Die Spielehersteller in Deutschland sind langsamer gewachsen als der Markt. Das zeigen aktuelle Zahlen aus einer Studie, die im Auftrag des Verbands der deutschen Games-Branche e.V. vom Marktforschungsinstitut GfK durchgeführt worden ist. Bei der aktuellen Untersuchung ging es nicht um Spielautomaten und andere Glücksspiele, sondern um Videospiele und Browserspiele. Die wichtigste Erkenntnis: von 100 Euro, die im Jahr 2020 für Spiele ausgegeben wurden, haben die deutschen Spielehersteller 4,17 Euro bekommen. Im Jahr 2019 lag der Anteil noch bei 4,93 Euro. Die deutsche Spielebranche hat damit eine historische Chance verpasst, denn im Jahr 2020 ist der Spielemarkt durch die außergewöhnlichen Rahmenbedingungen in der Gesundheitskrise erheblich gewachsen.

Deutsche Spielehersteller haben Nachholbedarf

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Ein Blick auf die Zahlen von GfK zum Jahr 2020 zeigt, dass die deutschen Spielehersteller vor allem im Videospiel-Bereich, also bei den Spielen für PCs und Konsolen, nicht gut aufgestellt waren. Der Anteil der deutschen Spielehersteller am Gesamtmarkt ist von 1,9 Prozent im Jahr 2019 auf 1,3 Prozent im Jahr 2020 gesunken. Dahingegen konnten die deutschen Spielehersteller den Anteil im Markt für Smartphone- und Tablet-Spiele etwas erhöhen, und zwar von drei Prozent auf 4,1 Prozent. Besonders dramatisch war der Abfall bei den Browserspielen. Im Jahr 2019 hatten die deutschen Spielehersteller noch einen Anteil von 17,6 Prozent. Im Jahr 2020 lag der Anteil nur noch bei 7,2 Prozent. Die nackten Zahlen verraten allerdings noch nicht, warum die deutschen Spielehersteller so große Schwierigkeiten hatten, im Jahr 2020 von den weltweit günstigen Rahmenbedingungen zu profitieren. Ein Grund könnte sein, dass die grundsätzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland für Spielehersteller längst nicht so gut waren wie in anderen Ländern. Deswegen war es nicht möglich, schnell zu wachsen, als plötzlich viele Menschen zu Hause bleiben mussten und mehr Zeit als sonst hatten, Videospiele und andere Games zu nutzen. Im Jahr 2020 hat sich wohl gerächt, dass gerade der Spielemarkt in den letzten Jahren auch von der Politik sträflich vernachlässigt worden ist.

Gutes Personal zu finden ist schwierig

Für Hersteller von Videospielen und anderen Spielen, die auf Computern, Smartphones und Tablets gespielt werden, ist es wichtig, gute Förderprogramme für junge Unternehmen zu haben. Ein Start-up-Unternehmen muss viel Geld investieren, bevor die ersten Einnahmen fließen. Die Entwicklung eines hochwertigen Videospiels kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen. In jedem Fall dauert es eine ganze Weile, bis ein fertiges Produkt vorhanden ist, das zu Einnahmen führt. Deswegen ist es wichtig, staatliche Förderprogramme zu haben, mit denen Unternehmen dazu in die Lage versetzt werden, auf dem Spielemarkt erfolgreich zu sein. In diesem Bereich gibt es in Deutschland nach wie vor einen riesigen Nachholbedarf. Zudem ist es für die Videospiel-Hersteller nicht einfach, das nötige Personal zu finden. Speziell, wenn es um Programmierer geht, ist die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt riesig. Spielehersteller müssen nicht nur exzellente Arbeitsbedingungen, sondern auch hohe Gehälter anbieten können, um die besten Leute für den Job zu bekommen. Auch an dieser Stelle ist es gerade für Start-ups schwierig, einen Fuß in den Markt zu bekommen. Nicht zuletzt gibt es heute die Möglichkeit, relativ einfach einen Standort außerhalb Deutschlands zu wählen, der günstigere Rahmenbedingungen bietet. In Deutschland gibt es Regionen, in dem nicht einmal schnelles Internet für Unternehmen verfügbar ist.

Deutscher Spielemarkt wächst im Jahr 2020 deutlich

Der Spielemarkt ist in Deutschland im Jahr 2020 erheblich gewachsen. Der Gesamtumsatz lag bei 8,5 Milliarden Euro. Gezählt werden dabei nicht nur die Spiele-Verkäufe, sondern auch die Hardware-Verkäufe. Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent gestiegen. Besonders beeindruckend sind die Umsätze im Bereich der Videospiel-Konsolen und der Spiele-PCs. In diesem Bereich wurden 3,2 Milliarden Euro umgesetzt mit Hardware und Software. Immer wichtiger werden zudem die In-Game-Verkäufe. In vielen Spielen ist es möglich, zusätzliche Features und Gegenstände zu kaufen. Viele Spieler nutzen diese Gelegenheiten und tragen auf diese Weise dazu bei, dass der Umsatz mit Videospielen seit Jahren wächst. Auch die zahlreichen Abos, die nötig sind, um Videospiele zu nutzen, sind sehr populär. Die Videospiel-Branche wird auch in den nächsten Jahren wachsen, aber es könnte durchaus sein, dass im Jahr 2021 ein Konsolidierungseffekt eintritt, weil das Jahr 2020 durch die besonderen Rahmenbedingungen ungewöhnlich war.

Die Spielebranche hatte im Jahr 2020 den Vorteil, dass viele Menschen nichts anderes zu tun hatten, als Videospiele in ihrer Freizeit zu zocken. Das hat sich in den letzten Monaten jedoch erheblich verändert. Mittlerweile sind viele andere Freizeitbeschäftigungen wieder möglich, sodass die verfügbare Zeit für Videospiele sinkt. Aber das ändert nichts grundsätzlich daran, dass Videospiele für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil der Freizeit sind. Es gibt zudem einen langfristigen Effekt, der kaum zu überschätzen ist. Nach wie vor sind es eher die jüngeren Generationen, die Videospiele spielen. Aber mit jedem Jahr werden die jüngeren Generationen älter und es ist nicht zu erwarten, dass irgendwann die Lust auf Videospiele komplett verschwinden wird. Deswegen wird das Publikum für Videospiele in den nächsten Jahren älter werden und wachsen. Es wäre eine große Überraschung, wenn im gleichen Zuge nicht auch der Umsatz mit Videospielen steigen würde, denn je älter die Spieler sind, desto mehr freies Einkommen für Videospiele steht durchschnittlich zur Verfügung.