Der österreichische Verein Spielerhilfe verfolgt das Ziel, sich für einen deutlich besseren Schutz von Spielern einzusetzen. Er berät Hilfesuchende und bemüht sich um eine umfassende mediale Aufklärung in nahezu sämtlichen Bereichen, die das Glücksspiel und den Spielerschutz betreffen. Aktuell hat die Organisation den tschechischen Anbieter Casino Imperator im Visier, da sich dieser nicht an die gesetzlichen Spielerschutz-Auflagen hält.

Ungenügender Spielerschutz in Tschechien

Casino Imperator | Tschechien

Im Vergleich zum restlichen Europa ist der Spielerschutz in Tschechien auf einem relativ niedrigen Niveau. Diese Tatsache veranlasste den aus Wels stammenden Verein Spielerhilfe dazu, ins Detail zu gehen und einige Recherchen zu veranlassen, die auch äußerst unbequeme Fragen an die Verantwortlichen mit sich brachten. Normalerweise beschäftigt sich die Organisation nur mit Glücksspiel-Anbietern im eigenen Land, doch da es sich bei Tschechien um einen direktes Nachbarland handelt, in das auch österreichische Spieler zum Spielen fahren und on top auch noch die Firma Apex, die ein sehr enger Partner der Novomatic ist, Beteiligungen an verschiedenen tschechischen Spielbanken hält, wurden die Landesgrenzen diesmal überschritten. Bei mindestens einer dieser Spielbanken, in deren Geschäfte die Apex involviert ist, hat es nicht nur gröbere Verstöße im Bereich des Spielerschutzes gegeben, sondern es kam sogar zu Gesetzesbrüchen. Das Management des Casino Imperator hatte vor Ort ganz einfach die von verschiedenen Gästen selbst auferlegten Einsatzlimits aufgehoben. Dabei wurde die gesetzlich vorgeschriebene Wartefrist von insgesamt sieben Tagen nicht eingehalten. Bei dieser Maßnahme bediente sich das Casino eines Tricks, indem es zusätzlich eine zweite Spielerkarte ausstellte.

Der Verein Spielerhilfe erfuhr davon, wurde aktiv und sandte an das komplette Management des Casino Imperator einen Fragenkatalog, der nicht beantwortet wurde. Nachdem keine Reaktionen des Anbieters erfolgt waren, wandte sich die Spielerhilfe an die Firma Apex Gaming und den dafür zuständigen Manager. Dieser bestätigte eine Beteiligung der Firma Apex an dem Casino Imperator und versicherte, dass er sich dieser Sache persönlich annehmen wollte, nachdem er die näheren Details in Erfahrung bringen konnte. Unmittelbar danach wollte er eine Stellungnahme zu den Vorfällen abgeben. Dieses Versprechen gab er der Spielerhilfe am 9. Juni dieses Jahres. Inzwischen sind fast drei Monate vergangen, auf eine Stellungnahme wartet der Verein Spielerhilfe allerdings nach wie vor. Zwischenzeitlich gab es noch einen spärlichen Kontakt per WhatsApp. Die Spielerhilfe hatte den Apex-Manager erneut an seine Zusage erinnert und erhielt nur die lapidare Antwort: „... habe ich es dem örtlichen Management bereits mitgeteilt, da ich nicht verantwortlich bin möchte ich Sie bitten diese direkt zu kontaktieren." Einige Wochen zuvor hatte der Manager dem Verein noch mitgeteilt, dass er hinsichtlich der Verstöße noch deutlich mehr Einzelheiten wissen müsste, um diese umgehend prüfen zu können. Er schrieb damals: „Ich bräuchte hier schon etwas Evidence. Bei wem ist das passiert, wann war das, ich kann jetzt nicht 100.000 mal suchen. Das bräuchte ich schon genauer. Können Sie mir das schicken?"

Vorschriften werden häufig umgangen

Offensichtlich will die Firma Apex Gaming keinerlei Verantwortung für die Vorfälle im tschechischen Casino Imperator übernehmen, und auch das Management der stationären Spielbank hat bis heute nicht auf eine einzige Anfrage seitens des Vereins Spielerhilfe reagiert. Allerdings erhielt die Organisation zwischenzeitlich ein Schreiben von der Anwaltskanzlei, zu deren Klienten u.a. auch das Casino Imperator gehört. Darin steht geschrieben: „Wir bitten Sie daher dringend, derartige diffamierende Aktivitäten zu unterlassen und ohne unsere Zustimmung keine Informationen über unsere Einrichtungen zu veröffentlichen. Wir glauben, dass in unseren Casinos kein Gesetzesverstoß vorlag. Trotzdem nehmen wir eure Inputs ernst und gehen ihnen im Detail nach." Auch wenn es ganz offensichtlich ist, dass sich das Unternehmen sehr um sein Image sorgt, ist selbst nach dieser Versicherung durch die Rechtsanwälte nichts weiter geschehen. Daher sah sich der Verein Spielerhilfe gezwungen, die in Tschechien zuständigen Lizenz- und Aufsichtsbehörden zu informieren sowie u.a. auf seiner Facebook-Seite vor dem tschechischen Casino Imperator zu warnen. Schließlich ist das österreichische Nachbarland ein „Schlaraffenland“ für Glücksspiel-Fans.

Insbesondere auffällige oder gefährdete, bzw. in Österreich gesperrte Spieler fahren häufig über die Grenze, um dort ihrer Leidenschaft nachzugehen. Allerdings kann sich ein solcher Trip auch zu einem Albtraum entwickeln, da der Spielerschutz in Tschechien häufig vollkommen ignoriert wird, wie das Beispiel des Casino Imperator zeigt. Auch wenn es in den stationären tschechischen Spielbanken so gut wie keine Maßnahmen zum Spielerschutz gibt, werden doch Formulare zur Selbstsperre angeboten. Allerdings handelt es sich dabei meist um eine Art Fake, denn in Tschechien existiert bislang gar kein Gesetz für eine potenzielle Selbstsperre. Daher sind diese Formulare wohl eher eine Form des Alibis und bieten den Spielsüchtigen keinen Schutz. In tschechischen Casinos gibt es nur eine einzige Maßnahme, die funktioniert, indem sich Spieler selbst ein Verlust-Limit setzen, beispielsweise von zwei Euro am Tag. Zwar ähnelt dies einer Selbstsperre, aber auch nur ansatzweise, denn dieses Limit muss im elektronischen System des Betreibers hinterlegt werden. Sofern der Kunde eine Änderung dieses Limits wünscht, muss zunächst eine Wartefrist von sieben Tagen eingehalten werden. Und um diese Vorschrift zu umgehen, legen Unternehmen, die es mit dem Spielerschutz nicht so genau nehmen, einfach eine zweite Spielerkarte an.