriösen Online-Casino anmelden. Und dann stehen plötzlich deutlich mehr Spiele als in allen Spielhallen der näheren Umgebung zur Verfügung.

Für den Spielerschutz wäre es am besten, wenn die Glücksspiel-Fans ausschließlich in streng kontrollierten Spielhallen und lizenzierten Online-Casino spielen würden. Aber die Idee, dass durch die Reduzierung der Spielhallen im Jahr 2021 der Spielerschutz verbessert würde, ist doch einigermaßen seltsam. Für Glücksspiel-Fans gibt es immer Möglichkeiten, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Der Staat sollte seine Hauptaufgabe darin sehen, vernünftige Regeln zu schaffen und ein attraktives legales Angebot zu ermöglichen. Zudem sollte viel Geld in den Spielerschutz investiert werden. Grundsätzlich ist es nur ein kleiner Teil der Kundschaft in Spielhallen und Online-Casinos, der Probleme bekommt. Mit Spielhallen-Schließungen allein ist es eher nicht möglich, den Spielerschutz signifikant verbessern.