Die deutschen Casino-Streamer Scurrows und Orangemorange haben Accounts beim neuen Twitch-Konkurrenten Kick. Auf Kick soll das stattfinden, was bis vor Kurzem bei Twitch üblich war: Casino-Streams mit dubiosen und problematischen Online-Casinos. Die Motivation der Streamer ist einfach: Es gibt viel Geld zu verdienen. Bei Twitch ist hingegen für Casino-Streamer nicht mehr viel zu holen. Zwar sind Scurrows und Orangemorange nach wie vor auf Twitch aktiv, aber nicht mit Casino-Content. Kick positioniert sich als attraktive Alternative zu Twitch für Casino-Streamer. Die offene Frage ist allerdings, ob Kick auch bei den Kundinnen und Kunden ankommt, denn ohne Kundschaft lässt sich kein Geld verdienen.

Scurrows und Orangemorange jetzt bei Kick?

Kick Streaming_Image

Scurrows und Orangemorange haben in der deutschen Streamer-Szene nicht den besten Ruf. Die beiden Casino-Streamer hatten in der Vergangenheit keine Hemmungen, Geld zu nehmen von Online-Casinos, die in Deutschland nicht zugelassen waren. Doch Twitch hat durch das Verbot diverser Online-Casinos als Sponsoren dafür gesorgt, dass das Casino-Streaming deutlich uninteressanter geworden ist für Scurrows, Orangemorange und viele andere Streamer. Es hat jedoch nicht lange gedauert, bis mit Kick eine neue Plattform auf den Markt kam. Kick versucht, die Top-Streamer der Szene mit hohen Beteiligungen zu begeistern. Bis zu 90 Prozent der Abo-Einnahmen sollen direkt an die Streamer fließen. Zum Vergleich: Bei Twitch sind nur 50 Prozent der Abo-Einnahmen für die Streamer drin. Allerdings ist die entscheidende Größe das Publikum. Zudem muss sich noch zeigen, welche Online-Casinos bei Kick als Sponsoren auftreten werden. Zuletzt verdichteten sich die Hinweise, dass hinter Kick zumindest teilweise das berüchtigte Online-Casino Stake steht. Einer der Gründer, Ed Craven, soll die Idee gehabt haben, mit Kick eine Alternative zu Twitch auf den Markt zu bringen.

Daran wird schon deutlich, wie wichtig das Geschäft mit den Casino-Streamern für Online-Casinos ist, die in den meisten Ländern keine Zulassung haben. Für Casino-Streamer wie Scurrows und Orangemorange ist die Motivation klar: Wenn Kick zu einem Erfolg wird, werden die beiden Casino-Streamer aus Deutschland viel Geld verdienen. Dabei sollten sie sich allerdings nicht in Deutschland aufhalten, denn in Deutschland ist Influencer-Werbung für nicht zugelassene Casinos selbstverständlich verboten.

Was macht Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder?

Gegenwärtig lässt noch schwer abschätzen, was sich bei Kick wirklich entwickeln wird. Wie wird die deutsche Glücksspielbehörde reagieren, wenn Scurrows, Orangemorange und vielleicht auch noch andere deutsche Casino-Streamer wieder aktiv werden und zahlreiche deutsche Casino-Fans dazu bringen, in nicht zugelassenen Online-Casinos zu spielen? Die Antwort lautet wahrscheinlich: Die neue Glücksspielbehörde wird nicht allzu viel unternehmen. Wenn sich Scurrows und Orangemorange im Ausland befinden, hat die deutsche Glücksspielbehörde kaum Möglichkeiten, über strafrechtliche Maßnahmen vorzugehen. Doch sollte es wirklich dazu kommen, dass deutsche Casino-Streams im großen Stil zurückkommen, würde dies in gewisser Weise die neue Glücksspielregulierung in Deutschland ad absurdum führen.

Es kann nicht im Sinne der deutschen Regulierungsbehörde sein, dass deutsche Casino-Streamer in deutscher Sprache offenbar deutsche Glücksspiel-Fans ansprechen, um über Abos und Provisionen Geld zu verdienen. Die Summen, die mit Casino-Streams auf Twitch verdient wurden, lagen im sechsstelligen, siebenstelligen und teilweise sogar achtstelligen Bereich. Aber unabhängig davon, sollte es um das Prinzip gehen. Wer deutsche Casino-Spieler umwirbt, sollte sich auch an deutsche Gesetze halten. Wenn die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder für dieses Problem keine Lösung findet, dürfte es schwierig sein, überhaupt eine vernünftige Regulierung in der Praxis hinzubekommen. Gerade die Casino-Streamer sprechen zudem problematische Zielgruppen an, da die Zuschauer in der Regel jung sind.

Scurrows und Orangemorange als Gewinner?

Derzeit lässt sich nicht seriös abschätzen, wie erfolgreich Kick wird. Es kann sein, dass in ein paar Monaten klar wird, dass die neue Streaming-Plattform keine Konkurrenz ist für Twitch und nicht genügend Kundinnen und Kunden anlockt. Aber auch das Gegenteil kann passieren. Vielleicht wird Kick zum neuen Eldorado für Casino-Streamer und Casino-Fans. In der neuen Glücksspielbehörde in Deutschland sollte man sich die Entwicklung nicht nur anschauen, sondern proaktiv handeln. Bislang hat man zumindest nicht den Eindruck, dass alle Mittel ausgeschöpft werden, um gegen deutsche Casino-Streamer vorzugehen. Vielleicht ändert sich das aber in den nächsten Monaten.